5 Fragen an…

…Jeanette Bruneau Rossow von treches.

In loser Folge möchten wir hier Menschen aus der Ecofashion-Szene zu Wort kommen lassen. Den Anfang macht Jeanette, Gründerin des Berliner Labels treches. Das Interview:

Mal so ganz allgemein: was findest du eigentlich spannend an Mode und Design?TrechesPostcardsPreview

Ich finde Selbstdarstellung sehr spannend, wie wir unser Inneres durch Kleidung, Haarschnitt usw. zeigen und auch die Zugehörigkeit zu Gruppen o.ä. nach außen tragen. Es fasziniert mich sehr wie Symbole und Details in der Kleidung gewisse Haltungen kommunizieren wie z.b Schultermanschetten versus Borten und Schleifen, und ich nehme gerne solche typischen Symbole auf und spiele mit ihrer Bedeutung.

Als Modelabel/kleine Firma hat man wohl begrenzten Einfluss aber wir sind gerne ein gutes Beispiel dafür wie Firmen solidarischer auftreten können und tragen gerne dazu bei, dass es trendig wird, sich zu kümmern. Treches und alle anderen grünen Modelabel (und andere ethische start-ups) haben gemeinsam eine Chance eine neue Mentalität zu verbreiten, wo es cool ist auf seine Umwelt und Mitmenschen achtzugeben.

Du bist von Oslo nach Berlin gezogen und hast dort dann dein Label gegründet. Hat die Stadt großen Einfluß auf den Style von treches? Oder, andersherum, würdest du sagen der treches-Style ist irgendwie „typisch“ für Berlin?

Ich glaube Treches‘ Stil ist eine Konsequenz davon, dass ich in Berlin lebe, weil ich von Leuten um mich herum inspiriert werde. Ausserdem fühle ich mich sehr angezogen von simplen geometrischen Formen, schlaue Lösungen in Schnitten (um z.B Verschnitt zu verhindern oder Formen zu erschaffen) und vor allem suche ich nach einer ästhetischen Balance zwischen den Farben und Formen. Es scheint, als ob es typisch für Berliner Designer ist, dass man seine eigenen Einflüsse mit einer gewissen Berliner Lässigkeit kombiniert. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Treches-Style ist sicher auch der Einfluss den die DIY Szene auf mich hat.

Würdest du treches als feministisches Label bezeichnen? Inwieweit lassen sich feministische Haltungen überhaupt über Mode transportieren?

261-peakMeine 2 Mitarbeiterinnen und ich nennen uns Feministinnen, und wir sind gegen jede Art von Unterdrückung und Diskriminierung. Bei meinen Designs versuche ich die Geschlechterrollen zu vervielfältigen und will Menschen inspirieren, sich zu trauen mit femininen/maskulinen Symbolen und Attributen zu spielen. Sehr gerne würde ich alle unsere Kleidungstücke „Unisex“ nennen, aber wegen unterschiedlicher Körperaufmachung teilen wir die Kollektionen nach normativen Männer- oder Frauen- Körpern ein. Wir haben aber viele androgyne Teile die jedem Geschlecht stehen könnten.

Du hast treches von Beginn an als ethisches Labels gestartet, das mit ökologischen und Fairtrade-Materialien arbeitet. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Bevor ich Treches‘ im Jahr 2008 gestartet habe, nähte ich Kleidung in Kleinstserien um sie auf Wochenendemärkten zu verkaufen. Ethisches miteinander war mir immer wichtig und als die Menge an Stoffen die ich benötigte wuchs, ist mir aufgefallen wie auch ich dazu auch beitrage umweltschädliche Stoffe und unethische Arbeitsverhältnisse durch meine Produktion zu unterstützen. Dabei wollte ich nicht mitmachen und so habe ich meine ersten ökologischen, fairen Stoffrollen bestellt. Ich habe mich aus Überzeugung entschieden in Deutschland zu produzieren, da ich mir wünsche, daß in dem Land, in dem die Kleidung produziert wird, die Menschen, welche dort leben sich auch die Sachen leisten können. Für mich ist Fairtrade ein wichtiges Mittel um Ungerechtigkeit in der Welt zu bekämpfen aber noch lange nicht die endgültige Lösung. Ich denke, wenn alle Firmen etwas dazu beisteuern die Situation in den Produktionsländern zu verbessern, würden wir einen großen Schritt vorankommen. Mit Treches wollte ich beweisen, dass einheimische Produktion möglich ist. Jetzt arbeiten 2 Schneiderinnen und ich, plus die kleine Produktionsstelle Wergo in Berlin in der Treches Produktion.

Würdest du sagen, daß die Entscheidung, konsequent mit ökologischen Materialien zu arbeiten, die Umsetzung deiner Ideen und Designs erschwert? Haben konventionelle Labels es deiner Meinung nach leichter?

Ich bin oft neidisch auf konventionelle Designer, aber ich weiß daß der Treches-typische Stil sich so entwickelt hat gerade wegen des kleinen Angebots an Stoffen und Zutaten. Mit hochwertigen aber langweiligen Baumwoll-Stoffen ist die Herausforderung für den Designer grösser und ich habe die durch z.B. Patchwork-Technik, der Arbeit mit geometrischen Formen und Kontrasten sowie Dekonstruktion der Schnitte gelöst.

——–

Hier findet ihr unsere Auswahl von treches-Produkten in unserem Shop.