Fashion Fashion Fashion… Week. Und: Neue Labels!

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin…
Vor kurzem war ja Fashion-Week in Berlin. Im Rahmen dessen fanden die verschiedensten Messen statt – erfreulicherweise auch im eco-fair Fashion Bereich, wie z.B. die Ethical Fashion Show oder Green Show Room. Marken aus unserem zündstoff-Sortiment waren außerdem auf der Seek und der Premium vertreten. Severine und Matze haben sich deswegen im Januar auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, um einen Blick auf neue Trends und kommende Kollektionen zu werfen und außerdem evtl. das ein oder andere neue Label zu entdecken, um es in unser Angebot aufzunehmen. Neue Moden und trendige Styles sind ja häufig streitbar – den beiden war das Ding mit den hochgekrempelte Jeans samt breitem Bein so auch eher ein wenig too much. Wird wohl aber von Berliner und internationalen Trend-Hipstern getragen. Well… Ziemlich weit am Bein ging es auch bei einigen neuen Modellen verschiedener Jeans-Labels zu, Schlaghosen kommen also auch (mal) wieder dran und ggf. aus den Kleiderschränken heraus. Culotte Hosen sind gerade ebenfalls ziemlich en vogue und nicht nur im Sommer eine erfreulich luftige Angelegenheit. Was außerdem trendtechnisch weiter am Start ist: Alles Maritime, z.B. schöne navyfarbene Troyer, die auch fernab des Meers Seemanns-Feeling aufkommen lassen. Rot- und Beerentöne sind auch wieder schwer am kommen – bei sämtlichen Labels gab es für die nächsten Kollektionen diese Farben zu sehen.

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Hot hot hot: #kavat #lovjoi #brooks #langbrett
Ein wenig spoilern können wir an dieser Stelle auch schon mal: Ein paar neue, ziemlich coole Brands haben nämlich den Sprung in unser Sortiment geschafft – kommen teilweise schon sehr bald bei uns an, bzw. in der nächsten Wintersaison – wir halten euch in jedem Fall auf dem Laufenden. Unter anderem ein schwedisches Label names Kavat, das sehr langlebige, nachhaltige Lederschuhe herstellt. Übrigens: Der Lederverschnitt von Kavat wird von unserem allzeit geliebten Label Nudie Jeans zu Labelpatches für Jeans upgecycelt. Lovjoi kommt von der schwäbischen Alb und wurde vor ein paar Jahren von einer hochmotivierten Jungunternehmerin gegründet. Die Kollektion ist übersichtlich klein und von schlichten Designs geprägt, die perfekte Basics bilden. Langbrett ist als Skate-Marke entstanden und produziert neben Longboards und Kleidung auch strapazierfähige Sneaker mit Upcycling-Anspruch, z.B. Obermaterial aus alten DDR-Zelten. Die ein oder der andere passionierte*r Radler*in kennt vermutlich die hochwertigen Ledersättel der englischen Marke Brooks. Stylisch, schlicht und über lange Jahre treu. Brooks hat sein Angebot, das bereits Fahrradtaschen aus Leder umfasst, um weitere Accessoires erweitert: Rucksäcke, Totes und Weekenders aus robusten und langlebigen Materialien wie wasserfestem Textilgewebe und pflanzlich gegerbtem Leder. Komfortabel und elegant sind diese feinen Taschen und Rucksäcke außerdem.

Stand von Lovjoi auf der Ethical Fashion Show in Berlin, Januar 2016 Photocredits: Lovjoi
Stand von Lovjoi auf der Ethical Fashion Show in Berlin, Januar 2016, Photocredits: Lovjoi

Wir freuen uns in jedem Fall schon mal ganz prächtig auf all die neuen Styles und Accessoires, die Matze und Severine nun angeguckt, ausgewählt und geordert haben. Gibt es dann alles in unserem Freiburger Ladengeschäft sowie Online-Shop – we’ll keep you posted!

The True Cost: Doku über die globale Textilindustrie

Vielleicht hat die eine oder der andere sie bereits gesehen: Die Dokumentation ‚The True Cost‘. Wer noch nicht die Gelegenheit hatte, hat allerdings nun die Möglichkeit, denn der Film wird ab heute, 21.01.16, im Rahmen einer deutschlandweiten Kino-Tour gezeigt – Weltpremiere hatte er bereits vergangenes Jahr auf den 68. Filmfestspielen in Cannes. Der Regisseur Andrew Morgan verfolgt in ‚The True Cost‘ den Entstehungsprozess unserer Kleidung: Von der Herstellung der Baumwolle auf verschiedenen Kontinenten, über Textilfabriken und Sweatshops in Indien, Bangladesch und Kambodscha bis hin zu den Fashion-Weeks, Black-Friday Sales und der irren Konsum-Hysterie in den Industrienationen. Diese scheinbar so billige Kleidung hat allerdings einen weit höheren Preis, als auf dem Preisschild zu finden ist. Denn: Soziale und ökologische Kosten sind hier nicht eingerechnet.

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Für Morgan war die Recherche zu seinem Film und die Arbeit daran auch eine sehr persönliche Entdeckungsreise, denn er selbst hatte keine Ahnung über die tatsächlichen Ausmaße unserer globalen Textilindustrie und ihrer sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Konsequenzen (was ihm im Übrigen den Vorwurf fehlender Multidimensionalität einbrachte). Diese fußt auf einem fundamental ungerechten System, in dem Menschen in armen bis hin zu den ärmsten Teilen der Welt für westliche Staaten in einer Endlosschleife Kollektion um Kollektion von Kleidung produzieren. Und dabei geht es schon längst nicht mehr darum, etwas zum Anziehen zu haben, sondern vielmehr um das Stillen eines Konsumhungers, der kein Halten mehr zu kennen scheint.

Sieht man genauer hin, verhalten sich die großen multinationalen Bekleidungshersteller aber nicht nur betrügerisch gegenüber Arbeiter*innen in den Produktionsländern, die ausgebeutet und schlecht behandelt werden, sondern auf gewisse Art auch gegenüber den Konsument*innen im globalen Norden, die mit Kleidung in dubioser Qualität überschwemmt werden – suggeriert wird, dass stets nur das Neueste, Trendigste gebraucht wird. Wer länger Altes trägt, scheint nicht am Puls der Zeit zu leben. Gemäß dieser Logik werden weltweit pro Jahr sage und schreibe 80 Milliarden Kleidungsstücke umgesetzt. Kleidung wird auf diese Weise extrem entwertet, obwohl menschliche Arbeit sie hat entstehen lassen. Gar nicht zu reden von den Bergen an Textilabfällen, die so jährlich entstehen und kaum bis gar nicht wiederverwertet werden.

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Wie so oft stinkt der Fisch vom Kopf – und dieser ist in diesem Fall unser Wirtschaftssystem, das auf ein beständiges Mehr und ungebremstes Wachstum setzt: Dieses clasht in der Modeindustrie, übrigens die umweltschädlichste direkt nach der Erdölindustrie, auf massive Art mit Menschenrechten, Umweltschutz, sowie sozialen und politischen Gefügen. Schon längst sind es nicht mehr vier Kollektionen pro Jahr, die Modehäuser produzieren lassen – nein, Fast-Fashion Firmen wie H&M und Zara werfen im wöchentlichen Rhythmus neue Ware auf den Markt und in ihre Filialen. Die Produktionsbedingungen können bei einem Blazer für 25 Euro Verkaufspreis unmöglich fair oder nachhaltig sein. Dabei beginnt dieses fundamental ungerechte System tatsächlich bereits bei der Produktion der Rohstoffe, z.B. Baumwolle, deren Anbau sehr energie- und ressourcenintensiv ist. In diesem Zusammenhang sind zu häufig Saatgut- und Biotechkonzerne wie Monsanto oder Syngenta diejenigen, die Landwirt*innen abhängig machen von gentechnisch verändertem Saatgut und darauf abgestimmte Pestizide und Herbizide. Traurige Konsequenzen davon sind die tragischen Suizide von unzähligen Farmer*innen in Indien sowie massiv angestiegene Missbildungs- und Fehlgeburtsraten in bestimmten indischen Regionen.

Dieser Film ist absolut sehenswert, weil er sich Zeit nimmt, die komplexen Zusammenhänge in der Textilindustrie aufzuzeigen und einen ungeschönten Blick auf ihre Realität wirft.

Ihr könnt den Film ab dem 21.01.16 in ausgewählten deutschen Kinos sehen. Wer nicht das Glück hat, in der Nähe eines teilnehmenden Lichtspielhauses zu leben, sei auf das Internet verwiesen. Auf der Homepage des Films, http://truecostmovie.com, gibt es eine Liste mit Streamingseiten (u.a. Netflix), die diese Dokumentation in ihrem Programm haben. Als DVD oder Bluray kann die Doku aber auch bestellt werden.

VEJA: Faire und ökologische Sneaker

Wir stellen euch auf unserem zündstoff-Blog in (un)regelmäßigen Abständen Labels vor, die wir in unserem Sortiment haben – heute Veja aus Frankreich, eine Marke, die sich auf die Herstellung von ökologisch und fairen Sneakern, Taschen sowie Portemonnaies spezialisiert hat.

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Toll bei den Produkten von Veja: Sie sind absolut street-tauglich, stylisch und gleichzeitig konsequent öko und fair. Besonders an dem Label ist außerdem der Verzicht auf aktive Werbung. Die so eingesparten Ausgaben werden stattdessen in die Produktionskette investiert und ermöglichen so einen Endpreis, der an herkömmliche Preise heranreicht – und das, obwohl die Produktionskosten bei Veja drei bis vier Mal so hoch sind, als bei anderen Schuhmarken.
Vejas Unternehmensphilosophie setzt sich hierbei aus drei unterschiedlichen Säulen zusammen:

  • Verwendung von Baumwolle und Kautschuk aus fairem Handel
  • Einsatz möglichst umweltfreundlicher Materialien
  • Respektierung von Arbeitsrechten in der Produktion

Seit dem Jahr 2005 produziert die Marke unter diesen Voraussetzungen öko-faire Turnschuhe in Brasilien und ist damit ein wahrer Öko-Pionier im Sneakerbereich. Dabei arbeitet Veja eng und direkt mit Produzent*innen zusammen und minimiert dadurch Kosten, die ansonsten durch Zwischenhändler*innen entstehen würden.

Rohstoffe
Das Label kooperiert u.a. mit Bio-Kleinbäuer*innen im Bundesstaat Ceará, das sich im Nordosten des Landes befindet und dessen Landwirtschaft von Monokulturen und Dürren geprägt ist. Eine Gruppe von 320 Familien produziert dort nach biologischen Richtlinien Baumwolle, die Veja zu fairen Preisen abnimmt. Der für die Sneaker verwendete Kautschuk stammt ebenfalls aus nachhaltiger brasilianischer Produktion und wird von verschiedenen Erntegemeinschaften im Bundesstaat Acre geerntet und direkt an die Schuh-Produktionsstätten geliefert. Veja verarbeitet außerdem ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder: Herkömmliche Gerbungstechniken basieren meist auf Schwermetallen wie Chrom und belasten dadurch Gewässer und Menschen, pflanzlich gegerbtes Leder kommt hingegen ohne diese Chemikalien aus. Es stammt nicht aus dem Amazonas-Gebiet, wo Rinderfarmen der Hauptgrund von Entwaldung sind. Das von Veja verwendete Mesh-Gewebe wird übrigens aus recycelten PET-Flaschen hergestellt.

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Arbeitsstandards
Neben den Arbeitsstandards der ILO (International Labor Organization), achtet Veja besonders auf Folgendes:

  • Versammlungs- und Meinungsfreiheit
  • Gute und nahe gelegene Unterkünfte
  • Streben nach Vermögensangleichung
  • Sozialleistungen und Redefreiheit

Das Durchschnittsgehalt der Arbeiter*innen beträgt 238€/Monat (Stand: 2010). Am Ende des Jahres wird außerdem eine Prämie ausbezahlt. Den Angestellten steht außerdem ein bezahlter Urlaub von 4 Wochen zu, sowie bezahlte Überstunden.

Umwelt
Die Produktionskette von Veja ist nicht nur was die Herstellung und Weiterverarbeitung der Rohstoffe sowie die eigentliche Produktion der Artikel betrifft sehr nachhaltig, sondern geht noch weiter: Um seine Produkte möglichst CO2-arm nach Europa zu transportieren, werden Sneaker und Co. von Porto Alegre in Brasilien nach Le Havre in Frankreich verschifft und reisen von dort auf Wasserwegen weiter nach Paris. Die verwendeten Verpackungsmaterialien sind aus Recycle-Materialien und auch wieder recyclebar.

Transparenz
Veja geht sehr transparent mit seinen Abläufen um – und macht auch kein Geheimnis aus seiner Lieferkette. So sind bspw. die Schnürsenkel (noch) nicht aus biologisch hergestellter Baumwolle und im Jahr 2006 mussten die assoziierten Produzent*innen aufgrund einer Insektenplage Pestizide für ihre Biobaumwolle verwenden, um keinen vollständigen Ernteausfall zu erleiden. Amerikanische und asiatische Kund*innen werden per Flugzeug und nicht per Frachtschiff beliefert.

Wir finden deswegen: Ne echt coole Firma, die wir sehr gerne in unserem Sortiment haben!

Hier könnt ihr euch unsere Veja-Produkte ansehen und bestellen!

5 Fragen an…

…’Zusammen essen, denken, leben‘

Am vergangenen Montag habe ich Leo, Johanna und Sophia der Freiburger Initiative ‚Zusammen essen, denken, leben‘ im Sedan Café getroffen und ihnen ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt, das in diesem Herbst gegründet wurde.

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1. Ihr habt vor kurzem die Initiative ‚Zusammen essen, denken, leben – eine Plattform zum Kennenlernen für Geflüchtete und Stadtgesellschaft‘ ins Leben gerufen. Könnt ihr mir vielleicht kurz erzählen, was eure Initiative anbietet?

Johanna: Also uns geht es darum ein niedrigschwelliges Angebot, eine niedrigschwellige Struktur zu schaffen, dass sich Freiburger mit neu hier angekommenen Geflüchteten treffen. Eine Basis zu schaffen, mit ihnen in Kontakt zu treten. Unsere Zielgruppe sind die Freiburger, die vielleicht nicht die Zeit haben pro Woche drei Stunden Sprachkurs zu geben, die sich aber trotzdem mit diesen Menschen treffen wollen, sie kennenlernen wollen und dafür haben wir die Plattform ‚Zusammen essen, denken, leben‘ ins Leben gerufen. Dort können Freiburger verschiedene Einladungen posten – und zwar genau in dem Format, in dem sie das wollen. Ob das ein morgendlicher Brunch für zwei Personen ist, eine abendliche Party für zehn Leute, ein kleiner Spaziergang in der Stadt, oder mit einer Familie mit Kindern ein Spielplatzbesuch. Es ist sozusagen die Möglichkeit das anzubieten, was man im Alltag eh macht und es zu öffnen für die Leute, die neu hier angekommen sind.

2. Dieses Jahr haben wir einen der größten Flüchtlingsströme in Europa – seit den Balkankriegen in den 90er Jahren. Entstand auch im Zuge dessen eure Idee, oder habt ihr euch schon länger mit dem Gedanken getragen eine solche Initiative zu gründen?

Sophia: Ich glaube da kommen wir alle aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die das ganz unterschiedlich wahrgenommen haben. Aber dass wir jetzt zu dem Zeitpunkt gerade zusammengefunden haben, ist auf jeden Fall ein Resultat des erneuten, ganz offensichtlichen Zustroms. Dazu kommt, dass jeder von uns seit einer gewissen Zeit damit Erfahrungen gemacht hat und Leute kennt und begleitet hat, die versuchen sich auf den Weg zu machen oder auch schon hier angekommen sind. Aber dass es jetzt gerade passiert und dieser Verein gegründet worden ist, und dass wir uns jetzt so krass engagieren, ist natürlich, weil es jetzt so ein Thema ist. Die Leute sind ja nicht mehr zu übersehen, sie sind ja nicht mehr wegzudenken. Auch das Thema ist aus den gesellschaftlichen Gesprächen nicht mehr wegzudenken – und schreit ja nach Lösungen.

Johanna: Ich glaube dieses Schlagwort ‚Sichtbarkeit‘ ist ein total zentraler Moment – auch in der Freiburger Flüchtlingshilfe. Dass es einfach ein großes Bedürfniss gibt sich anzudocken, sich zu engagieren, zu helfen und wir uns einfach als Strukturgeber verstehen. Dass wir einfach so eine Funktion als Vermittler einnehmen wollen. Dadurch, dass die Geflüchteten nun langsam in Freiburg ankommen und Raum einnehmen war für uns der springende Punkt, hier was zu machen.

3. Du hattest es gerade schon angesprochen in deiner Antwort, Sophia, dass ihr alle irgendwie mit diesem Thema zu tun hattet – auf die ein oder andere Art. Daran schließt auch meine nächste Frage an: Die Frage nach euch, den Menschen hinter diesem Projekt. Welche Hintergründe habt ihr jeweils? Gab es da bereits ehrenamtliches Engagement oder auch eine bestimmte berufliche Tätigkeit mit sehr viel Kontakt zu Geflüchteten?

Leo: Wir sind ungefähr 16 Leute und alle haben verschiedene Hintergründe. Ich bin Umweltingenieurin, Johanna beschäftigt sich mit Theater, Sophia mit Arabisch, Jan ist Musiker. Wir haben auch Übersetzer, Krankenpfleger, eine zukünftige Lehrerin und Studenten in unserem Team. Es ist wirklich eine große Mischung von Menschen. Ein paar von uns kannten sich schon und dann haben wir zusammen über die Situation diskutiert und darüber, etwas konkret in Freiburg zu machen. Wir haben als sehr kleine Gruppe angefangen. Ich hatte in diesem Sommer schon etwas Erfahrung gesammelt, als ich in Dresden in einem Haus zusammen mit Flüchtlingen gewohnt habe. Und ich habe auch am Willkommensfest in Dresden teilgenommen.

Sophia: Ich bin Islamwissenschaftlerin und ich habe im Zuge meines Studiums auch eine Weile in Damaskus und Syrien gelebt und deswegen war es für mich eigentlich schon seit Jahren Thema. Seit die Demonstrationen in Syrien so gewaltsam niedergeschossen worden sind und sich daraus dieser Bürgerkrieg entwickelt hat, waren natürlich Freunde von mir unmittelbar betroffen. Wir haben eigentlich schon seit Jahren versucht, einen legalen Weg nach Deutschland zu finden. Wir haben wirklich alles Mögliche versucht. Dann kam irgendwann die Nachricht, dass einer meiner Freunde sich schon auf der Flucht befindet. Er war zu diesem Zeitpunkt schon in Griechenland. Ich bin also schon etwas länger und auch immer sehr persönlich involviert gewesen.

4. Zum Projekt selber: Du hattest darüber ja schon bei der ersten Frage gesprochen, Johanna. Wie sind denn bis jetzt die Reaktionen? Es ist ja schließlich ganz neu: Ihr seid seit ca. 3-4 Wochen mit eurer Homepage online. Man kann sich seitdem mit einem kleinen Profil und einem Angebot eintragen und Gäste finden. Wie ist bis jetzt der Rücklauf, wie wird das Angebot angenommen?

Leo: Ich würde sagen sehr positiv. Wir haben uns die erste Woche auf Gastgeber fokussiert und waren sehr beschäftigt mit der Website. Und nun sind wir in einer zweiten Phase, in der wir zu verschiedenen Sprachschulen und Heimen gehen, um Gäste zu finden. Das ist sehr interessant und macht viel Spaß. Es ist auch eine Challenge – es gibt Leute, die wenig Deutsch können.

5. Zum Abschluss die Frage: Was wünscht ihr euch für das Jahr 2016 für euer Projekt?

Johanna: Ich glaube eine Konsolidierung, erst mal. Unsere Idee dahinter war, dass es diese Vermittlerfunktion dahinter langfristig nicht mehr braucht. Das war total klar. Es braucht extrem viel Aktivierungsenergie am Anfang beide Zielgruppen darauf aufmerksam zu machen und eine Routine reinzubringen, dass sie dem Label vertrauen und es genutzt wird. Ich wünsche mir für 2016, dass wir uns immer mehr zurückziehen können, weil beide Zielgruppen darüber Bescheid wissen, gute Formate und Einladungen finden, wo beide Seiten glücklich sind und sich daraus irgendetwas entwickelt.

Sophia: Momentan haben wir ja noch ganz klar ein Gastgeber- und Gästeprofil, aber wenn sich dann die ersten Leute, die jetzt kommen niederlassen können und wissen, dass sie länger da sind, hätten wir gerne, dass es eine ebenbürtigere Geschichte wird, als jetzt aus der Not oder Notwendigkeit heraus – wo man wirklich nur alteingesessene Freiburger ansprechen kann. Sondern dann auch Neugekommene Gastgeber-Angebote einstellen können.

Leo: Ich würde mir für 2016 wünschen, dass wir das auf die Region ausweiten können.

Johanna: Oder in andere deutsche Städte. Wenn es Menschen gibt, die von dieser Website hören: Jeder ist eingeladen, das in einer anderen Stadt auch zu machen. Man braucht am Anfang einfach viel Aktivierungsenergie, es braucht ein kleines Team von Leuten, das sich darum kümmert, dass diese beiden Zielgruppen darüber Bescheid wissen.

Vielen lieben Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt!

Hinweis: Wenn Du möchtest, kannst Du selber Gastgeber*in werden und ein Profil sowie ein Angebot auf der Seite einstellen. Sehr gefragt sind übrigens auch immer Menschen, die gerne Brettspiele wie Backgammon oder Schach spielen.

Weniger Plastik im Alltag: So kanns gehen!

Hier ein paar Tipps zur Plastikvermeidung im Alltag – teilt uns gerne auch eure Ideen und Anregungen mit!

  • Tatsächlich entsteht beim Einkaufen von Lebensmitteln der meiste Verpackungsmüll. Hier kann man auf unverpackte Lebensmittel zurückgreifen – wenn das nicht möglich ist, ist Glasverpackung natürlich sehr cool, mit Pfand noch besser. Verschiedene Milchprodukte und Säfte lassen sich so z.B. bekommen. Wochenmärke erlauben ebenso das Einkaufen ohne Plastik: Oliven ins mitgebrachte Glas abfüllen lassen, Käse in die eigene Box. Nett fragen, Motivation dahiner evtl. kurz erklären und dann funktioniert das meist! Außerdem sind Food-Coops oder Einkaufsgemeinschaften eine tolle Möglichkeit richtig viel Müll zu sparen.
  • Baumwoll- und Jutebeutel dienen für Einkäufe aller Art. Passen zusammengefaltet in jede Tasche oder Rucksack. Dann geht spontan einkaufen auch ohne Plastiktüte.
  • Papiertüten können z.B. beim Gemüse- und Obsteinkauf problemlos weiterverwendet werden. Wenn sie reißen, wandern sie einfach in die Altpapiersammlung.
  • Statt Tupperware und anderen Plastikdosen einfach Schraub- oder Weckgläser zur Aufbewahrung von Essen nehmen. Sie sind super zu reinigen, geschmacksneutral und sehen außerdem viel schöner aus!
  • Für unterwegs und zur Mitnahme von Snacks eignen sich Brotdosen aus Edelstahl. Diese sind zwar in der Anschaffung nicht ganz billig, aber dafür sehr haltbar und können wirklich gut wiederverwertet werden.
  • Wenn du deinen Kaffe schon ‚im Gehen‘ haben möchtest: Investiere in einen wiederverwendbaren, wärmeisolierten Kaffeebecher. Daraus schmeckt der Kaffee ohnehin besser und deine Finger verbrennst du dir so auch nicht.
  • Leitungswasser ist lecker und sehr günstig (und ist in Deutschland übrigens eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel). Es gibt keinen vertretbaren Grund, Mineralwasser aus Plastikflaschen zu kaufen. Schone also Umwelt und deinen Rücken und steige auf das Wasser aus dem Hahn um. Statt Tinkflaschen aus Plastik gibt es auch hier tolle Alternativen aus Glas oder Edelstahl.
  • Anstelle von Duschgel oder Shampoo kann auch unverpackte Körper-, bzw. Haarseife dienen. Diese gibt es in Bioläden und natürlich online.
  • Auch Zähneputzen ist plastikfrei möglich: Zahnbürsten gibt es mittlerweile auch (wieder) aus Holz, Zahnpasta kann selbgemixt werden oder man nutzt Dentaltabs ohne Plastikverpackung. Und Zahnseide kann auch ohne Plastik – dann allerdings nicht vegan – sein: Echte Seide samt Bienenwachs im Glasröllchen zum Wiederbefüllen.
  • Do it youself und mische deine eigene Bodylotion oder Handcreme. Inspiration bietet auch hier das Internet.
  • Schon gewusst? Mit Essig, Zitronensäure und Natron lässt sich das Putzen im Haushalt problemlos wuppen. Diese Zutaten lassen sich in gängigen Drogerien in Glas-, bzw. Papierverpackung finden. Rezepte und Tipps zum plastikfreien Hausputz gibt es auf unterschiedlichen Foren und Blogs im Netz.

Interessante Blogs zum Thema:

#plasticisnogood: Was Plastik, das Meer und unser Konsum miteinander zu tun haben

Erfreulicherweise scheint die Problematik um Plastik und Plastikmüll mittlerweile in den Mainstream-Medien angekommen zu sein: Über Süddeutsche Zeitung, Spiegel, ZEIT ist das Thema aus der öko-grünen Ecke herausgetreten und das ist auch gut so. Denn es geht uns alle an, wenn in den Ozeanen schon längst mehr Mikroplastik schwimmt als Plankton, Meeresvögel verhungern, weil ihr Magen voller Plastik ist und sich Meeresschildkröten, Wale und Delfine in alten Fischernetzen verheddern und darin verenden. Je mehr Menschen von dieser Problematik erfahren, umso besser. Es kann davon ausgegangen werden, dass jährlich zwischen 8 und 12 Millionen Tonnen Plastik in die Meere gelangen. Dabei ist das große Problem, dass Plastik sich nicht einfach wegzaubern lässt: Plastikflaschen brauchen bis zu 450 Jahre bis sie sich im Meer abgebaut bzw. sich in kleinere Teile zerlegt haben.

Verhungert am Plastik im Magen: Albatross auf dem Midway Atoll - Foto: Chris Jordan
Verhungert am Plastik im Magen: Albatross auf dem Midway Atoll – Foto: Chris Jordan

Inzwischen haben sogar die Vereinten Nationen den Plastikmüll in unseren Ozeanen als ein großes Umweltproblem identifiziert und auf ihre Agenda gesetzt. Denn die oben genannte Probleme, die mit Plastik im Meer auftreten, sind nicht die einzigen. Um Kunststoff seine gewünschten Eigenschaften zu geben, wird er mit unterschiedlichen Chemikalien versetzt. So wird er z.B. besonders elastisch, oder besonders weich. Diese sog. Weichmacher und Phtalate (BPA dürfte den meisten von euch ein Begriff sein) haben überaus besorgniserregende Auswirkungen auf unsere Gesundheit und können unser Hormonsystem massiv stören. Verwendet werden diese Stoffe leider in sämtlichen Konsumgütern, wie Kabel, Autos, Verpackungen – ja sogar in Medikamenten sowie Baby- und Kinderspielzeug. Nehmen wir sie auf, reichern sie sich in unserem Körper an und können so unser Erbgut verändern und Krebs auslösen. Bei Männern konnte bereits beobachtet werden, wie ein erhöhter Wert von Weichmachern im Blut zu Unfruchtbarkeit führen kann. Was bei uns Menschen geschieht, macht auch nicht vor Tieren halt: Manche Populationen sind durch hormonelle Störungen bereits vom Aussterben bedroht.
Plastikabfälle, die nun im Meer schwimmen zerfallen mit der Zeit und dabei werden die erwähnten Weichmacher, Phtalate etc. in das Wasser abgegeben. Diese docken dann meist an anderen Plastikteilchen an, so dass gerade die Konzentration von chemisch höchst bedenklichen Stoffen bei Mikroplastik besonders hoch ist: Es funktioniert quasi wie eine Art Schadstoffmagnet. So gelangen diese Giftstoffe noch zusätzlich über die Nahrungskette auf unseren Teller.

Auch ich stehe immer wieder ganz ungläubig vor Supermarktregalen und staune ob unserer verrückten und krachend-bunten Konsumwelt, in der wir uns beständig wiederfinden. Ein verändertes Konsumbewusstsein sowie kritisches Hinterfragen von eigenen Kaufentscheidungen und -mustern ist deswegen umso wichtiger geworden. Ich habe mich seit letztem Jahr vermehrt mit dem Plastik-Thema befasst und versuche, mein Leben mit weniger Plastik zu gestalten. In kleinen Schritten, aber mit dem Ziel mehr und mehr davon stark zu reduzieren. Das ist eine beständige Herausforderung und manchmal auch enervierend, weil so oft schlecht möglich. Aber über jede Verpackung, die ich einspare freue ich mich – habe aber auch noch einen sehr langen Weg vor mir.

Direkt im nächsten Post könnt ihr übrigens noch ein paar Tipps zur Plastikvermeidung sowie Blog-Adressen finden. Viel Spaß beim Stöbern und wir freuen uns über eure Tipps und Ideen zu diesem Thema – diese könnt ihr gerne als Kommentar unter diesem Artikel teilen!