Nach einem Besuch in Pakistan: Caren Lay im Interview (Bundestagsabgeordnete)

aslamwalfa-generalssekretär-pakistanische-gewerkschaft
Caren Lay mit Aslam Walfa, dem Generalssekretär einer pakistanischen Gewerkschaft

1. Wie war Ihr erster Eindruck von den Textilfabriken, die Sie in Pakistan besucht haben? Wie war Ihr Gesamteindruck?

Wir haben insgesamt zwei Fabriken besucht. Davon eine in der nun auch KIK produziert. Die Firma also, die zuvor in de Fabrik Ali Enterprise produzieren ließ, in der bei einem Brand 260 Menschen starben. Angeblich waren Türen und Fenster verschlossen, aus Angst die Beschäftigten könnten eine Jeanshose stehlen. So waren die Fluchtwege verschlossen. Wenn das stimmt, wäre es fatal.

Die beiden besuchten Firmen waren registrierte Firmen aus dem formellen Sektor, also eher die Ausnahmen. Nur Schätzungsweise 10% der pakistanischen Firmen sind registriert. Der Großteil der Produktionen in Pakistan findet bei Subunternehmen oder im informellen Sektor, sprich in Heimarbeit, statt.

Bei den beiden besuchten Firmen gab es aus unsere Sicht nichts zu beanstanden, aber sie sind, wie gesagt, nicht repräsentativ. Vertreter von KiK sind extra aus Deutschland angereist.

Mir war klar, dass wir auf dieser Reise keine der zahlreichen unregistrierten Firmen, in denen Subunternehmer produzieren lassen, zu Gesicht bekommen. Und natürlich erst recht keine Heimarbeit sehen werden, in der v.a. Frauen, angeblich auch Kinder, arbeiten. Wir haben einen Musterbetrieb besucht, der nicht repräsentativ sein muss. Trotzdem ist es wichtig, dass Abgeordnetendelegationen sich Produktionsstätten ansehen, damit die deutschen Firmen aber auch die Fabrikbesitzer vor Ort lernen, dass es nicht egal ist, unter welchen Bedingungen sie produzieren lassen. Damit zeigen wir: Wir schauen hin, es ist uns nicht egal, unter welchen Bedingungen produziert wird. Das hat für alle Beteiligten eine „pädagogische“ Wirkung.

2. Gibt es in der besichtigten Produktionsstätte bereits Maßnahmen für eine verantwortungsvolle Produktion nach bestimmten Standards? Werden diese Standards kontrolliert?

Es gab überall Tafeln mit Brandschutzanweisungen, Notausgängen und Informationen zum Arbeitnehmerschutz und Arbeitnehmerrechte. Die Angestellten trugen alle Gehör- und Mundschutz. Trotzdem wurde ich die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass hier etwas einstudiert wurde. Kontrolliert werden die Produktionsstätten durch private Zertifizierer, die häufig nicht glaubwürdig sind. Es gibt keine oder nur unzureichende öffentliche Aufsicht. Die Ali Enterprise-Fabrik war auch zertifiziert – von einer Firma, die für ihre Gefälligkeitsgutachten bekannt ist! Die schrecklichen Folgen kennen wir.

Die Kontrolle ist das entscheidende Problem. Welche Produktionsstätten werden überhaupt kontrolliert? Werden Mindestlöhne ausgezahlt et.pp. Es gibt so gut wie keine offiziellen Kontrollen. Da können auf Druck der EU die Arbeitsgesetze verbessert werden wie sie wollen, solange es den informellen Sektor und keine öffentliche Kontrolle gibt, nutzt das garnichts…

3. Übernehmen die Hersteller dort Mitverantwortung für die Produktion? Sind Verantwortliche dauerhaft vor Ort?

KIK streitet die Mitverantwortung für das Geschehen ab. Bis heute warten die Angehörigen der Opfer auf eine angemessene Entschädigung. Soweit ich weiß haben deutsche oder auch andere westliche Firmen keine dauerhafte eigene Präsenz.

4. Was ist Ihre persönliche Ansicht im Hinblick auf die Siegel in der Textilindustrie? Was spricht Ihrer Meinung nach gegen die Weiterentwicklung eines bereits bestehenden und verbreiteten Siegels (wie zum Beispiel GOTS)?

Siegel wie das GOTS-Siegel bieten unter den gegenwärtigen Verhältnissen bewussten Verbraucherinnen und Verbrauchern einen Wegweiser, insbesondere im Bereich Umweltstandards. Der Königsweg ist dies aber nicht, denn letztendlich heißt das ja im Umkehrschluss (insbesondere für die Sozialstandards), dass Produkte die unterhalb das Standards produziert werden, und die Mehrheit sind, trotzdem gehandelt und importiert werden dürfen. Da muss man eigentlich ansetzen. Hohe Standards für alle und nicht nur in einem spezifischen Segment muss der Ansatz sein.

5. Wie bewerten Sie die Debatte über die Initiative „Siegelklarheit“ der Bundesregierung? Die nachhaltige Textilbranche übt zum Teil heftige Kritik an der Bewertung einiger dort für gut empfundener Siegel. Herrscht innerhalb der Bundesregierung denn die nötige „Siegelklarheit“?

Die Kritik kann ich nachvollziehen. Anstatt konkrete Verbesserungen, zum Beispiel durch Gesetze, zu erwirken, soll ein Internetportal aufgebaut werden, auf dem sich Verbraucherinnen und Verbraucher informieren sollen. Das kennen wir aus anderen Bereichen von der Bundesregierung: Da wird das Schlagwort „Transparenz“ und „Eigenverantwortung“ oder „Selbstverpflichtung“ in den Raum gestellt und die Verantwortung auf die Kundinnen und Kunden abgewälzt, anstatt das Problem anzugehen.

Insgesamt ist das von Gerd Müller vorgestellte Paket zur Sicherung der Umwelt- und Sozialstandards in der Warenproduktion eine PR-Show. Wenn er wirklich etwas für die TextilarbeiterInnen im globalen Süden tun will, dann sollte er ich für ein Unternehmensstrafrecht einsetzen, das unmissverständlich klarstellt: Deutsche Firmen, die im Ausland produzieren lassen, sind für die Produktionsbedingungen vor Ort mitverantwortlich. Aber darum drückt sich die Bundesregierung.

angehörige-brandopfer-kik
Caren Lay und pakistanische Frauen, die bei einem Brand in einer Textilfabrik Angehörige verloren haben und für eine Entschädigung kämpfen

 

Warum wir bio kaufen und dann in den Urlaub fliegen…

…das frage ich mich auch.

Urlaube werden immer größer und reichen mittlerweile um die ganze Welt. Wir fliegen mit einer nie dagewesenen Selbstverständlichkeit auf andere Kontinente und haben schon beinahe in allen Weltmeeren gebadet. Warum auch nicht, wenn man die finanziellen Mittel hat, um die Überbleibsel der Inkas, weiße Palmenstrände oder das Filmset von The Beach einmal live erleben zu können?

Wenn wir sonst schön öko leben, kein Fleisch essen, wenig Auto fahren und nur bio kaufen, dann wird uns die Klimapolizei unsere Fliegerei schon verzeihen. Ist ja auch nur dieses eine Mal. Naja und eben nächstes Jahr noch die Hochzeit des besten Freundes in Australien. Achso und für die Uni-Exkursion kann ich ja nix.

surf_hand_web
Dieser Strand in Nordspanien wäre auch ohne Flugzeug erreichbar!

Ich glaube, es dürfen sich einige von uns angesprochen fühlen. Und auch zurecht. Statistiken belegen, dass gerade gebildete Menschen oft einen sehr großen ökologischen Fußabdruck haben. In Studentenkreisen ist es eigentlich normal, zumindest einmal im Jahr eine größere Reise zu machen – sei es ein Auslandssemester oder ein Auslandspraktikum. Gerade Menschen, die sich Gedanken um die Probleme von Menschen in anderen Ländern machen, sind diejenigen, die dort dann auch mal hinfliegen. Wir möchten uns ja selbst ein Bild davon machen. Machen wir uns womöglich erst ethno & öko Gedanken, wenn diese fremden Länder und Menschen real geworden sind und nicht mehr so abstrakt? Müssen wir diese Reisen unternehmen, um unseren Horizont zu erweitern oder schaffen wir das auch nur durch Medien und Berichterstattung?

Ich frage mich wirklich – wie sollen wir unseren Einstellungen und Lebensweisen gerecht werden, wenn wir ständig mit Flugzeugen durch die Weltgeschichte reisen?

Sommersale bei zündstoff!

Es ist wieder soweit! Unser Sommersale hat begonnen!

sommerteaser07-15

Kaum ist die erste Hitzewelle überstanden, leutet die Modeuhr schon den „Sommerschluss“ ein. Hoffen wir, dass sie nicht recht behält und wir noch einen schönen und langen Sommer vor uns haben! Für alle Urlaube und laue Grillabende, die uns dann noch bevorstehen, könnt ihr jetzt bei uns auf Schnäppchenjagd gehen! Wir haben alle Produkte aus der aktuellen Sommerkollektion mindestens 20% reduziert!

Greift zu, denn die ersten Kisten mit Herbstware stehen in unserem Büro schon Schlange!

Wir haben noch hübsche Sommerkleider, einige kurze Shorts, sommerliche Jeans und natürlich jede Menge T-Shirts!

Viel Spaß beim Shoppen! 🙂

 

Die Arche Warder – ein Bauernhof der etwas anderen Art.

Zum Sommeranfang möchte ich euch einen nachhaltigen Ausflugstipp für einen Urlaub an der Ostsee vorstellen. In Schleswig-Holstein zwischen der Nord- und Ostsee befindet sich der kinder- und erwachsenenfreundliche Tierpark „Arche Warder„. Was auf den ersten Blick aussieht, wie die Gesellschaft eines normalen Bauernhofes, entpuppt sich bald als eine Arche von außergewöhnlichen Haus- und Nutztieren. Die Schweine haben lustige Flecken, die Esel eine prächtige Haarmähne und die Schafe sind mit Korkenzieherhörnern geschmückt. Eine bunte Mischung besonderer Tiere kommt dort zusammen und hat dabei eines gemeinsam: Viele von ihnen stehen auf der roten Liste der bedrohten Tierarten.

esel

In den letzten 100 Jahren wurden Nutztiere hinsichtlich ihrer Produktivität und Effizienz extrem gezüchtet. Durchgesetzt haben sich nur einige wenige Rassen. Diese wurden durch Überzüchtung oft medikamenteabhängig und krankheitsanfällig. Industrielle Milchkühe können ihre Kälber heute meist nur noch per Kaiserschnitt auf die Welt bringen und wären ohne „menschliche Hilfe“ kaum noch lebensfähig.

Diese Abhängigkeiten bergen gefährliche Risiken. Werden bestimmte Tiere von einem aggressiven Virus befallen, wird sich dieser schnell ausbreiten. Natürliche Veränderungen oder Katastrophen würden viele dieser Tiere nicht überstehen. Der Poitou-Esel oder das Hinterwälderrind aus der Arche Warder sind dagegen sehr robuste Tiere. Die Erhaltung solcher Tiere ist nicht nur hübsch und lustig, sondern ein Beitrag zur Erhaltung der Nahrungssicherheit kommender Generationen. Die Vielfalt unterschiedlicher Gene und Rassen lässt Lebewesen flexibel auf Veränderungen reagieren. Und diese Veränderungen werden kommen, da bin ich ganz sicher. Deshalb sollten wir die Arche Warder als das ansehen, was sie wirklich ist: Eine Arche für die Zukunft.

schweinefamilie

Sie eröffnet außerdem einen spannenden Einblick in alternative Landwirtschaft, außergewöhnliche Tierrassen und gibt den Fleischliebhabern unter uns die Möglichkeit, ein zu Lebzeiten glückliches Schnitzel aus eigener Landwirtschaft zu essen.

Und wem der Ausflug nach Norden aus Freiburg zu weit ist, der kann den Poitou-Esel auch auf dem Mundenhof bestaunen!

Sommergewinnspiel mit NATUREHOME!

Wer ökologische Kleidung trägt, der möchte in der Regel auch nachhaltig waschen. Wichtig dabei: Auf den Wasserverbrauch der Maschine zu achten und natürlich ein ökologisches Waschmittel zu verwenden. So sind wir auf NATUREHOME gestoßen, einen Online-Shop, der veganes Bio-Waschmittel, 100 % biologisch abbaubar, anbietet. Und nebenbei riecht es auch noch super gut nach Rosmarin oder Zitrone! Es lohnt sich also, den Shop einmal genauer anzuschauen.

NATUREHOME ist ein junges Unternehmen aus Potsdam, das ausschließlich eigene Produkte aus handverlesenen, biologischen Materialien herstellt und exklusiv vertreibt. Alle Produkte werden nachhaltig produziert und in kleinen Manufakturen in Deutschland und der EU handgefertigt. Dabei sieht es aber nicht „öko“ aus, sondern die Produkte sind echte Designer-Stücke. Von Kleinmöbeln aus Massivholz wie Tritthockern in verschiedenen Holzarten und Farben, bis zu Tabletts in puristischen Designs. Dazu gibt es ein cooles Schaukelpferd und anderes Kinderspielzeug aus Holz oder GOTS-zertifizierte Bettwäsche. Allein aufgrund der biologischen Hängematte lohnt sich das Stöbern: Darin lässt es sich in der Sonne im Garten perfekt träumen und abschalten.

Sommer-Gewinnspiel-NATUREHOME

Passend zum (mal mehr, mal weniger) schönen Sommer-Wetter verlosen wir in Kooperation mit NATUREHOME eine hochwertige Grillzange aus Nussbaumholz. Dazu gibt es einen Gutschein im Wert von 25 Euro, den Ihr bei www.naturehome.com einlösen könnt.

Alle, die diesen Beitrag kommentieren oder das Foto auf unserer Facebeook-Seite bis zum 25. Juni um 23:59Uhr liken, nehmen an der Verlosung teil!

Viel Spaß damit beim Grillen

LastenVelo Freiburg

Nach einem erfolgreichen Crowdfunding-Projekt, werden die „LastenVelos“ in Freiburg jetzt Realität. Jeder wird die Möglichkeit bekommen, sich gratis ein Lastenrad auszuleihen. So können nicht nur unnötige und nervige Autofahrten durch die Innenstadt verringert werden, sondern gerade auch Menschen ohne Auto können die kostenlose Alternative für kleine (und auch größere) Transporte nutzen. Getreu dem Motto „teilen statt besitzen“.

IMG_3797-1024x768

Nachdem sich Ausleih-Lastenräder in anderen Städten wie München oder Köln schon an hoher Popularität erfreuen, gehen sie ab dem 20. Juni 2015 auch in Freiburg an den Start. Für den Anfang stehen insgesamt fünf Zwei- bzw. Dreiräder zur Verfügung. Sie können überall im Stadtgebiet abgestellt und dann wieder aufgefunden und ausgeliehen werden. Wenn du also das nächste Mal deinen Kram auf den Flohmarkt bringen möchtest, oder umziehst, für eine Party einkaufst, oder etwas bei Ebay – Kleinanzeigen kaufst – dann weißt du, wer dir ab dem 20. Juni dabei helfen kann!

Und so wird das Ganze funktionieren:

Nach einer Registrierung auf der Website erhält man per Post eine Chipkarte. Für diese Karte fallen 10€ Pfand an, ansonsten ist die Teilnahme kostenlos. Die Standorte der Räder sind ebenfalls auf der Website verzeichnet. Ähnlich wie beim Carsharing lassen sich die Räder mit der Chipkarte „öffnen“ und benutzen. Wer einen Transport plant und im Voraus sichergehen will, dass ein Rad verfügbar ist, kann dieses auch reservieren. Die Räder halten eine Last bis rund 100kg aus und sind damit für vielseitige Lasten geeignet: Der Waschmaschinen-Test verlief erfolgreich! Auf den Transport-Kisten wird außerdem ausgesuchte Werbung von lokalen Unternehmen angebracht (wir dürfen dabei natürlich nicht fehlen!). Um das langfristige Ziel von 10 Rädern verwirklichen zu können, freut sich das LastenVelo-Team über weitere Sponsoren und Interessenten!

Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf den Start vom Projekt LastenVelo am 20. Juni und hoffen auf rege Benutzung aller Radfahrer Freiburgs! Davon sollte es ja genug geben 🙂

Skorpione und Käfer im zündstoff – Laden!

Wer momentan bei uns im zündstoff – Laden vorbeischaut, der darf sich auf eine kleine Überraschung gefasst machen. Wir stellen im Moment Ladendeko der etwas anderen Art aus: Käfer, Schmetterlinge und Skorpione. Doch jetzt mal im Ernst – Tiere bei uns im Laden? Käfer und Skorpione zwischen Jeans und Shirts? Hört sich irgendwie ekelhaft an.

Origami-Skorpion
„Scorpion“ nach Robert J. Lang

 

Die Lösung des Rätsels ist buntes Papier: Origami-Tiere und Pflanzen. Damit lassen sich beinah echte Schmetterlinge, Käfer und sogar Orchideen falten, ohne Klebstoff oder eine Schere zu benutzen. In tagelangen Faltsessions wurden Skorpione und Hirschkäfer gezaubert, die zumindest aus einiger Entfernung aussehen, als würden sie gleich loskrabbeln. Auch ein Adler und ein Elch verstecken sich in unserer Origami-Märchenwelt. Und nicht zu vergessen unsere Drachenfamilie: Im Schaufenster sitzt ein Riesendrache, der aus einem 3mx3m großen Papier gefaltet wurde – seine noch etwas wilden Kinder sitzen im Keller – gut geschützt in einer Kiste. Der kleinste hat es sich auf unserer Kasse bequem gemacht.

Origami Drachen
„Fiery Dragon“ nach Kade Chan

 

Origami Käfer
„Cyclommatus metallifer“ nach Satoshi Kamiya „Eupatorus gracilicornis“ nach Dao Cuong Quyet „Dynastes hercules“ nach Robert J. Lang

 

Bei einem Rundgang im Laden kann man so an jeder Ecke etwas entdecken und sich an den kunstvollen Papierzaubereien freuen –  alle veganen Insektenliebhaber werden sich an unserem Schmetterlingsschaukasten freuen!

Origami Schmetterlinge
Schmetterlinge nach Michael LaFosse und Hoàng Tiến Quyết

 

Aus Origami kann man außerdem super Mobiles basteln oder Papierblumen, die garantiert nicht verwelken – lass dich in unserem Laden inspirieren und falte deine eigene Origami-Märchenwelt!

Im Netz gibt’s viele Anleitungen und Tutorials: www.papierfalten.de, www.origami-resource-center.com, Tadashi Mori bei Youtube

Gefaltet haben Johanna und Maize.

Fashion Revolution Day 2015

home-top-logo

Zum zweiten Mal wird dieses Jahr am 24.04.2015 dem Fabrikeinsturz in Bangladesh gedacht. Das heißt mehr als nur Mitgefühl für die Betroffenen: Der 24. April wurde zu einem internationalen Revolutionstag der Modebranche benannt. Mit vielen Aktionen versuchen Aktivisten und Interessierte auf die fortwährenden Missstände der konventionellen Textilindustrie aufmerksam zu machen. Die größte Aktion, an der jede/r teilnehmen kann, wird innerhalb der Sozialen Medien stattfinden. Unter dem Hashtag #fashrev werden am Freitag viele Fotos erwartet, von Menschen (wie du und ich), die mit dem Fokus auf den Waschzettel eines Kleidungsstückes fragen: #whomademyclothes. Um weltweit Aufmerksamkeit zu erregen, braucht es eine große Beteiligung und viele Fotos oder andere kreative Ideen. Also schnapp‘ dir dein Handy, schieß ein Foto, poste es am Freitag (#fashrev, #whomademyclothes) und sei Teil einer großen Bewegung!

11142711_680349598736191_1086370906_n

www.fashionrevolution.org

Gewinnspiel

Um die Motivation dafür etwas anzukurbeln, verlosen wir unter allen Posts unserer Follower bei Facebook und Twittern eines von 10 Stanley & Stella Shirts!
Das musst du dafür tun: Poste ein Foto mit den Hashtags #fashrev und #whomademyclothes bei Facebook auf unserer Seite ( @zuendstoff  ) oder bei Twitter (@_zuendstoff_).

FashionRevolutionDay

Die Shirts von Stanley & Stella machen deutlich, dass ein Wandel möglich ist. Sie werden in Bangladesh produziert und sind GOTS zertifiziert und werden von der Fairwear Foundation kontrolliert.

fashrev-05  11128853_715422521900327_421487432345677811_n

Quelle: Facebook Seite von Stanley & Stella

 

Transition Town Freiburg oder nur Öko-Nachwehen der 80er?

Weltweit nimmt der Begriff „Transition Town“ eine immer größer werdende Bedeutung an. Es geht dabei um mehr Unabhängigkeit und Eigenverantwortung einzelner Städte im Hinblick auf das große globale System. In Zeiten von Ressourcenknappheit, unberechenbarer Umwelteinflüsse und ungewisser politischer und wirtschaftlicher Machenschaften steht unser System eigentlich ständig auf der Kippe. Städte sind im Hinblick darauf oft noch abhängiger als ländliche Regionen und deshalb angreifbarer von Veränderungen. Eine hohe Bevölkerungsdichte bringt einen hohen Energie- und Lebensmittelbedarf mit sich, der aufgrund einer geringen Fläche meist nicht selbst gedeckt werden kann. Um diesem Risikofaktor entgegen zu treten, machen sich einige Städte auf den Weg zu sogenannten „Transition Towns“. Gemeinschaftliche Gärten werden bewirtschaftet, der Energiebedarf für Gebäude wird dank nachhaltiger Bauweisen reduziert, öffentliche Grünflächen werden verstärkt ins Stadtbild integriert, einzelne Stadtteile nehmen durch dezentralisierte Strukturen eine wichtigere Bedeutung an und der Verkehr wird zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs und einer intakten Radfahrerkultur umorganisiert.

stadtfreiburg

Wo steht die „Green City“ Freiburg in dieser Entwicklung? Macht sie ihrem Ruf alle Ehre oder handelt es sich nur um Öko-Nachwehen aus der Vergangenheit? In den 80er Jahren gab es in Freiburg eine große Anti-Atom-Bewegung, in den 90ern brachte die Solarsiedlung im Vorzeigestadtteil „Vauban“ der Stadt Bekanntheit in Sachen Nachhaltigkeit. Und heute? Viele Bioläden und ein großer Anteil an Fahrradfahrern und Vegetariern sind bis heute beliebte Vorzeigeklischees unserer Stadt. Doch wo steht Freiburg heute wirklich beim Thema „alternativ und nachhaltig“?

Wenn wir uns umschauen, gibt es für einige Ziele der Bewegung gute Ansätze. Die Gartencoop, der Freitaler, Projekte zum Urban Gardening und ein RepairCafé sind einige kleine Initiativen von aktiven Stadtbewohnern, die an einem Wandel hin zur Transition Town arbeiten. Leider scheint sich die städtische Motivation noch stark in Grenzen zu halten oder ruht sich immer noch auf Vergangenem aus. Das städtische Ziel in Sachen Verkehr beispielsweise sieht eine Zunahme des Fahrradverkehrs zwischen 1999 und 2020 von 1% vor und den Rückgang des Autoverkehrs von 4%. Wow! Herzlich wenig beeindruckend.

Mir scheint auf jeden Fall, dass Freiburg dringend mal wieder etwas dafür tun müsste, um seinem Ruf als „Green City“ gerecht zu werden.

Weitere Infos und Quellen: Accelerating Transitions , Transition Town Freiburg

Costa Rica: Energiewende mit dem Pura Vida Prinzip?

Ein kleines Land mit Idealen: Costa Rica. In den 50er Jahren wurde zu Gesundheits- und Bildungszwecken die Armee des Landes abgeschafft. Jetzt hat das unscheinbare Land in Mittelamerika noch einen drauf gesetzt: Seit Januar wird der Energiebedarf Costa Ricas zu fast 100% (99,4) durch erneuerbare Energien gedeckt. Die Stromkosten für die Bevölkerung sind gleichzeitig um 12% gesunken. Natürlich gehört Costa Rica nicht zu den Top Industrieländern mit einem hohen Energiebedarf. In den ländlichen Regionen ist das Leben sehr einfach, der Stromverbrauch ist gering und heizen muss man dort sowieso nicht. Warmes Wasser gibt es nur selten – gebraucht wird es sowieso nur dort, wo die Klimaanlage ihr übriges dazu tut. Umstände also, die einen direkten Vergleich zu uns schwierig machen. Doch gerade auch deshalb ist es bewundernswert, dass ausgerechnet ein Land in Mittelamerika (zugegeben ein verhältnismäßig reiches Land) zum Vorreiter in Sachen Energiewende wird. Die zu 100% ökologische Stromerzeugung war auf das Jahr 2021 festgesetzt und wurde aufgrund gut gefüllter Stauseen bereits 2015 umgesetzt. Dass die Ticos einer weltweiten Umfrage zu Folge auch noch die „glücklichsten Menschen“ sind, ist sicher nur Zufall. Es zeigt aber, dass ein einfaches Leben ohne eine weltmarktführende Industrie nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch einen seelischen Mehrwert bringt. Ein bisschen weniger Wohlstand, ein bisschen mehr Pura Vida – und der Mensch kommt mit seiner Umwelt wieder in Einklang?

volcano-384667_640

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Der Erfolg der 100% Marke ist hauptsächlich den vollen Stauseen geschuldet, die für 68% des Strombedarfs verantwortlich sind. Dieses Erfolgsmodell erweckt den Geschäftssinn und hat das costaricanische Institut für Elektrizität (ICE) mit seiner Monopolstellung zu einem neuen Stauseeprojekt veranlasst, dessen Energie zu Exportzwecken genutzt werden soll. Für den Staudamm El Daquis wird eine Fläche von 7.000 Hektar Regenwald überflutet und Indigene werden vertrieben. Und plötzlichen stehen einst idealistische Ziele im Konflikt mit einzelnen Menschen und sogar der Natur als solche.

Trotzdem, glaube ich, können wir Costa Rica als Beispiel dafür nehmen, dass Visionen wahr werden können und manchmal das scheinbar Unmögliche plötzlich da ist.

Quelle: amerika 21 , energiezukunft