Freu(n)de am Fahren

Mittlerweile ist ja aufgrund diverser Berichte, Tests oder der Greenpeace Detox-Kampagne schon allgemein bekannt, dass gerade in Outdoorkleidung besonders umweltschädliche Chemikalien wie PFCs zum Einsatz kommen. Das stößt natürlich auf einen gewissen Grundwiderspruch, da ja gerade die Hersteller dieser Produkte eine starke Affinität zur Natur, oder zumindest zum draußen-sein postulieren. Auch wie weit die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, bzw. zwischen Image und Konsument_innen auseinanderklaffen kann, wurde ja schon häufig verspottet, am liebsten anhand des Klischees der in drei-Lagen-Hardshelljacke zum Bäcker laufenden und dann mit dem SUV zur Arbeit fahrenden Großstadtbewohner.

Doch dies alles nur am Rande: eigentlich gibts eine Positivnachricht und ich freue mich, hier über die Geburt eines neuen Labels berichten zu können. Mathias Ahrberg of fairliebt-Fame hat seine neue Brand Ahrberg gegründet und seit kurzem sind die ersten Produkte im hauseigenen Onlineshop und bei ein paar Händlern erhältlich. Und als bekennendem Zweiradfanatiker hat es mir natürlich besonders die Tatsache angetan, dass es sich bei Ahrberg um ein Label für funktionale und doch alltagstaugliche Fahrradkleidung handelt.

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Die erste Produktrange umfasst schlichte, aber durchdacht geschnittene und gestaltete T-Shirts und Longsleeves aus Biobaumwolle und  TENCEL®, sowie einen ebenfalls aus TENCEL® hergestellten, großartigen Loop-Schal, den vor allem Wind-und-Wetter Radler_innen schätzen werden. Produziert wird in Polen oder nach Fair Trade Standards in Kenia. Ein weiterer schöner Aspekt: die Freude am Fahren und in der Gemeinschaft steht im Vordergrund, regelmäßig werden Ausfahrten von Hamburg aus organisiert, teilnehmen kann jede_r, der/die ein Fahrrad durch die norddeutsche Landschaft bewegen möchte.

Auf Herz und Nieren getestet habe ich die Produkte selbverständlich auch schon: auf dem Ahrberg-Blog ist ein Bericht vom Freiburger 600km-Brevet zu finden, welches ich am 7. und 8. Juni unter anderem in Ahrberg-Kleidung bestritten habe.

5 Fragen an…

…Tony Tonnaer, CEO und Gründer von K.O.I. – Kings Of Indigo. Bevor der Niederländer, der schon lange im Denim-Bereich arbeitet, K.O.I. gründete, war er Chef bei Kuychi. Wir haben 5 Fragen an ihn:

Tony, please let us know: Why is denim your favorite material?

TT: I have been working 17 years with denim and indigo, and I love how you can get so much out of this fabric. A pair of jeans seems so simple, but so many aspects are needed to make the perfect pair. A good pattern, proper constructions, quality trims and lots of variety in indigo colours in fabric and washes. The possibilities just never end. That gives a lot of inspiration, motivation and innovation.
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You’ve been CEO of Kuyichi and are the founder of K.O.I., so you have been or are working with two of the biggest European Ethical Fashion Brands. What do you think, from your experience, is most important to make Ethical Fashion successful?

TT: The most important is to make a quality product while taking care of the environment in a smart way. The jeans have to feel great, fit well and look amazing, just like conventional jeans. The key to success is to keep improving on product, communication and service. Create from the heart, while looking at the consumer and retailer, then bring these 2 together.

There’s a long history of activism for better working conditions in the textile industry in the Netherlands. The Clean Clothes Campaign has been founded there, as a reaction to protests against C&A, and Organisations like FairWearFoundation or MadeBy are based there as well. Do you think that the Dutch Public is very aware of these issues? Are the Netherlands a particularly good country for selling Organic and Fair Fashion?

TT: The Dutch always have been traders and looking for how to cater the right product in denim and fashion to the market, conventional and sustainable. As the Dutch travel a lot they also like to create a proper life for the partners who make the product these days, other than 3 centuries ago, when we exploited the third world countries by getting their workforce and resources. To be honest, I think the German consumer is more open to ethical fashion and to buying a honest and quality product than the Dutch. But the demand for these kind of ethical and cool products it is slowly getting stronger. There is no way back.
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In terms of making Ethical Fashion more mainstream, what do you think is the way to go: to convince the big brands and retailers to be more sustainable, or try and make existing Ethical Fashion Brands bigger to compete with the mainstream brands?

TT: I think most big brands are already working on making production more sustainable, so I think the whole industry will have to change. This will happen, but it takes time as the big companies need more time to change. For smaller brands like us it’s a bit easier, although being small brings other challenges. For example it is hard to produce small quantities sustainable and affordable, due to minimums in buying organic and recycled fabrics and in production lines.

Concerning the Ethical Fashion movement, a lot has happened in the past 10 years. How do you think will the market for Ethical Fashion look like 10 years from now?
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TT: 10 years ago when I started at Kuyichi, there were not many consumers, retailers and factories interested. Now most stakeholders are aware, but the change is unavoidable. In 10 years I hope there will be a good manmade fibre alternative to cotton with very similar aesthetics and comfort. That will help to clean up the pollution in cotton growing. I think the manufacturing will come closer and closer to the countries where the product is being sold, so more European brands will ore denim to Turkey, Tunisia, Marocco, Italy, Portugal and Eastern Europe. Easier to control and to manage, close to the markets. In washing there is already a big development in laser-ozone washes with hardly any chemicals, water and less energy, in 10 years most washes will be done with that technique or another innovative technique. Consumers will be even more aware what they buy and from whom.

Hier findet ihr alle K.O.I.-Produkte, die wir im Shop haben.

 

Dry Denim Foto-Lovestory – Teil 2

nudie-grim-tim-6-month-1-wash-600x800Nachdem ich Anfang Juli meine Grim Tim wie angekündigt noch ein paar Tage mit Matsch, Regen, Bratfett und Bier behandelt habe, war sie dann auch endgültig reif für die Wäsche. Und das Resultat sieht so aus (ich hab sie seitdem erst wieder einen halben Tag getragen, da der dicke Denim im Hochsommer dann doch zu warm war).

Fazit: ich hätte gedacht dass sie bei der ersten Wäsche noch mehr ausblutet und bin mal gespannt wie sie sich jetzt so weiterentwickelt. Das Resultat gefällt mir aber sehr gut, auch wenn ein Smartphone-Abdruck vermutlich nicht so originell ist wie eine Schnupftabakdose.

Während meine Jeans heller wird, wird mein Gürtel dunkler. Den Serrasson Belt trag ich jetzt seit 3 Monaten, und das Ergebnis kann sich sehen lassen:
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Bei nudie tut sich übrigens einiges, was Fairness und Transparenz angeht. So hat sich die schwedische Brand nicht nur dafür entschieden, in einem Pilotprojekt ihren Anteil an einem Living Wage zu zahlen (ein lesenswertes Interview dazu gibts bei get changed), sondern veröffentlicht jetzt auf ihrer Website auch alle ihre Zulieferer in einem interaktiven Production Guide. Vorbildlich!

5 Fragen an…

…Bernd Hausmann, Inhaber des Nürnberger Ecofashion Stores glore.

Bernd, erstmal die Standard-Händler-Frage: wie läuft denn der Laden so?

gloreshop4Wir sind mit der Entwicklung von glore in den jeweiligen Städten zufrieden und fühlen uns wohl wo wir sind. Vor Weihnachten wollen wir den Re-Launch unserer Webseite endlich am Start haben und freuen uns auf den neuen Shop.

Und was ist denn dein aktuelles Lieblingsteil aus deinem Laden?

Die Jeans Tube Tom von Nudie! Ich trage sie fast täglich.

 Wie bist du eigentlich darauf gekommen, einen Ecofashion-Laden zu eröffnen? Hast du vorher schon in der Modebranche gearbeitet?

Nein habe ich nicht. Vorher war ich 7 Jahre lang Sozialarbeiter und musste mich erst einarbeiten. Die Idee zu glore kam mir als ich selbst auf der Suche nach fairer und ökologischer Kleidung war. Nachdem ich mich intensiver mit der Textilindustrie beschäfftigt hatte und gesehen habe wie oft in der Branche Menschenrechte verletzt und die Natur zerstört wird, wollte ich dieses System nicht mehr unterstützen. Leider gab es zum damaligen Zeitpunkt kaum Alternativen. Als ich nach langer Suche endlich coole Labels gefunden habe, konnte ich die nicht in Deutschland kaufen. Da kam ich auf die Idee einen Green Concept Store zu eröffnen. Damals gab es in Deutschland noch keine grüne Modeläden, wo jüngere Labels verkauft wurden.

Du hast ja jetzt schon seit vielen Jahren einen Laden in Innenstadtlage. Dadurch ist die Kundschaft wahrscheinlich recht bunt gemischt. Kannst du das so einschätzen: wie groß ist der Anteil an „Überzeugungstätern“ unter deinen KundInnen , also Menschen, die gezielt nach ökofairen Klamotten suchen? Und wie groß der an Laufkundschaft, die vielleicht aus Neugier mal reinschaut und sich vom Angebot überzeugen lässt, ohne großen Wert auf den Hintergrund zu legen? Und hat sich da das Verhältnis im Laufe der Zeit vielleicht verschoben?

gloreshop3Ich finde die Frage sehr schwer zu beantworten. Da ich nicht jeden Kunden danach frage, ob er aus Überzeugung bei uns kauft kann ich keine genauen Zahlen nennen. Natürlich erkenne ich manche Überzeugungstäter auf den ersten Blick, aber da ich mich schon so oft getäuscht habe, halte ich mich mit Schätzungen zurück.

Außer der konsequenten Auswahl der Produkte nach ökologischen, sozialen und Stil-Kriterien: gibt es etwas, das deiner Meinung nach einen Ecofashion-Laden auszeichnen sollte?

Natürlich sollten sie Ökostrom verwenden und ihr Geld auf ethische Banken tragen, aber das ist unter den meisten Händlern üblich. Bei „korrekte Klamotten“ habe ich mit einigen Händler (Euch zum Beispiel) einen Kodex erarbeitet, den ich sehr gut finde.

Was mich stört in der Branche sind Menschen, die in der grünen Mode einen neuen Markt sehen und aus reinen Renditeinteresse mitmachen wollen. Leider spült es da immer mehr in das Segment. Für mich ist die grüne Mode ein kleiner Teil einer ökologischeren und menschenfreundlicheren Welt. Mit nachhaltigen Konsum lässt sich das nicht erreichen, aber wer nicht versucht sein Konsumverhalten zu ändern, der widerspricht sich selbst.

Dry Denim Foto-Lovestory – Teil 1

Ich weiß, ich weiß, ich werde nicht alle überzeugen. Aber nudie haben mich bekehrt und in mir die feste Gewissheit reifen lassen, daß eine Dry Denim die bessere Jeans ist. Und jetzt verspüre ich halt so eine Art missionarischen Eifer, auch wenn manche Kunden im Laden schon mal sparsam gucken, wenn ich ihnen stolz erzähle, daß ich meine Hose schon seit soundsoviel Monaten nicht gewaschen habe.

Um mal anschaulicher zu zeigen, worum es geht, habe ich den Alterungsprozess meiner Grim Tim Dry Dirt Organic fotografisch dokumentiert: Das hier ist sie Ende August, nach einem Tag tragen. Ab Oktober hatte ich sie dann eigentlich so gut wie jeden Tag an, bis irgendwann vor zwei Wochen, als mir der 13,2 oz starke Stoff dann doch ein wenig zu warm wurde.

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Und so sieht sie heute aus: eigentlich noch ziemlich gut, wahrscheinlich weil ich viel im Büro arbeite und wenig mit der Hose Fahrrad gefahren bin (ich lauf meistens zur Arbeit). Das rechte Knie ist durchgescheuert und geflickt, ein paar Mal musste ich Löcher in den Taschen reparieren, und sie kriegt gerade  ein kleines Loch im Schritt, daß ich mal stopfen sollte. Bequem wie eine zweite Haut ist sie mittlerweile außerdem.

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Bei der nicht ganz unwichtigen Frage, wann man so eine Jeans denn eigentlich mal waschen sollte, lässt nudie einen zum Glück nicht allein:
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Eigentlich könnte sie also mal in die Waschmaschine, aber irgendwie bin ich noch nicht bereit dafür. Also hoff ich mal, daß es in Norddeutschland schön kühl ist, damit ich dem guten Stück auf der Fusion noch den letzten Schliff verpassen kann. Fortsetzung folgt.

alles von nudie in unserem Shop: klick

5 Fragen an…

…Jeanette Bruneau Rossow von treches.

In loser Folge möchten wir hier Menschen aus der Ecofashion-Szene zu Wort kommen lassen. Den Anfang macht Jeanette, Gründerin des Berliner Labels treches. Das Interview:

Mal so ganz allgemein: was findest du eigentlich spannend an Mode und Design?TrechesPostcardsPreview

Ich finde Selbstdarstellung sehr spannend, wie wir unser Inneres durch Kleidung, Haarschnitt usw. zeigen und auch die Zugehörigkeit zu Gruppen o.ä. nach außen tragen. Es fasziniert mich sehr wie Symbole und Details in der Kleidung gewisse Haltungen kommunizieren wie z.b Schultermanschetten versus Borten und Schleifen, und ich nehme gerne solche typischen Symbole auf und spiele mit ihrer Bedeutung.

Als Modelabel/kleine Firma hat man wohl begrenzten Einfluss aber wir sind gerne ein gutes Beispiel dafür wie Firmen solidarischer auftreten können und tragen gerne dazu bei, dass es trendig wird, sich zu kümmern. Treches und alle anderen grünen Modelabel (und andere ethische start-ups) haben gemeinsam eine Chance eine neue Mentalität zu verbreiten, wo es cool ist auf seine Umwelt und Mitmenschen achtzugeben.

Du bist von Oslo nach Berlin gezogen und hast dort dann dein Label gegründet. Hat die Stadt großen Einfluß auf den Style von treches? Oder, andersherum, würdest du sagen der treches-Style ist irgendwie „typisch“ für Berlin?

Ich glaube Treches‘ Stil ist eine Konsequenz davon, dass ich in Berlin lebe, weil ich von Leuten um mich herum inspiriert werde. Ausserdem fühle ich mich sehr angezogen von simplen geometrischen Formen, schlaue Lösungen in Schnitten (um z.B Verschnitt zu verhindern oder Formen zu erschaffen) und vor allem suche ich nach einer ästhetischen Balance zwischen den Farben und Formen. Es scheint, als ob es typisch für Berliner Designer ist, dass man seine eigenen Einflüsse mit einer gewissen Berliner Lässigkeit kombiniert. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Treches-Style ist sicher auch der Einfluss den die DIY Szene auf mich hat.

Würdest du treches als feministisches Label bezeichnen? Inwieweit lassen sich feministische Haltungen überhaupt über Mode transportieren?

261-peakMeine 2 Mitarbeiterinnen und ich nennen uns Feministinnen, und wir sind gegen jede Art von Unterdrückung und Diskriminierung. Bei meinen Designs versuche ich die Geschlechterrollen zu vervielfältigen und will Menschen inspirieren, sich zu trauen mit femininen/maskulinen Symbolen und Attributen zu spielen. Sehr gerne würde ich alle unsere Kleidungstücke „Unisex“ nennen, aber wegen unterschiedlicher Körperaufmachung teilen wir die Kollektionen nach normativen Männer- oder Frauen- Körpern ein. Wir haben aber viele androgyne Teile die jedem Geschlecht stehen könnten.

Du hast treches von Beginn an als ethisches Labels gestartet, das mit ökologischen und Fairtrade-Materialien arbeitet. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Bevor ich Treches‘ im Jahr 2008 gestartet habe, nähte ich Kleidung in Kleinstserien um sie auf Wochenendemärkten zu verkaufen. Ethisches miteinander war mir immer wichtig und als die Menge an Stoffen die ich benötigte wuchs, ist mir aufgefallen wie auch ich dazu auch beitrage umweltschädliche Stoffe und unethische Arbeitsverhältnisse durch meine Produktion zu unterstützen. Dabei wollte ich nicht mitmachen und so habe ich meine ersten ökologischen, fairen Stoffrollen bestellt. Ich habe mich aus Überzeugung entschieden in Deutschland zu produzieren, da ich mir wünsche, daß in dem Land, in dem die Kleidung produziert wird, die Menschen, welche dort leben sich auch die Sachen leisten können. Für mich ist Fairtrade ein wichtiges Mittel um Ungerechtigkeit in der Welt zu bekämpfen aber noch lange nicht die endgültige Lösung. Ich denke, wenn alle Firmen etwas dazu beisteuern die Situation in den Produktionsländern zu verbessern, würden wir einen großen Schritt vorankommen. Mit Treches wollte ich beweisen, dass einheimische Produktion möglich ist. Jetzt arbeiten 2 Schneiderinnen und ich, plus die kleine Produktionsstelle Wergo in Berlin in der Treches Produktion.

Würdest du sagen, daß die Entscheidung, konsequent mit ökologischen Materialien zu arbeiten, die Umsetzung deiner Ideen und Designs erschwert? Haben konventionelle Labels es deiner Meinung nach leichter?

Ich bin oft neidisch auf konventionelle Designer, aber ich weiß daß der Treches-typische Stil sich so entwickelt hat gerade wegen des kleinen Angebots an Stoffen und Zutaten. Mit hochwertigen aber langweiligen Baumwoll-Stoffen ist die Herausforderung für den Designer grösser und ich habe die durch z.B. Patchwork-Technik, der Arbeit mit geometrischen Formen und Kontrasten sowie Dekonstruktion der Schnitte gelöst.

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Hier findet ihr unsere Auswahl von treches-Produkten in unserem Shop.

Orangen auf den Augen?

Eigentlich lags ja total nahe: da gibt’s hier in Freiburg, nicht allzuweit von unserem Laden entfernt, mit orange press einen kleinen, feinen, unabhängigen Sachbuchverlag, der tolle Bücher über kulinarisches Weltverbessern, Mode, HipHop oder Genfood herausgibt. Aber wir sind so beschäftigt mit diesem ganzen Klamottending, dass uns nicht mal in den Sinn kommt, dort Hallo zu sagen. Wie gut, dass Jürgen Reuß, seines Zeichens Co-Autor des Buches „Kaufen für die Müllhalde“ dann letztens in den Laden spaziert kam, um mal zu fragen ob wir als Station für seine alternative Einkaufstour zur Verfügung stehen. Natürlich tun wir das gerne, und wie’s so geht haben wir jetzt nicht nur besagtes Buch von Jürgen Reuß und Cosima Dannoritzer im Programm, sondern dazu noch eine weitere Auswahl des Verlagsprogramms. Besser spät als nie.

cover_obsoleszenz_gro„Kaufen für die Müllhalde – Das Prinzip der geplanten Obsoleszenz“ ist übrigens ein spannend geschriebenes und sehr gut recherchiertes Buch über die vorsätzliche Verkürzung der Lebenszeit von Produkten mit dem Ziel unseren Konsum anzukurbeln. Hier könnt ihr in das Buch reinlesen.

 

ZDF-Reportage zu (un-)fairer Kleidung

Nach den letzten Unglücken in Bangladesch wurde das Thema Kleidungsproduktion ja bereits in den meisten Medien aufgegfriffen, vorgestern hat auch das ZDF eine kurze Reportage im Frühstücksfernsehen, inklusive eines Interviews mit Christiane Schnura von der Kampagne für Saubere Kleidung, gesendet.


Wer sich schon ein wenig mehr mit diesem Thema beschäftigt hat, wird nicht viel neue Infos bekommen: die Arbeitsbedingungen in Bangladesch sind katastrophal, die VerkäuferInnen der großen Einzelhandelsketten können keine Auskunft über Produktionsbedingungen geben oder beschwichtigen die KundInnen. Und außerdem drückt sich die Reportage vor den wirklich wichtigen Zusammenhängen:  dass nämlich die Nachfrage (und das Ankurbeln dieser) nach immer billigeren und immer trendigeren Klamotten die globale Abwärts-Preisspirale erst in Gang gesetzt hat und immer weiter antreibt. Dass es fast billiger geworden ist, sich eine neue Jeans zu kaufen als die alte zu reparieren. Oder dass sich die großen Markenunternehmen und Einzelhandelsketten mit dem Verweis auf ihre Lieferanten aus der Verantwortung ziehen, und es endlich politische Rahmenbedingungen geben müsste, die die Einhaltung von Arbeitsstandards auch im Ausland einfordert und kontrolliert.

Auf der positiven Seite wäre zu verbuchen: das Thema wird überhaupt mal in den Medien aufgegriffen, und Frau Schnura von der CCC liefert einen kurzen Überblick über wichtige Labels und Ökostandards. Hoffen wir mal dass das reicht um den einen oder anderen zum Umdenken zu bewegen.

Recyclist Workshop

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Recyclete Taschen und Accessoires, egal ob aus LKW-Planen, Feuerwehrschläuchen, Stoffresten oder alten Lederjacken gibt’s ja mittlerweile wie Sand am Meer, bei Oberbekleidung siehts dagegen noch dünner aus. Und das, obwohl der Faser-Benchmark von Made-By, den Lars Wittenbrink gestern im Grüne Mode-Blog im Hinblick auf Neuigkeiten bei den Regeneratfasern erläutert hat, mal wieder zeigt, dass Recyclingstoffe meistens eine bessere, mindestens jedoch eine genau so gute Ökobilanz wie Biobaumwolle vorweisen können. Im Outdoorbereich macht sich recyceltes Polyester mittlerweile beliebt. Wer aber eher nach individueller designten Kleidungsstücken aus Recyclingmaterialien von engagierten kleinen Labels suchte, wurde nicht fündig. Das kann sich nun ändern: das Projekt Recyclist Workshop der beiden Studenten Lars Nüthen und Valentin Schmitt setzt sich zum Ziel, ein Modelabel zu etablieren, das unter bewusstem Einsatz von Recyclingmaterialien, dem Einsatz lokaler Wertschöpfungsketten und nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip anspruchsvoll designte Kleidung erschafft. Die ersten Hoodies sind bereits produziert, man kann gespannt sein was noch so passiert. Die Jury des Bundespreis Ecodesign haben sie mit ihrem Konzept jedenfalls schon mal überzeugt.

slowmag

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Seit 2006 gibt es slowmo bereits, das Label des Berliner Geschwisterpaares Felicia und Melchior Moss, und genau so lange existiert auch schon das von Melchior im Kollektionsrhytmus des Labels herausgegebene slowmag. Die aktuelle, 13. und immer noch kostenlose  Ausgabe steht unter dem Themenschwerpunkt „Fokus“ und bietet mal wieder schöne Geschichten, Berichte, Interviews und Fotos.

Wer keinen Händler in der Nähe hat, der slowmo und das slowmag führt, kann sich das Magazin auch als pdf downloaden, ebenso alle alten Ausgaben.

Und alles was wir so von slowmo im Programm haben, findet ihr hier.