Unsere erste „Gemeinwohlbilanz“

 

 

Das sich an unserem Wirtschaftsmodell früher oder später etwas ändern muss, ist mittlerweile sehr vielen Menschen bewusst. Die große Frage ist dabei viel mehr das Wie als das Ob. Im Rahmen dieser Fragestellung werden oftmals sehr theoretische Diskussionen um die Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen oder gar die Möglichkeit eines umfassenden Umbruchs – wie das „Ende des Kapitalismus“ – geführt. Ein aus unserer Sicht sehr vielversprechender Ansatz ist das Konzept der  „Gemeinwohlökonomie“ (GWÖ).

Dieses Konzept basiert auf der Annahme, dass sämtliche Wirtschaftstätigkeit dem Wohl der Gesellschaft (Gemeinwohl) zuträglich sein sollte. Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei die zentralen Werte. In vielen Kulturen gibt es äquivalente Begriffe zum „Gemeinwohl“: „Buen vivir“ in Lateinamerika, „Ubuntu“ in Afrika oder „Dharma“ im Buddhismus.

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Monsanto den Weltrekord klauen

Mehr als 272 Quadratmeter groß ist das Kornbild, das der Bund Badischer Landjugend e.V. (BBL) auf der Badenmesse in Freiburg zusammen mit Besucher*innen gelegt hat. Das war sogar dem SWR einen Bericht wert. Dass sie damit dem global agierenden Saatgut- und Gentechnik-Multi „Monsanto“ den Titel „largest seed mosaic“ im Guinnessbuch der Rekorde abgenommen haben, freut uns natürlich besonders.

LAJU-Weltrekord

Und was hat das mit zündstoff zu tun? Bereits letztes Jahr haben wir für die Landjugend das das ‚Stadt- und Land‘-Logo auf bio-faire T-Shirts gebracht. Die Vorlage hierfür stammt vermutlich aus den 1950ern und tauchte 2014 als Druckplatte beim Umzug ins neue Haus der Bauern auf. Etwas variiert wird das Logo nun von der Landjugend für Veranstaltungen genutzt, bei denen Stadt und Land zusammentreffen und gemeinsam etwas bewirken.
Damit der Rekord gelingen konnte, war die Landjugend auf der Suche nach Sponsor*innen. Und wer Monsanto eins auswischen will ist im Hause zündstoff gern gesehen. So haben wir uns dazu entschlossen, 120 Shirts zu sponsorn, die an Helfer*innen verteilt und auf der Messe verkauft wurden. Als Dankeschön durften wir uns mit einem Banner präsentieren. Schön, dass auch unsere Freunde vom Coworking-Space Grünhof als Sponsor*innen dabei waren.

Arbeitslos durch Fair Trade?

Uns erreichen immer wieder Anfragen inhaltlicher Art. Und da wir selbst gern Dinge hinterfragen, freut es uns, wenn sich auch andere Menschen ihre eigenen Gedanken machen.

Die folgende Anfrage von Johanna, die sich für die Schule mit uns beschäftigt hat, wird uns in der einen oder anderen Form immer wieder gestellt. Daher habe ich Johanna um Erlaubnis gefragt, ob ich ihre Anfrage – inklusive meiner Antwort – im Blog dokumentieren darf.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Schule werde ich mit einer Freundin ein Referat über die Umstände der Textilfabriken in Bangladesch und anderen 3. Welte Ländern halten. Zu der Einstiegsfrage, wie man die Umstände ändern kann, habe ich ein paar Lösungen gefunden. Zum einen das Boykottieren der Ware aus diesen Ländern und bei der Suche nach Alternativen bin ich auf Ihre Seite gestoßen.
Doch was passiert, wenn niemand mehr diese Kleidung kauft und alle auf fair gehandelte Ware umsteigen? Was passiert mit den Näherinnen, die nichts anderes haben als den kleinen Lohn, den sie beim Produzieren verdienen, wie sollen sie ihre Familien ernähren, wenn sie arbeitslos sind?

Ich unterstütze FairTrade und finde es gut, dass es Alternativen gibt! Doch sollte man sich auch darüber Gedanken machen.
Wie denken Sie darüber?

Mit freundlichen Grüßen
Johanna (Nachname anonymisiert)

und so habe ich geantwortet

Hallo Johanna,

es ist natürlich erstmal grundsätzlich löblich, dass du um die Arbeitsplätze der Näher*innen Angst hast. Aber irgendwie steckt da m.E. auch ein Denkfehler dahinter, der mir allerdings schon öfter begegnet ist:

Die Arbeitsbedingungen sind ja deswegen schlecht, weil die europäischen Verbraucher*innen, Läden und Marken ihre Einkaufspolitik oft nach dem niedrigsten Preis (bei vergleichbarer Qualität) einkaufen und der Marktmechanismus die Produzent*innen dementsprechend unter Druck setzt. Diese sparen dann an den Löhnen und Arbeitsbedingungen. Und nur weil der Lohn schlecht ist, sind die Arbeitsplätze ja keineswegs sicherer. Es passiert ja trotzdem immer wieder, dass jemand anderes noch günstiger produziert und noch niedrigere Stundenlöhne zahlt, woraufhin die Abnehmer dorthin wandern. In der Fachliteratur nennt sich das ‚race-to-the-bottom‘. Durch schlechte Löhne enstehen ja nicht insgesamt mehr Arbeitsplätze, sondern nur mehr Arbeitsplätze in einem Land oder einer Firma in Konkurenz zu den anderen Ländern und Firmen mit höheren Löhnen. Bei denen gehen dadurch Arbeitsplätze verloren. So wurden in der Vergangenheit ja eher bessere Arbeitsplätze tendenziell durch schlechtere ersetzt.

Unsere Idee von Veränderung ist, dass sich der Prozess umkehrt: Wir hoffen, ein positives Beispiel zu bieten, damit mehr und mehr Firmen sich trauen ihre Kleidung etwas teurer und gleichzeitig etwas fairer anzubieten und immer mehr Konsument*innen auch auf ‚Fairness‘ in der Produktion achten, statt nur auf den Preis. Wenn also mehr Kleidung in Firmen mit guten Arbeitsbedingungen produziert wird entstehen dort auch Arbeitsplätze. Und schließlich hat ja auch jede*r Fabrikbesitzer*in die Freiheit, die Arbeitsbedingungen für die Angestellten zu verbessern. Wir hoffen also eigentlich nicht, dass Fabriken mit schlechten Arbeitsbedinugen dann schließen müssen, sondern dass sich die Bedingungen für die Arbeiter*innen auch dort langfristig verbessern, wenn die Verbraucher*innen, Läden und Marken auch auf andere Kriterien achten. Natürlich werden möglicherweise auch Fabriken schließen, die auf einen solchen Trend nicht reagieren. Aber das wäre mir viel lieber, als andersrum.

Viele Grüße
Sascha Klemz | zündstoff

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Öffnungszeiten Ladengeschäft

Am 24.12. und 31.12.2014 bleibt der Laden geschlossen.
Außerdem vom 05.01. bis 09.01.2015.

Fairtrade Kleidung?

Letzte Woche war ich auf der Podiumsdiskussion ‚Wir kaufen fair. Aber handeln wir auch fair?‘. Außer mir auf der Bühne: Das Eine Welt Forum Freiburg, zwei Weltläden und Banafair. Aufhänger war die Fernsehdokumentation „Der faire Handel auf dem Prüfstand” von Donatien Lemaître. In etwa 80 Minuten zeigt der Autor das Ergebnis seiner Recherechen zur Glaubwürdigkeit des ‚fairtrade-Siegels‘. Ich selbst fand die Doku an manchen Stellen ein wenig zu selektiv und skandalisierend. Besonders, da am Ende nahe gelegt wird, dass die ‚Rainforest Alliance‘ etwas ähnliches sei wie ‚Transfair‘. Und obwohl das System von Transfair durchaus seine Fehler und Lücken hat, kommt die Organisation am Ende viel zu schlecht weg.

Film hin, Film her. Was ich viel spannender finde ist die grundsätzliche Frage nach dem fairen Handel – vor allem im Bezug auf Kleidung. Schließlich werden wir selbst oft gefragt, ob die Kleidung fair gehandelt sei. Ich antworte dann immer mit einem Jein: Sie ist ökologisch (also z.B. aus Biobaumwolle) und fair produziert. Besonders in Deutschland werden der ‚Faire Handel‘ und die ‚Faire Produktion‘ jedoch oft eins zu eins gleich gesetzt. Und irgendwie behagt mir das nicht:
Der klassische Faire Handel unterstützt vor allem Kleinbäuer*innen, welche nur schwer einen Zugang zum Weltmarkt bekommen bzw. dort im globalen Preiskampf nicht bestehen können, Unterstützen soll. Dazu gibt es verschiedene Mechanismen, die man besser auf Wikipedia nachlesen kann. Dementsprechend sind dann auch die ‚Produzentengeschichten‘ z.B. auf der Seite von Fairtrade Deutschland. Zwar gibt auch Bananen mit fairtrade-Siegel, die auf Plantagen angebaut werden, das Image ist jedoch im Allgemeinen ein anderes.

Factory workers image

Kleidung wird aber nie ausschließlich in so kleinen Strukturen, sondern vor allem in Fabriken hergestellt. Selbst wenn fairtrade-Baumwolle verwendet wird, sagt das noch nicht besonders viel über die Weiterverarbeitung aus. Schließlich fehlen dann noch Arbeitsschritte wie spinnen und weben, färben und nähen. Die Produktionskette ist also durchaus komplex und in einigen Teilen sehr technisiert. Im Englischen spricht man daher von ‚fair labour‘ oder ’sweatshop free‘ – also von fairer Lohnarbeit. Faire Kleidung, die auch zu annehmbaren Preisen zur Verfügung stehen soll, lässt sich gar nicht wirklich anders produzieren.
Natürlich ist das was wir machen ebenfalls ‚Handel‘ und auch ebenfalls ‚fair‘. Die Verallgemeinerung vom fairen Handel erzeugt meines Erachtens aber ein falsches Bild. Vor allem, wenn überhaupt kein Teil der Produktionskette den oben genannten Kriterien des traditionellen fairen Handels entspricht und ein Großteil der Produktion in Europa statt findet. Vielmehr muss es darum gehen, auch komplexe Produktionsketten transparent zu gestalten und von Anfang bis Ende zu prüfen. Schön wäre auch, wenn es ein oder zwei allgemein bekannte und einheitliche Siegel gäbe, die ‚Ethical Fashion‘ als das kenneichnen was sie ist: Unter hohen ökologischen und sozialen Standards produzierte Mode. GOTS ist da bereits ein guter Anfang. Und auch Transfair entwickelt seinen Standard zunehmend weiter. Besonders im Hinblick auf die Anwendbarkeit der eigenen Regeln auf Plantagen und Fabriken.

Zumindest konnte ich eins von der Diskussion mitnehmen. Die Auswahl der Produkte findet bei uns nach sehr ähnlichen Kriterien statt wie im Weltladen. Die allermeisten Ansichten zu den notwendigen Veränderungen im Welthandel waren zwischen allen Diskutanten ähnlich. Und auch über die Schwachstellen des fairen Handels waren wir uns einig. Vielleicht sind wir ja doch ein ‚fair trade‘ Laden im weiteren Sinn. Zumindest sind wir Teil der selben Bewegung.

DZ von Selim Özdogan

Durch Boris von der blackmilk minus box sind wir mit dem Autor Selim Özdogan in Kontakt gekommen.
Schnell ergab sich die Idee, eine von Boris entwickelte, im Roman auftauchende Schriftart auch auf faire T-Shirts zu bringen. Im Rahmen einer Lesung bei uns am 28.09. wird Selim daher nicht nur seinen neuen Roman der Öffentlichkeit vorstellen, sondern auch die Shirts das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Um zu sehen mit was für einem Stoff wir es zu tun bekommen würden, wollte ich natürlich unbedingt vorher das Buch lesen. Auch wenn der Klappentext mich zunächst nicht sehr ansprach, merkte ich schnell, dass mir der Inhalt dafür umso besser gefiel.

Die Geschichte zweier Brüder, von denen sich der eine auf die Suche nach dem anderen macht, ist nur vordergründig eine Familiengeschichte. Viel mehr handelt der Roman von Fiktion und Realität, von Drogengebrauch und dessen Folgen. Es geht um die Legalität von Drogen und deren Verbot.
Schnell entspannt sich eine packende Story, die in zwei unterschiedlichen Welten spielt: Einer stark überwachten ‚Festung Europa‘, in der die meisten Drogen verboten sind und deren Gebrauch hart bestraft wird; und in der fiktiven südostasiatischen ‚DZ‘, wo Drogen überall und immer legal zur Verfügung stehen.
Auf Wunsch der im sterben liegenden Mutter macht sich Wissenschaftler Ziggy auf die Suche nach seinem Bruder Damian. Dieser ist bereits vor Jahren in die ‚DZ‘ ausgewandert, von wo er mit Hilfe des Internets Drogen nach Europa verkauft. Durch Zufall gelangt er als Erster an die bisher unbekannte Droge ‚WMK‘. Bei einem Selbstversuch stellt Damian fest, dass diese dem User – zumindest für kurze Zeit – bisher ungeahnte Einsichten und eine nie dagewesene Möglichkeit eröffnet. Gleichzeitig versucht Ziggy in virtuellen Drogen-Communities eine Spur von Damian zu finden und stößt dabei ebenfalls auf die neuartige  Substanz…

In seinem Roman beschreibt Selim Özdogan nicht nur sehr bildhaft, wie zahlreiche reale und fiktive Drogen wirken, sondern vor allem, warum und wie die Menschen sie zu sich nehmen. Die Drogen und zugehörigen Trips, die er beschreibt, sind dabei anschaulich und durchaus ambivalent beschrieben. Je nachdem wer, wann und wo was in welcher Menge nimmt, ist der Einfluss der Drogen auf das Leben der Protagonist_innen völlig unterschiedlich. Die Drogen werden immer in den Kontext  zu den jeweiligen Konsument_innen gesetzt.
‚DZ‘ ist ein spannender Roman, der ganz undogmatisch Stellung bezieht.  Ein wenig Science-Fiction und ein wenig Gesellschaftskritik mischen sich mit dem Apell Drogen als das zu sehen was sie sind: Weder Teufelswerk noch Heilsbringer – sondern ein ganz normaler Teil der menschlichen Kultur.