Sandalen im Februar

Draußen fängt es gerade erst an, so richtig kalt zu werden. Täglich ist die Schaltung meines Fahrrads vereist und im Schwarzwald liegt meterhoch der Schnee. Die Wintersport Saison liegt zu großen Teilen noch vor uns. Und was machen wir hier im Büro?

Wir packen kurze Hosen und Sandalen aus den Kisten, obwohl wir selbst dicke Wollpullover tragen und meine Füße trotz Winterstiefel zu Eiszapfen werden… Ist das nicht verrückt? Wäre es nicht an der Zeit, die Modeuhr ein paar Wochen zum Stehen zu bringen und wieder dem Rhythmus der Welt anzupassen? So einfach geht das nur nicht. Denn wer nicht spätestens Mitte Januar Winterschlussverkauf macht, der wird schief angeschaut, da viele Läden damit ja schon vor Weihnachten beginnen. Und wenn der Laden dann im Januar und Februar leer gekauft wird, dann müssen wir ihn eben mit der neuen Sommerware auffüllen – diese stapelt sich schließlich schon in unserem Büro.

Aus diesem Grund schwelge ich dank sommerlichen Blümchenmustern und Sommerkleidern schon mitten in Frühlingsträumen.

Und heute nachmittag geh ich dann zum Skispringen gucken. So ist sie halt unsere Welt – einfach verrückt.

Kistenflut

fair ok. warum war bio noch mal wichtig?

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Wir verkaufen Produkte mit zwei Grundeigenschaften: bio & fair.

Aus welchem Grund man Kleidung aus fairer Produktion kaufen sollten, weiß heutzutage eigentlich fast jeder. Dass alle Sachen bei uns auch aus ökologischen Materialien, bzw. das meiste aus Biobaumwolle besteht, spielt für viele eher eine nebensächliche Rolle. Schließlich geht es bei einer fairen Produktion um Menschen und nicht nur um weniger Pestizide. Dieser Gedanke ist zwar nicht verwerflich, er ist aber faktisch nicht korrekt. Beim Anbau von Biobaumwolle geht es um viel mehr als nur um ein paar Pestizidrückstände auf unserer Kleidung. Ungefähr 25% aller weltweit genutzten Insektizide und 10% aller Pestizide werden im Baumwollanbau verbraucht und nicht etwa, wie man annehmen könnte, für unsere Ernährung (die wir ja schon viel und gerne ‚bio‘ kaufen). Diese Chemikalien schaden nicht nur unserer Umwelt, sondern in erster Linie den Bauern und Produzenten, die täglich damit in Berührung kommen. Und wenn am Ende Tiere wie die Biene die Pestizidflut nicht überleben werden,betrifft es uns alle.

Außerdem sind Baumwollpflanzen sehr durstig. Die jährlich gebrauchte Wassermenge für Baumwolle würde reichen, um die ganze Menschheit ein Jahr lang täglich mit 120l Frischwasser zu versorgen (Quelle: Virtuelles Wasser). Ein berühmtes und schreckliches Beispiel für den katastrophalen Überverbrauch von Wasser im Bezug auf den Baumwollanbau ist der Rückgang des Aralsees. Die Menschen haben dort mittlerweile nicht nur mit Nahrungs- und Wasserknappheit zu kämpfen, sondern zusätzlich mit giftigen Sandstürmen, da der ausgetrocknete Boden von Pestiziden des Baumwollanbaus verseucht wurde.

Hinzukommt die Verbreitung von genmanipulierten Baumwollsorten, die widerstandsfähiger gegen Schädlinge und ertragreicher sein sollen. Viele Bauern werden allerdings finanziell von Großkonzernen abhängig gemacht, die das überteuerte Gen – Saatgut verkaufen. Die Folgen kosten viele ihre Existenz, da die Resistenzen gegen Schädlinge oft nicht nachhaltig wirken, und nicht vorhersehbare natürliche Reaktionen anderer Schädlinge folgen können. In der Regel sind auch niemals nur die Schädlinge von den Auswirkungen betroffen, sondern zwangsläufig auch andere Tiere und Pflanzen, die mit ihnen durch ihre Nahrungskette im Zusammenhang stehen. Das Ökosystem gerät aus der Balance. Außerdem werden durch Genmanipulation natürliche Arten verdrängt, die langfristig die einzige Zukunftssicherheit für gesunde und überlebensfähige Pflanzen darstellen.

Viele Gründe also, warum ein bewussterer Umgang mit Baumwolle und biologischer Kleidung ein sehr wichtiges Thema ist!

5 Fragen an das neue & vegane Schuhlabel „FreiVon.“

Wenn alles klappt, kommen in ein paar Monaten neue vegane Schuhe auf den Markt. Das junge Label FreiVon. setzt auf das Zukunftspotenzial eines veganen Lebensstils und möchte bereits in der kommenden Saison an den Start gehen.

Ein veganer Lebensstil in Verbindung mit einer erfolglosen Schuhsuche und dem Wille, etwas Sinnvolles zu tun, waren Motivation genug für die schnelle Unternehmensgründung.

Mit einem ständigen Interesse an veganen Schuhe, haben wir mal näher nachgefragt, was hinter dem frischen Startup-Unternehmen steckt:

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Spielt ein veganer Lebensstil auch in eurem persönlichen Leben eine große Rolle?

Wir leben beide so gut es geht vegan. Manchmal ist es leider noch schwierig. Wenn wir essen gehen und auf dem vermeintlich veganen Rote-Beete-Cappacio ist doch ein Klecks Joghurt, essen wir es. Es nutzt keinem, es wegzuwerfen. Aber abgesehen von solchen Zwischenfällen, leben wir vegan.

FreiVon. = FreiVon tierischen Bestandteilen?

Ja, FreiVon. kommt unter Anderem von frei von tierischen Bestandteilen. Aber ebenso von frei von Schadstoffen und frei von Kinderarbeit. Wir verfolgen ein ganzheitliches Konzept. Unsere Schuhe sind vegan, aber sie sind auch nachhaltig und in Deutschland produziert. Alle drei Punkte sind uns wichtig. Ein veganer Schuh, der in einem chinesischen Sweatshop gefertigt wird, ist zwar tierfreundlich, aber die Menschen und die Umwelt leidet. Das kann nicht das Ziel sein.

Glaubt ihr, dass es möglich ist, die Schuhe mit den richtigen Materialien und in den richtigen Produktionsstätten herstellen zu lassen und dabei einen „vertretbaren Preis“ verlangen zu können? In welchem Spektrum wird sich dieser Preis bewegen?

Ja, das glauben wir. Und um das zu erreichen, geben wir alles. Wir haben uns beispielsweise entschieden nicht über den Handel zu gehen, weil ein erheblicher Preiszuschlag die Folge wäre. Unser erster Schuh wird ca. 150 Euro kosten.gonzo

Hattet ihr im Voraus eine ungefähre Vorstellung, wie euer Schuh aussehen würde und in welche Stilrichtung die „FreiVon“- Schuhe gehen werden? 

Wir wollten einen modisch- klassischen Schuh. Uns ist es wichtig, dass der Schuh nicht ‚öko‘ aussieht, sondern mit jedem gut aussehenden Lederschuh mithalten kann. Auch was den Tragekomfort angeht. Mit klassisch meinen wir aber auch, dass wir nicht mit jedem Trend mitgehen. Wir wollen, dass man unseren Schuh mehrere Saisons tragen kann. Es wird also kein ‚trendy‘ Schuh, der nächste Saison ‚out‘ ist. Wir denken, slow-fashion ist ein guter Ansatz, um bewussten Konsum zu fördern und dem Kaufwahn etwas entgegen zu stellen.

An welchem Punkt steht ihr im Moment? Wann werden wir wohl das erste Paar käuflich erwerben können? 

Im Moment sind wir dabei den finalen Prototyp fertigen zu lassen. Am 15. November geht dann unsere Crowdfunding-Kampagne bei Startnext los. Dort bieten wir unterschiedliche ‚Dankeschöns‘ an. Unter Anderem natürlich auch den Schuh. Bei erfolgreicher Kampagne können unsere Schuhe dann voraussichtlich im Frühjahr 2015 in unserem online Shop regulär gekauft werden.

 

Fairtrade Kleidung?

Letzte Woche war ich auf der Podiumsdiskussion ‚Wir kaufen fair. Aber handeln wir auch fair?‘. Außer mir auf der Bühne: Das Eine Welt Forum Freiburg, zwei Weltläden und Banafair. Aufhänger war die Fernsehdokumentation „Der faire Handel auf dem Prüfstand” von Donatien Lemaître. In etwa 80 Minuten zeigt der Autor das Ergebnis seiner Recherechen zur Glaubwürdigkeit des ‚fairtrade-Siegels‘. Ich selbst fand die Doku an manchen Stellen ein wenig zu selektiv und skandalisierend. Besonders, da am Ende nahe gelegt wird, dass die ‚Rainforest Alliance‘ etwas ähnliches sei wie ‚Transfair‘. Und obwohl das System von Transfair durchaus seine Fehler und Lücken hat, kommt die Organisation am Ende viel zu schlecht weg.

Film hin, Film her. Was ich viel spannender finde ist die grundsätzliche Frage nach dem fairen Handel – vor allem im Bezug auf Kleidung. Schließlich werden wir selbst oft gefragt, ob die Kleidung fair gehandelt sei. Ich antworte dann immer mit einem Jein: Sie ist ökologisch (also z.B. aus Biobaumwolle) und fair produziert. Besonders in Deutschland werden der ‚Faire Handel‘ und die ‚Faire Produktion‘ jedoch oft eins zu eins gleich gesetzt. Und irgendwie behagt mir das nicht:
Der klassische Faire Handel unterstützt vor allem Kleinbäuer*innen, welche nur schwer einen Zugang zum Weltmarkt bekommen bzw. dort im globalen Preiskampf nicht bestehen können, Unterstützen soll. Dazu gibt es verschiedene Mechanismen, die man besser auf Wikipedia nachlesen kann. Dementsprechend sind dann auch die ‚Produzentengeschichten‘ z.B. auf der Seite von Fairtrade Deutschland. Zwar gibt auch Bananen mit fairtrade-Siegel, die auf Plantagen angebaut werden, das Image ist jedoch im Allgemeinen ein anderes.

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Kleidung wird aber nie ausschließlich in so kleinen Strukturen, sondern vor allem in Fabriken hergestellt. Selbst wenn fairtrade-Baumwolle verwendet wird, sagt das noch nicht besonders viel über die Weiterverarbeitung aus. Schließlich fehlen dann noch Arbeitsschritte wie spinnen und weben, färben und nähen. Die Produktionskette ist also durchaus komplex und in einigen Teilen sehr technisiert. Im Englischen spricht man daher von ‚fair labour‘ oder ’sweatshop free‘ – also von fairer Lohnarbeit. Faire Kleidung, die auch zu annehmbaren Preisen zur Verfügung stehen soll, lässt sich gar nicht wirklich anders produzieren.
Natürlich ist das was wir machen ebenfalls ‚Handel‘ und auch ebenfalls ‚fair‘. Die Verallgemeinerung vom fairen Handel erzeugt meines Erachtens aber ein falsches Bild. Vor allem, wenn überhaupt kein Teil der Produktionskette den oben genannten Kriterien des traditionellen fairen Handels entspricht und ein Großteil der Produktion in Europa statt findet. Vielmehr muss es darum gehen, auch komplexe Produktionsketten transparent zu gestalten und von Anfang bis Ende zu prüfen. Schön wäre auch, wenn es ein oder zwei allgemein bekannte und einheitliche Siegel gäbe, die ‚Ethical Fashion‘ als das kenneichnen was sie ist: Unter hohen ökologischen und sozialen Standards produzierte Mode. GOTS ist da bereits ein guter Anfang. Und auch Transfair entwickelt seinen Standard zunehmend weiter. Besonders im Hinblick auf die Anwendbarkeit der eigenen Regeln auf Plantagen und Fabriken.

Zumindest konnte ich eins von der Diskussion mitnehmen. Die Auswahl der Produkte findet bei uns nach sehr ähnlichen Kriterien statt wie im Weltladen. Die allermeisten Ansichten zu den notwendigen Veränderungen im Welthandel waren zwischen allen Diskutanten ähnlich. Und auch über die Schwachstellen des fairen Handels waren wir uns einig. Vielleicht sind wir ja doch ein ‚fair trade‘ Laden im weiteren Sinn. Zumindest sind wir Teil der selben Bewegung.

Zündstoffkleidung auf weiter Reise

1. Hoodie von Recolution - Picu'l Cuervu, Asturies (Spanien)

Das Bild ist lizenziert unter einer Creative Commons Lizenz von Federico Faccio.

Der Sommer war kurz, kalt und verregnet. Zumindest bei all denen, die ihn in Deutschland verbracht haben. Und auch wenn er es die letzten Tage noch einmal versucht hat und das Freibad sogar gefüllt war – der Herbst steht vor der Tür.

Deshalb möchten wir mit euch noch ein bisschen in Urlaubserinnerungen schwelgen. Bei unserem Fotowettbewerb, bei dem wir nach einem Urlaubsfoto mit Zündstoffkleidung gefragt haben, bekamen wir tolle Fotos und möchten einige davon mit euch teilen. Die Reise geht von Spanien, Frankreich, Berlin, der Ostsee und Köln bis nach Argentinien und zurück nach Freiburg!

Wir haben uns sehr über die kreativen Fotos gefreut und hoffen, dass ihr auch weiterhin tolle Abenteuer mit der Kleidung aus unserem Shop erlebt! 🙂

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Freu(n)de am Fahren

Mittlerweile ist ja aufgrund diverser Berichte, Tests oder der Greenpeace Detox-Kampagne schon allgemein bekannt, dass gerade in Outdoorkleidung besonders umweltschädliche Chemikalien wie PFCs zum Einsatz kommen. Das stößt natürlich auf einen gewissen Grundwiderspruch, da ja gerade die Hersteller dieser Produkte eine starke Affinität zur Natur, oder zumindest zum draußen-sein postulieren. Auch wie weit die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, bzw. zwischen Image und Konsument_innen auseinanderklaffen kann, wurde ja schon häufig verspottet, am liebsten anhand des Klischees der in drei-Lagen-Hardshelljacke zum Bäcker laufenden und dann mit dem SUV zur Arbeit fahrenden Großstadtbewohner.

Doch dies alles nur am Rande: eigentlich gibts eine Positivnachricht und ich freue mich, hier über die Geburt eines neuen Labels berichten zu können. Mathias Ahrberg of fairliebt-Fame hat seine neue Brand Ahrberg gegründet und seit kurzem sind die ersten Produkte im hauseigenen Onlineshop und bei ein paar Händlern erhältlich. Und als bekennendem Zweiradfanatiker hat es mir natürlich besonders die Tatsache angetan, dass es sich bei Ahrberg um ein Label für funktionale und doch alltagstaugliche Fahrradkleidung handelt.

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Die erste Produktrange umfasst schlichte, aber durchdacht geschnittene und gestaltete T-Shirts und Longsleeves aus Biobaumwolle und  TENCEL®, sowie einen ebenfalls aus TENCEL® hergestellten, großartigen Loop-Schal, den vor allem Wind-und-Wetter Radler_innen schätzen werden. Produziert wird in Polen oder nach Fair Trade Standards in Kenia. Ein weiterer schöner Aspekt: die Freude am Fahren und in der Gemeinschaft steht im Vordergrund, regelmäßig werden Ausfahrten von Hamburg aus organisiert, teilnehmen kann jede_r, der/die ein Fahrrad durch die norddeutsche Landschaft bewegen möchte.

Auf Herz und Nieren getestet habe ich die Produkte selbverständlich auch schon: auf dem Ahrberg-Blog ist ein Bericht vom Freiburger 600km-Brevet zu finden, welches ich am 7. und 8. Juni unter anderem in Ahrberg-Kleidung bestritten habe.

Die Modeindustrie hat beschlossen: Kauft weniger. Die Scherzkekse…

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Beim dritten Copenhagen Fashion Summit, der bewusst am Jahrestag des Fabrikeinsturzes in Bangladesh stattfand, kam so einige Prominenz zusammen. Es wurde darüber diskutiert, wie die Modebranche nachhaltiger und ökologischer werden könnte. Der Luxuskonzern Kering (von dem Labels wie Puma oder Gucci stammen) präsentierte dabei stolz Zielvorgaben und Konzepte für die Zukunft und H&M versicherte mit dickem Nachdruck, wie ernst es dem Unternehmen um Umweltschutz und Sozialstandards sei. Wie ernst man diese Ziele und Vorhaben wirklich nehmen darf, sei an diesem Punkt dahingestellt.

In einem Punkt waren sich aber anscheinend alle einig: Eigentlich hängt vieles ja an den VerbraucherInnen selbst.

„Schließlich fallen 26 Prozent der Energie, die ein Kleidungsstück durchschnittlich beansprucht, bei dessen Pflege an.“ – Sachen sollen also weniger gewaschen werden, und insgesamt länger getragen werden. Diese Aussage ist korrekt und sehr wichtig, doch mir scheint es doch etwas absurd zu sein, in Gesellschaft von H&M und Co, die bis zu 60 Kollektionen im Jahr herausbringen, über die Nachhaltigkeit meiner Waschgänge zu diskutieren.

Da halte ich die Kaufentscheidung selbst für einen mindestens genauso wichtigen Punkt. An der Aussage von Eva Kruse, Leiterin des Danish Fashion Institute, ist deshalb sicher etwas dran: „Es macht fast mehr aus, was wir kaufen, als wen wir wählen.“ Denn mit jeder Kaufentscheidung, die wir treffen, machen wir ein kleines Kreuzchen für ein bestimmtes Wirtschaftskonzept. (Was bitte niemand davon abhalten soll, am Sonntag auch ein politisches Kreuzchen zu setzen!).

Und trotzdem halte ich es für feige, so vieles auf die KonsumentInnen abzuwälzen, denn genauso wie die Nachfrage das Angebot bestimmt, verhält es sich auch andersherum. Wenn die großen Konzerne den Kreislauf selbst entschleunigen würden, werden die KundInnen gar nicht erst dazu verführt, alle paar Tage nach Neuheiten für ihren Schrank zu schauen. Aber dann würden sie ja auch weniger kaufen…und dann würden die Unternehmen ja auch weniger einnehmen…und dann…ohjeohje, die armen Großkonzerne.

mehr dazu: http://enorm-magazin.de/kann-fashion-fair-sein

made in … Afrika??

In Kambodscha gibt es Proteste, Bangladesh ist seit fast einem Jahr der Inbegriff miserabler Bedingungen – muss die ganze Textilindustrie daraus Schlüsse ziehen und sich ändern?

Das sollte sie auf jeden Fall; die Geschichte lehrt uns aber etwas anderes.

In China beispielsweise hat sich der Mindestlohn in den letzten Jahren verdoppelt, doch anstatt mehr zu bezahlen, wandern viele Großkonzerne in andere Länder ab, um dort günstiger zu produzieren. Auch in Kambodscha und Bangladesh gerät die Regierung langsam unter Druck, den Textilarbeitern einen höheren Lohn zuzugestehen. Das müsste eigentlich ja auch im Interesse von H&M und Co sein, schließlich behaupten sie, für die Löhne im Land sei das Land selbst zuständig, sie hätten aber natürlich gerne, dass die Löhne der ArbeiterInnen angemessen seien.

Komisch nur, dass dann, wenn tatsächlich höhere Löhne gezahlt werden sollen, das ein oder andere Unternehmen einfach in das nächste Land abwandert, wo noch keiner protestiert.

Der H&M Chef hat Anfang des Jahres angedeutet, einen Blick auf Afrika geworfen zu haben. Auch Primark ist schon in Äthiopien vertreten. Denn nicht nur die Transportwege sind kürzer; die Lohnkosten liegen mittlerweile deutlich unter denen von China.

Es bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen dabei einen wichtigen Unterschied begreifen: Und zwar Afrika als Wirtschaftsstandort ernst zu nehmen, anstatt ihn auszunehmen. Die Menschenrechtslage in Äthiopien gibt leider keine all zu rosigen Aussichten auf angemessene Sozialstandards und macht auch wenig Hoffnung auf einen womöglichen Sinneswandel in Sachen faire Kleidung und H&M.

Eine kritische Beobachtung ist deshalb in jedem Fall nötig, denn wenn es um Bangladesh mal ruhig wird, heißt das noch lange nicht, dass alles gut ist.

(Quelle: Basler Zeitung: Afrika, das neue Nähzimmer der Welt)

Made in Bangladesh – fair and organic?

Unser neues Label „Stanley and Stella“ lässt in Bangladesh produzieren und verkauft T-Shirts für einen Preis von 12€. Wie passt das in unser Konzept, und wodurch unterscheiden sich die Shirts trotzdem von herkömmlichen C&A Produkten?

Bei einem genauerem Blick ist auf dem Waschetikett im Inneren des Shirts unter den Worten „made in Bangladesh“ ein erster Unterschied zu erkennen: „100% organic cotton“. Damit sind allerdings weder irgendwelche Arbeitsstandards gesichert, noch wird garantiert, dass die Baumwolle nicht trotzdem durch das Färben oder Ähnliches mit Schadstoffen behandelt wurde. Erst auf dem zweiten Zettel machen die beiden Siegel „GOTS – organic“ und „Fairwear Foundation“ deutlich, worin der wirkliche Unterschied besteht. Diese stehen für strenge unabhängige Kontrollen, was zum einen ökologische Kriterien und gleichzeitig soziale Kriterien angeht. Und auch wenn im Hinblick auf die Mitgliedschaft in der Fairwear Foundation nicht immer gleich alle Kriterien von Anfang an eingehalten werden müssen, wird der Weg dorthin kritisch beobachtet und der stetige Fortschritt in die richtige Richtung vorausgesetzt.

Für eine nachhaltige Produktion wird so manchen den Preis verwundern. Dieser kommt wohl zum einen durch eine Produktion von großen Mengen zu Stande. Und natürlich macht es einen Unterschied, ob in Europa unter fairen Bedingungen gearbeitet wird, oder in Südostasien. Hier stellt sich die Frage, in welche Richtung sich „fairer Handel“ grundsätzlich bewegen soll. Wollen wir gegen die Globalisierung ankämpfen und nur noch Produkte kaufen und verkaufen, die innerhalb Europas, wenn nicht sogar in Deutschland selbst produziert wurden? Oder wollen wir auch versuchen, mitzuhelfen, dass in Ländern wie Bangladesh die Bedingungen in der Textilindustrie umgekrempelt werden, ohne dass Bangladesh als Wirtschaftsstandort einfach nur vermieden wird, weil die Leute das Land nur mit den schrecklichen Bildern des vergangenen Jahres verbinden?
Denn was wäre, wenn die Proteste dort womöglich Gehör finden würden, und die großen Konzerne dann – anstatt höhere Löhne zu zahlen – einfach in das nächste Land ziehen und das gleiche geht beispielsweise in Myanmar von vorne los?

5 Fragen an…

…Tony Tonnaer, CEO und Gründer von K.O.I. – Kings Of Indigo. Bevor der Niederländer, der schon lange im Denim-Bereich arbeitet, K.O.I. gründete, war er Chef bei Kuychi. Wir haben 5 Fragen an ihn:

Tony, please let us know: Why is denim your favorite material?

TT: I have been working 17 years with denim and indigo, and I love how you can get so much out of this fabric. A pair of jeans seems so simple, but so many aspects are needed to make the perfect pair. A good pattern, proper constructions, quality trims and lots of variety in indigo colours in fabric and washes. The possibilities just never end. That gives a lot of inspiration, motivation and innovation.
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You’ve been CEO of Kuyichi and are the founder of K.O.I., so you have been or are working with two of the biggest European Ethical Fashion Brands. What do you think, from your experience, is most important to make Ethical Fashion successful?

TT: The most important is to make a quality product while taking care of the environment in a smart way. The jeans have to feel great, fit well and look amazing, just like conventional jeans. The key to success is to keep improving on product, communication and service. Create from the heart, while looking at the consumer and retailer, then bring these 2 together.

There’s a long history of activism for better working conditions in the textile industry in the Netherlands. The Clean Clothes Campaign has been founded there, as a reaction to protests against C&A, and Organisations like FairWearFoundation or MadeBy are based there as well. Do you think that the Dutch Public is very aware of these issues? Are the Netherlands a particularly good country for selling Organic and Fair Fashion?

TT: The Dutch always have been traders and looking for how to cater the right product in denim and fashion to the market, conventional and sustainable. As the Dutch travel a lot they also like to create a proper life for the partners who make the product these days, other than 3 centuries ago, when we exploited the third world countries by getting their workforce and resources. To be honest, I think the German consumer is more open to ethical fashion and to buying a honest and quality product than the Dutch. But the demand for these kind of ethical and cool products it is slowly getting stronger. There is no way back.
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In terms of making Ethical Fashion more mainstream, what do you think is the way to go: to convince the big brands and retailers to be more sustainable, or try and make existing Ethical Fashion Brands bigger to compete with the mainstream brands?

TT: I think most big brands are already working on making production more sustainable, so I think the whole industry will have to change. This will happen, but it takes time as the big companies need more time to change. For smaller brands like us it’s a bit easier, although being small brings other challenges. For example it is hard to produce small quantities sustainable and affordable, due to minimums in buying organic and recycled fabrics and in production lines.

Concerning the Ethical Fashion movement, a lot has happened in the past 10 years. How do you think will the market for Ethical Fashion look like 10 years from now?
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TT: 10 years ago when I started at Kuyichi, there were not many consumers, retailers and factories interested. Now most stakeholders are aware, but the change is unavoidable. In 10 years I hope there will be a good manmade fibre alternative to cotton with very similar aesthetics and comfort. That will help to clean up the pollution in cotton growing. I think the manufacturing will come closer and closer to the countries where the product is being sold, so more European brands will ore denim to Turkey, Tunisia, Marocco, Italy, Portugal and Eastern Europe. Easier to control and to manage, close to the markets. In washing there is already a big development in laser-ozone washes with hardly any chemicals, water and less energy, in 10 years most washes will be done with that technique or another innovative technique. Consumers will be even more aware what they buy and from whom.

Hier findet ihr alle K.O.I.-Produkte, die wir im Shop haben.