Zündstoffkleidung auf weiter Reise

1. Hoodie von Recolution - Picu'l Cuervu, Asturies (Spanien)

Das Bild ist lizenziert unter einer Creative Commons Lizenz von Federico Faccio.

Der Sommer war kurz, kalt und verregnet. Zumindest bei all denen, die ihn in Deutschland verbracht haben. Und auch wenn er es die letzten Tage noch einmal versucht hat und das Freibad sogar gefüllt war – der Herbst steht vor der Tür.

Deshalb möchten wir mit euch noch ein bisschen in Urlaubserinnerungen schwelgen. Bei unserem Fotowettbewerb, bei dem wir nach einem Urlaubsfoto mit Zündstoffkleidung gefragt haben, bekamen wir tolle Fotos und möchten einige davon mit euch teilen. Die Reise geht von Spanien, Frankreich, Berlin, der Ostsee und Köln bis nach Argentinien und zurück nach Freiburg!

Wir haben uns sehr über die kreativen Fotos gefreut und hoffen, dass ihr auch weiterhin tolle Abenteuer mit der Kleidung aus unserem Shop erlebt! 🙂

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Freu(n)de am Fahren

Mittlerweile ist ja aufgrund diverser Berichte, Tests oder der Greenpeace Detox-Kampagne schon allgemein bekannt, dass gerade in Outdoorkleidung besonders umweltschädliche Chemikalien wie PFCs zum Einsatz kommen. Das stößt natürlich auf einen gewissen Grundwiderspruch, da ja gerade die Hersteller dieser Produkte eine starke Affinität zur Natur, oder zumindest zum draußen-sein postulieren. Auch wie weit die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, bzw. zwischen Image und Konsument_innen auseinanderklaffen kann, wurde ja schon häufig verspottet, am liebsten anhand des Klischees der in drei-Lagen-Hardshelljacke zum Bäcker laufenden und dann mit dem SUV zur Arbeit fahrenden Großstadtbewohner.

Doch dies alles nur am Rande: eigentlich gibts eine Positivnachricht und ich freue mich, hier über die Geburt eines neuen Labels berichten zu können. Mathias Ahrberg of fairliebt-Fame hat seine neue Brand Ahrberg gegründet und seit kurzem sind die ersten Produkte im hauseigenen Onlineshop und bei ein paar Händlern erhältlich. Und als bekennendem Zweiradfanatiker hat es mir natürlich besonders die Tatsache angetan, dass es sich bei Ahrberg um ein Label für funktionale und doch alltagstaugliche Fahrradkleidung handelt.

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Die erste Produktrange umfasst schlichte, aber durchdacht geschnittene und gestaltete T-Shirts und Longsleeves aus Biobaumwolle und  TENCEL®, sowie einen ebenfalls aus TENCEL® hergestellten, großartigen Loop-Schal, den vor allem Wind-und-Wetter Radler_innen schätzen werden. Produziert wird in Polen oder nach Fair Trade Standards in Kenia. Ein weiterer schöner Aspekt: die Freude am Fahren und in der Gemeinschaft steht im Vordergrund, regelmäßig werden Ausfahrten von Hamburg aus organisiert, teilnehmen kann jede_r, der/die ein Fahrrad durch die norddeutsche Landschaft bewegen möchte.

Auf Herz und Nieren getestet habe ich die Produkte selbverständlich auch schon: auf dem Ahrberg-Blog ist ein Bericht vom Freiburger 600km-Brevet zu finden, welches ich am 7. und 8. Juni unter anderem in Ahrberg-Kleidung bestritten habe.

Die Modeindustrie hat beschlossen: Kauft weniger. Die Scherzkekse…

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Beim dritten Copenhagen Fashion Summit, der bewusst am Jahrestag des Fabrikeinsturzes in Bangladesh stattfand, kam so einige Prominenz zusammen. Es wurde darüber diskutiert, wie die Modebranche nachhaltiger und ökologischer werden könnte. Der Luxuskonzern Kering (von dem Labels wie Puma oder Gucci stammen) präsentierte dabei stolz Zielvorgaben und Konzepte für die Zukunft und H&M versicherte mit dickem Nachdruck, wie ernst es dem Unternehmen um Umweltschutz und Sozialstandards sei. Wie ernst man diese Ziele und Vorhaben wirklich nehmen darf, sei an diesem Punkt dahingestellt.

In einem Punkt waren sich aber anscheinend alle einig: Eigentlich hängt vieles ja an den VerbraucherInnen selbst.

„Schließlich fallen 26 Prozent der Energie, die ein Kleidungsstück durchschnittlich beansprucht, bei dessen Pflege an.“ – Sachen sollen also weniger gewaschen werden, und insgesamt länger getragen werden. Diese Aussage ist korrekt und sehr wichtig, doch mir scheint es doch etwas absurd zu sein, in Gesellschaft von H&M und Co, die bis zu 60 Kollektionen im Jahr herausbringen, über die Nachhaltigkeit meiner Waschgänge zu diskutieren.

Da halte ich die Kaufentscheidung selbst für einen mindestens genauso wichtigen Punkt. An der Aussage von Eva Kruse, Leiterin des Danish Fashion Institute, ist deshalb sicher etwas dran: „Es macht fast mehr aus, was wir kaufen, als wen wir wählen.“ Denn mit jeder Kaufentscheidung, die wir treffen, machen wir ein kleines Kreuzchen für ein bestimmtes Wirtschaftskonzept. (Was bitte niemand davon abhalten soll, am Sonntag auch ein politisches Kreuzchen zu setzen!).

Und trotzdem halte ich es für feige, so vieles auf die KonsumentInnen abzuwälzen, denn genauso wie die Nachfrage das Angebot bestimmt, verhält es sich auch andersherum. Wenn die großen Konzerne den Kreislauf selbst entschleunigen würden, werden die KundInnen gar nicht erst dazu verführt, alle paar Tage nach Neuheiten für ihren Schrank zu schauen. Aber dann würden sie ja auch weniger kaufen…und dann würden die Unternehmen ja auch weniger einnehmen…und dann…ohjeohje, die armen Großkonzerne.

mehr dazu: http://enorm-magazin.de/kann-fashion-fair-sein

made in … Afrika??

In Kambodscha gibt es Proteste, Bangladesh ist seit fast einem Jahr der Inbegriff miserabler Bedingungen – muss die ganze Textilindustrie daraus Schlüsse ziehen und sich ändern?

Das sollte sie auf jeden Fall; die Geschichte lehrt uns aber etwas anderes.

In China beispielsweise hat sich der Mindestlohn in den letzten Jahren verdoppelt, doch anstatt mehr zu bezahlen, wandern viele Großkonzerne in andere Länder ab, um dort günstiger zu produzieren. Auch in Kambodscha und Bangladesh gerät die Regierung langsam unter Druck, den Textilarbeitern einen höheren Lohn zuzugestehen. Das müsste eigentlich ja auch im Interesse von H&M und Co sein, schließlich behaupten sie, für die Löhne im Land sei das Land selbst zuständig, sie hätten aber natürlich gerne, dass die Löhne der ArbeiterInnen angemessen seien.

Komisch nur, dass dann, wenn tatsächlich höhere Löhne gezahlt werden sollen, das ein oder andere Unternehmen einfach in das nächste Land abwandert, wo noch keiner protestiert.

Der H&M Chef hat Anfang des Jahres angedeutet, einen Blick auf Afrika geworfen zu haben. Auch Primark ist schon in Äthiopien vertreten. Denn nicht nur die Transportwege sind kürzer; die Lohnkosten liegen mittlerweile deutlich unter denen von China.

Es bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen dabei einen wichtigen Unterschied begreifen: Und zwar Afrika als Wirtschaftsstandort ernst zu nehmen, anstatt ihn auszunehmen. Die Menschenrechtslage in Äthiopien gibt leider keine all zu rosigen Aussichten auf angemessene Sozialstandards und macht auch wenig Hoffnung auf einen womöglichen Sinneswandel in Sachen faire Kleidung und H&M.

Eine kritische Beobachtung ist deshalb in jedem Fall nötig, denn wenn es um Bangladesh mal ruhig wird, heißt das noch lange nicht, dass alles gut ist.

(Quelle: Basler Zeitung: Afrika, das neue Nähzimmer der Welt)

Made in Bangladesh – fair and organic?

Unser neues Label „Stanley and Stella“ lässt in Bangladesh produzieren und verkauft T-Shirts für einen Preis von 12€. Wie passt das in unser Konzept, und wodurch unterscheiden sich die Shirts trotzdem von herkömmlichen C&A Produkten?

Bei einem genauerem Blick ist auf dem Waschetikett im Inneren des Shirts unter den Worten „made in Bangladesh“ ein erster Unterschied zu erkennen: „100% organic cotton“. Damit sind allerdings weder irgendwelche Arbeitsstandards gesichert, noch wird garantiert, dass die Baumwolle nicht trotzdem durch das Färben oder Ähnliches mit Schadstoffen behandelt wurde. Erst auf dem zweiten Zettel machen die beiden Siegel „GOTS – organic“ und „Fairwear Foundation“ deutlich, worin der wirkliche Unterschied besteht. Diese stehen für strenge unabhängige Kontrollen, was zum einen ökologische Kriterien und gleichzeitig soziale Kriterien angeht. Und auch wenn im Hinblick auf die Mitgliedschaft in der Fairwear Foundation nicht immer gleich alle Kriterien von Anfang an eingehalten werden müssen, wird der Weg dorthin kritisch beobachtet und der stetige Fortschritt in die richtige Richtung vorausgesetzt.

Für eine nachhaltige Produktion wird so manchen den Preis verwundern. Dieser kommt wohl zum einen durch eine Produktion von großen Mengen zu Stande. Und natürlich macht es einen Unterschied, ob in Europa unter fairen Bedingungen gearbeitet wird, oder in Südostasien. Hier stellt sich die Frage, in welche Richtung sich „fairer Handel“ grundsätzlich bewegen soll. Wollen wir gegen die Globalisierung ankämpfen und nur noch Produkte kaufen und verkaufen, die innerhalb Europas, wenn nicht sogar in Deutschland selbst produziert wurden? Oder wollen wir auch versuchen, mitzuhelfen, dass in Ländern wie Bangladesh die Bedingungen in der Textilindustrie umgekrempelt werden, ohne dass Bangladesh als Wirtschaftsstandort einfach nur vermieden wird, weil die Leute das Land nur mit den schrecklichen Bildern des vergangenen Jahres verbinden?
Denn was wäre, wenn die Proteste dort womöglich Gehör finden würden, und die großen Konzerne dann – anstatt höhere Löhne zu zahlen – einfach in das nächste Land ziehen und das gleiche geht beispielsweise in Myanmar von vorne los?

5 Fragen an…

…Tony Tonnaer, CEO und Gründer von K.O.I. – Kings Of Indigo. Bevor der Niederländer, der schon lange im Denim-Bereich arbeitet, K.O.I. gründete, war er Chef bei Kuychi. Wir haben 5 Fragen an ihn:

Tony, please let us know: Why is denim your favorite material?

TT: I have been working 17 years with denim and indigo, and I love how you can get so much out of this fabric. A pair of jeans seems so simple, but so many aspects are needed to make the perfect pair. A good pattern, proper constructions, quality trims and lots of variety in indigo colours in fabric and washes. The possibilities just never end. That gives a lot of inspiration, motivation and innovation.
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You’ve been CEO of Kuyichi and are the founder of K.O.I., so you have been or are working with two of the biggest European Ethical Fashion Brands. What do you think, from your experience, is most important to make Ethical Fashion successful?

TT: The most important is to make a quality product while taking care of the environment in a smart way. The jeans have to feel great, fit well and look amazing, just like conventional jeans. The key to success is to keep improving on product, communication and service. Create from the heart, while looking at the consumer and retailer, then bring these 2 together.

There’s a long history of activism for better working conditions in the textile industry in the Netherlands. The Clean Clothes Campaign has been founded there, as a reaction to protests against C&A, and Organisations like FairWearFoundation or MadeBy are based there as well. Do you think that the Dutch Public is very aware of these issues? Are the Netherlands a particularly good country for selling Organic and Fair Fashion?

TT: The Dutch always have been traders and looking for how to cater the right product in denim and fashion to the market, conventional and sustainable. As the Dutch travel a lot they also like to create a proper life for the partners who make the product these days, other than 3 centuries ago, when we exploited the third world countries by getting their workforce and resources. To be honest, I think the German consumer is more open to ethical fashion and to buying a honest and quality product than the Dutch. But the demand for these kind of ethical and cool products it is slowly getting stronger. There is no way back.
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In terms of making Ethical Fashion more mainstream, what do you think is the way to go: to convince the big brands and retailers to be more sustainable, or try and make existing Ethical Fashion Brands bigger to compete with the mainstream brands?

TT: I think most big brands are already working on making production more sustainable, so I think the whole industry will have to change. This will happen, but it takes time as the big companies need more time to change. For smaller brands like us it’s a bit easier, although being small brings other challenges. For example it is hard to produce small quantities sustainable and affordable, due to minimums in buying organic and recycled fabrics and in production lines.

Concerning the Ethical Fashion movement, a lot has happened in the past 10 years. How do you think will the market for Ethical Fashion look like 10 years from now?
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TT: 10 years ago when I started at Kuyichi, there were not many consumers, retailers and factories interested. Now most stakeholders are aware, but the change is unavoidable. In 10 years I hope there will be a good manmade fibre alternative to cotton with very similar aesthetics and comfort. That will help to clean up the pollution in cotton growing. I think the manufacturing will come closer and closer to the countries where the product is being sold, so more European brands will ore denim to Turkey, Tunisia, Marocco, Italy, Portugal and Eastern Europe. Easier to control and to manage, close to the markets. In washing there is already a big development in laser-ozone washes with hardly any chemicals, water and less energy, in 10 years most washes will be done with that technique or another innovative technique. Consumers will be even more aware what they buy and from whom.

Hier findet ihr alle K.O.I.-Produkte, die wir im Shop haben.

 

Mode als „Momentgenussmittel“ zum Wegwerfen?

www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2005816/ZDFzoom-Mode-zum-Wegwerfen?setTime=291#/beitrag/video/2005816/ZDFzoom-Mode-zum-Wegwerfen

Lieber eine große Tasse Kaffee oder ein neues T-Shirt? Betrachtet man den Kostenfaktor, gibt es da in bestimmten Läden tatsächlich keinen großen Unterschied. Dabei dürfte ja den meisten klar sein, dass sich die Herstellungskosten doch etwas unterscheiden (sollten).

Auch bei der Verwendung könnte man meinen, die beiden Produkte würden ein bisschen voneinander abweichen. Eine Tasse Kaffee weckt als wohlschmeckendes Genussmittel die Geister für ein paar Stündchen. Ein T-Shirt dagegen könnte man sogar mehrere Jahre nutzen. Aber da viele anscheinend im gleichen Tempo die Freude an ihren „alten“ Sachen verlieren, wie eine Kaffeetasse geleert wird, entwickelt sich Mode zunehmend zu einem Momentgenussmittel und muss so schnell wie möglich gewechselt und erneuert werden. Primark & Co machen dies möglich, denn ein neues T-Shirt statt dem morgendlichen Kaffee scheint ja ein gutes Angebot zu sein.

Wer den Preis dafür in Wirklichkeit zahlt, wird in unserer westlichen Welt leider immer noch oft vergessen.

Dry Denim Foto-Lovestory – Teil 2

nudie-grim-tim-6-month-1-wash-600x800Nachdem ich Anfang Juli meine Grim Tim wie angekündigt noch ein paar Tage mit Matsch, Regen, Bratfett und Bier behandelt habe, war sie dann auch endgültig reif für die Wäsche. Und das Resultat sieht so aus (ich hab sie seitdem erst wieder einen halben Tag getragen, da der dicke Denim im Hochsommer dann doch zu warm war).

Fazit: ich hätte gedacht dass sie bei der ersten Wäsche noch mehr ausblutet und bin mal gespannt wie sie sich jetzt so weiterentwickelt. Das Resultat gefällt mir aber sehr gut, auch wenn ein Smartphone-Abdruck vermutlich nicht so originell ist wie eine Schnupftabakdose.

Während meine Jeans heller wird, wird mein Gürtel dunkler. Den Serrasson Belt trag ich jetzt seit 3 Monaten, und das Ergebnis kann sich sehen lassen:
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Bei nudie tut sich übrigens einiges, was Fairness und Transparenz angeht. So hat sich die schwedische Brand nicht nur dafür entschieden, in einem Pilotprojekt ihren Anteil an einem Living Wage zu zahlen (ein lesenswertes Interview dazu gibts bei get changed), sondern veröffentlicht jetzt auf ihrer Website auch alle ihre Zulieferer in einem interaktiven Production Guide. Vorbildlich!

5 Fragen an…

…Bernd Hausmann, Inhaber des Nürnberger Ecofashion Stores glore.

Bernd, erstmal die Standard-Händler-Frage: wie läuft denn der Laden so?

gloreshop4Wir sind mit der Entwicklung von glore in den jeweiligen Städten zufrieden und fühlen uns wohl wo wir sind. Vor Weihnachten wollen wir den Re-Launch unserer Webseite endlich am Start haben und freuen uns auf den neuen Shop.

Und was ist denn dein aktuelles Lieblingsteil aus deinem Laden?

Die Jeans Tube Tom von Nudie! Ich trage sie fast täglich.

 Wie bist du eigentlich darauf gekommen, einen Ecofashion-Laden zu eröffnen? Hast du vorher schon in der Modebranche gearbeitet?

Nein habe ich nicht. Vorher war ich 7 Jahre lang Sozialarbeiter und musste mich erst einarbeiten. Die Idee zu glore kam mir als ich selbst auf der Suche nach fairer und ökologischer Kleidung war. Nachdem ich mich intensiver mit der Textilindustrie beschäfftigt hatte und gesehen habe wie oft in der Branche Menschenrechte verletzt und die Natur zerstört wird, wollte ich dieses System nicht mehr unterstützen. Leider gab es zum damaligen Zeitpunkt kaum Alternativen. Als ich nach langer Suche endlich coole Labels gefunden habe, konnte ich die nicht in Deutschland kaufen. Da kam ich auf die Idee einen Green Concept Store zu eröffnen. Damals gab es in Deutschland noch keine grüne Modeläden, wo jüngere Labels verkauft wurden.

Du hast ja jetzt schon seit vielen Jahren einen Laden in Innenstadtlage. Dadurch ist die Kundschaft wahrscheinlich recht bunt gemischt. Kannst du das so einschätzen: wie groß ist der Anteil an „Überzeugungstätern“ unter deinen KundInnen , also Menschen, die gezielt nach ökofairen Klamotten suchen? Und wie groß der an Laufkundschaft, die vielleicht aus Neugier mal reinschaut und sich vom Angebot überzeugen lässt, ohne großen Wert auf den Hintergrund zu legen? Und hat sich da das Verhältnis im Laufe der Zeit vielleicht verschoben?

gloreshop3Ich finde die Frage sehr schwer zu beantworten. Da ich nicht jeden Kunden danach frage, ob er aus Überzeugung bei uns kauft kann ich keine genauen Zahlen nennen. Natürlich erkenne ich manche Überzeugungstäter auf den ersten Blick, aber da ich mich schon so oft getäuscht habe, halte ich mich mit Schätzungen zurück.

Außer der konsequenten Auswahl der Produkte nach ökologischen, sozialen und Stil-Kriterien: gibt es etwas, das deiner Meinung nach einen Ecofashion-Laden auszeichnen sollte?

Natürlich sollten sie Ökostrom verwenden und ihr Geld auf ethische Banken tragen, aber das ist unter den meisten Händlern üblich. Bei „korrekte Klamotten“ habe ich mit einigen Händler (Euch zum Beispiel) einen Kodex erarbeitet, den ich sehr gut finde.

Was mich stört in der Branche sind Menschen, die in der grünen Mode einen neuen Markt sehen und aus reinen Renditeinteresse mitmachen wollen. Leider spült es da immer mehr in das Segment. Für mich ist die grüne Mode ein kleiner Teil einer ökologischeren und menschenfreundlicheren Welt. Mit nachhaltigen Konsum lässt sich das nicht erreichen, aber wer nicht versucht sein Konsumverhalten zu ändern, der widerspricht sich selbst.

Macht Werbung „faul“?

In den Medien der letzten Monate ging es oft um faire Kleidung und immer hieß es: „Wie kann der Verbraucher/ die Verbraucherin wissen, was fair ist? Und wo findet man faire Kleidung?“.

Dies ist eine durchaus berechtigte Frage. Denn wenn man in großen Kaufhäusern danach sucht, kann das sicherlich sehr kompliziert werden.

Allerdings frage ich mich, ob all die Talkshow-Kandidaten und Moderatoren sich überhaupt ein mal die Mühe gemacht haben, vor einer solchen Diskussion ein bisschen zu recherchieren. Schließlich sollte man doch meinen, dass jeder immer und überall alles nachgucken kann, warum also nicht mal faire Kleidung „googeln“?

Denn wer sucht, der wird auch fündig. Um auf das GOTS-Siegel zu stoßen oder verschiedenste Online-Shops / Marken / Läden mit einem dementsprechenden Angebot bedarf es keinen besonderen Fähigkeiten außer ein bisschen Neugierde beim Suchen.

Und trotzdem schien genau das laut vielen Diskussionen das Problem zu sein: Es gäbe keine Siegel und die VerbraucherInnen wüssten nicht, wo man faire Kleidung findet.

Natürlich ist es ein bisschen kompliziert, denn man muss sich aktiv darum bemühen, aktiv suchen, sich selbst eine Meinung über eine Marke oder einen Shop bilden, um abzuwägen, wem man sein Vertrauen schenkt und wem nicht. Niemand sagt mir in der Werbepause: „Kaufen Sie jetzt fair & bio bei xy-Shop, denn uns kann man vertrauen!“. (Außer vielleicht bald H&M mit einer neuen PR-Kampagne).

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Nach den Ereignissen in Bangladesch hören die KonsumentInnen, dass sie vieles nicht mehr kaufen sollen, was sie kennen und in der Werbung sehen, aber bekommen keine Alternative vor die Nase gesetzt. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach einfach: Das Werbebudget in der fair&bio – Branche ist nach wie vor sehr gering, schließlich zahlt man ja sowieso schon mehr für ein T-Shirt, wer will da noch Geld für Werbung draufzahlen?

Schade nur, dass wir anscheinend verlernt haben, uns selbst zu überlegen, was wir haben möchten und warum, weil Werbung das schon für uns bestimmt. Und wenn uns keiner via Werbung über das Nonplusultra aufklärt, sind wir überfordert und wissen nicht was tun.

Bleibt die Frage: Raubt Werbung uns die Neugierde und macht uns schlicht und einfach ein bisschen faul?