Unsere erste „Gemeinwohlbilanz“

 

 

Das sich an unserem Wirtschaftsmodell früher oder später etwas ändern muss, ist mittlerweile sehr vielen Menschen bewusst. Die große Frage ist dabei viel mehr das Wie als das Ob. Im Rahmen dieser Fragestellung werden oftmals sehr theoretische Diskussionen um die Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen oder gar die Möglichkeit eines umfassenden Umbruchs – wie das „Ende des Kapitalismus“ – geführt. Ein aus unserer Sicht sehr vielversprechender Ansatz ist das Konzept der  „Gemeinwohlökonomie“ (GWÖ).

Dieses Konzept basiert auf der Annahme, dass sämtliche Wirtschaftstätigkeit dem Wohl der Gesellschaft (Gemeinwohl) zuträglich sein sollte. Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei die zentralen Werte. In vielen Kulturen gibt es äquivalente Begriffe zum „Gemeinwohl“: „Buen vivir“ in Lateinamerika, „Ubuntu“ in Afrika oder „Dharma“ im Buddhismus.

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zündstoff – wer und was und überhaupt?

Gerade für Menschen, die ganz neu hier auf unserem Blog hereinschneien, gibt es mit dem heutigen Post ein kleines zündstoff-Einmaleins. Aber natürlich dürfen auch ‚alte Hasen‘ lesen, was wir hier bei zündstoff wichtig finden und wie wir am liebsten arbeiten!

Wofür steht zündstoff?
zündstoff steht für coole und zeitgemäße Mode, die nach ethischen und ökologischen Richtlinien hergestellt wird. Wir wollen zeigen, dass öko-faire Mode stylisch ist und finden es toll, dass sich in den vergangenen Jahren so viel in dieser Branche getan hat. So können wir unseren Kund*innen ein breitgefächertes Sortiment nachhaltiger Mode anbieten und vermitteln, dass sie sich zeitgemäß und modebewusst kleiden können, ohne dabei die Herstellungsbedingungen aus den Augen verlieren zu müssen. „zündstoff – wer und was und überhaupt?“ weiterlesen

Grüner Besuch: Katrin Göring-Eckardt bei zündstoff!

Ende vorletzer Woche hat uns eine überraschende Anfrage erreicht: Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im deutschen Bundestag sowie gemeinsam mit Cem Özdemir grüne Spitzenkandidatin für die diesjährige Bundestagswahl, wollte zündstoff besuchen, um mit uns über unser Unternehmen und unsere Gemeinwohlökonomie-Bilanz (GWÖ) zu sprechen! Am Mittwoch Vormittag war es dann soweit:

Kathrin Göring-Eckardt auf dem zündstoff-Sofa!

In entspannter Atmosphäre entwickelte sich dabei ein interessantes Gespräch, denn Katrin Göring-Eckardt hatte so einige Fragen mit im Gepäck. Besonders interessiert war sie am Gründungsprozess von zündstoff, der vor mittlerweile knapp 11 Jahren begann. Von den beiden Gründern Matthias Rau und Sascha Klemz war letzterer vor Ort und stand Rede und Antwort. Wie klappt das mit dem Ladengeschäft in Freiburg, wie läut der Onlinehandel? Nach welchen Kriterien werden Labels ausgewählt und sind die Biobaumwoll-Kollektionen der großen Modediscounter eine ernstzunehmende Konkurrenz für uns? Auf welche Messen fährt unser Team und wie entdecken wir neue marken? Am Ende des Gesprächs sprachen wir noch über die Gemeinwohlökonomie-Bilanz (GWÖ), die wir hier bei zündstoff im vergangenen Jahr erstellt haben. Bald soll sie auf unserer Homepage zum Download zur Verfügung stehen und für diese Transparenz erhielten wir großes Lob von Kathrin Göring-Eckardt.

Sascha Klemz im Gespräch mit Katrin Göring-Eckhardt.

Bei Kaffee und Tee entspann sich also ein angeregtes Gespräch, das uns mit Sicherheit in schöner Erinnerung bleiben wird. Nachhaltige unf faire Unternehmen treten mit solch prominentem Interesse in jedem Fall verstärkt in die Öffentlichkeit und darüber können wir uns nur freuen. Vielen Dank also für diesen Besuch, Katrin Göring-Eckardt und wir fragen uns: Wann kommt denn eigentlich Martin Schulz vorbei?

Sascha Klemz, Katrin Göring-Eckardt und ein Teil des zündstoff-Teams! Foto: J. Albrecht

5 Fragen an …

…Stefanie Wyen von YOIQI!

Anfang letzter Woche habe ich Stefanie Wyen, die Desigerin von YOIQI, einem Freiburger Label für Yoga- und Leisure-Wear, getroffen und mit ihr ein interessantes Gespräch über das Label geführt, das sie zusammen mit Lothar Dubaschny und Alexander Brief gegründet hat.

Desigerin Stefanie Wyen über den Dächern von Kairo - natürlich im YOIQI Jumpsuit! Photo: xxx
Desigerin Stefanie Wyen über den Dächern von Kairo – natürlich im YOIQI Jumpsuit! Foto: Alexander Brief

1. Zu allererst, weil mich das interessiert und ich denke, auch unsere Leserinnen und Leser: Was bedeutet das Wort YOIQI und für was steht euer Label?

Also das Wort hat keine Bedeutung in dem Sinne. Wir wollten ein kurzes, prägnantes Wort als Namen für unser Label. Jeder kann darin sehen war er will. YOIQI steht für Yogakleidung und Leisure-Wear aus Biobaumwolle, die organisch angebaut wird und sich gut anfühlt. Es geht uns um das Gefühl, das man beim Tragen und Anfassen der Kleidung hat. Uns ist es wichtig, dass unter fairen und nachhaltigen Bedingungen produziert wird. Dass alles aus einer Hand kommt, ist ganz ausschlaggebend gewesen, uns für diese Produktionsstätte zu entscheiden. Die Baumwolle wird bei Sekem – einer ägyptischen Kulturinitiative –  angepflanzt, versponnen, verwoben, geht in den Zuschnitt und schließlich in die Produktion. Alles ist nur wenige Stunden voneinander entfernt. Das kannte ich vorher nicht aus der Modebranche, dass es das gibt und es so transparent ist.
YOIQI steht außerdem für Yogakleidung, die durchdacht ist. Vor allem in den Jumpsuits kann man Yoga praktizieren, ohne sich Gedanken über die Kleidung zu machen – weil alles sitzt und nichts verrutscht und man nicht ein T-Shirt versorgen muss, wenn man in den Handstand geht.

2. Meine zweite Frage kommt jetzt zu wie die Idee entstanden ist, dass ihr euch zu dritt zusammen tut, um dieses Label in Freiburg zu gründen. Du bist ja Designerin – da habe ich mich gefragt, ob die erste Impulssetzung dann auch tatsächlich von Dir kam.

Es gab verschiedene Impulse. Von mir kam der Impuls Yogakleidung zu designen. Die ersten Prototypen habe ich alleine entwickelt, bevor es YOIQI gab. Dann lag das Ganze aber ziemlich lange auf Eis, weil ich beruflich und privat mit anderen Dingen beschäftigt war. Gedanklich hatte ich mich schon fast davon verabschiedet, meine Yogakollektion zu verwirklichen. In dieser Zeit bin ich auch Mutter geworden und als meine Tochter schon ca. 3 Jahre alt war, sind Alex und Lothar auf mich zugekommen. Sie hatten die Idee, Kleidung aus sehr schönen, hochwertigen und angenehmen Materialien herzustellen, sozusagen Lieblingsstücke. Sie haben jemanden vom Fach gesucht, um ihre Vorstellungen umsetzen zu können. So kam eins zum anderen, meine Yogakollektion und die Ideen von Alex und Lothar.
Alex reist schon seit über 20 Jahren nach Ägypten und hat somit den Kontakt zu Sekem hergestellt. Drei Leute, die was mit Kleidung machen wollten oder schon gemacht haben und einer, der eben das Material und die Produktionsstätte aufgetan hat. Und, dass wir alle richtig Lust dazu hatten.

3. Es war quasi von Anfang an klar, dass euer Label öko-fair sein soll – weil sich das so gemeinsam entwickelt hat? Die Yogakleidung, dann der Impuls von den anderen beiden?

Nachdem Alex uns von Sekem berichtet hat, sind wir zu dritt nach Ägypten geflogen, um uns vor Ort ein Bild zu machen. Es hat einfach alles von Anfang an gepasst. Sekem produziert nur Biobaumwolle, die wird weiterverarbeitet und es entsteht somit Biobaumwoll-Jersey. Dadurch war klar: Es muss etwas mit Baumwolljersey werden. So sind wir wieder zu meiner Yogakollektion gekommen und weg von diesen Lieblingsteilen, weil wir wussten, für die Yogasachen brauchen wir eigentlich genau das. Da hat sich einfach der Weg aufgetan und es klar war: Das probiert man jetzt. Wir haben gar nicht weiter geschaut nach anderen Anbietern, waren auf keiner Messe, haben keine anderen Produktionen recherchiert. Da kam eins zum anderen. Wir haben einfach gesagt: Wir probieren es aus un dann ging es weiter, weiter, weiter.

Willst Du noch ein paar Worte zu diesem Modellprojekt Sekem sagen?

Sekem ist eine ägyptische Kulturinitiative, die vor 35 Jahren gegründet wurde und seit ca. 20 Jahren im Textilbereich arbeitet. Teilweise auch für sehr etablierte Unternehmen, wie z.B: People Wear Organic, was für uns ein großer Vertrauensbeweis war. Wenn es da so lange funktioniert, dann können wir das auch wagen. Sekem hat eigene Plantagen, allerdings werden Bauern auch geschult ökologisch anzubauen und ihnen garantiert, dass die Baumwolle zu einem guten Preis abgenommen wird. Es ist ein wunderschönes Areal voller Blumen und Pflanzen und quasi aus dem Nichts entstanden, vorher war da karge Wüste. Die Menschen haben dort so viel aufgebaut und so viele Arbeitsplätze geschaffen für die ägyptische Bevölkerung. Ein österreichisch-ägyptisches Paar hat das aufgebaut. Die Bedingungen sind fair und was auch sehr schön ist: Sekem hat nicht nur diese Textilproduktion. Sie produzieren Tees, Gewürze und medizinische Produkte au pflanzlicher Basis. Auf dem Firmengelände befindet sich auch ein Waldorfkindergarten, eine Waldorfschule, sogar eine kleine Universität für nachhaltiges Wirtschaften. Sie haben ein Krankenhaus auf dem Gelände. Die Arbeiter und die umliegenden Dörfer nutzen das sehr gerne und nehmen das sehr gut an. Es ist wie eine eigene, kleine Welt in Ägypten. Es ist sehr schön und macht sehr viel Spaß da zu arbeiten. Es ist alles transparent, wir dürfen uns dort frei bewegen mit Kamera, filmen, fotografieren. Da wird nichts kontrolliert. Wir können mit den Arbeitern sprechen und wir haben da immer eine sehr schöne, gute Zeit.

Auf dem Gelände von SEKEM, Photo:
Auf dem Gelände von Sekem, Foto: Alexander Brief

4. Dann würde ich jetzt zu eurem Team kommen. Deinen Hintergrund kenne ich, aber aus welchen Bereichen kommen die anderen beiden und wie ergänzt ihr euch dadurch auch im Team?

Ich habe in Pforzheim Modedesign studiert und bin dann nach dem Studium auch direkt Richtung Design von Sportbekleidung gegangen. Dem bin ich eigentlich auch immer treu geblieben – das Ästhetische mit dem Sinn, Zweck und Nutzen zu verbinden. Alex und Lothar sind seit Jahrzehnten Freunde und haben einfach schon mehrere Businesssachen miteinander gemacht. Lothar hat Dubsta, einen Getränkehändler gegründet, der heute unter dem Name Südstar aktiv ist. Alex ist dort später ebenfalls eingestiegen. Sie haben daher schon einmal Erfahrungen als Gründer von Unternehmer gemacht. Das war nicht das Einzige: Alex hat verschiedene kulturelle Projekte verwirklicht und auch das Café Wilhelm-Moltke eröffnet. Sie sind beide Menschen, die neugierig sind und auch bleiben. Wenn sie was interessiert, anfangen zu recherchieren und es dann wagen, die Dinge auch umzusetzen. Aber auf eine sehr angenehme Art und Weise. Was mir total gefällt und geholfen hat in dem Team ist, dass wir alles mit sehr viel Geduld angehen und sehr organisch wachsen lassen. Da konnte ich echt viel von den beiden und ihren unternehmerischen Fähigkeiten lernen.

5. Was wünscht ihr euch für euer Team und euer Label für das Label für das nächste Jahr?

Für unser Team wünschen wir uns weiterhin viel Freude, kreative Ideen und Spaß beim gemeinsamen Arbeiten. Unsere Kollektion würden wir gerne noch ausweiten –  definitiv mehr Farben und auch ganz klar Oberteile wären schön. Wir hoffen, dass die Menschen, die unsere Kleidung kaufen und tragen, sich darin wohlfühlen und wir weiterhin so positives Feedback bekommen – und wir diesen Standard auch halten können.

Vielen Dank für das Gespräch!

5 Fragen an…

…’Zusammen essen, denken, leben‘

Am vergangenen Montag habe ich Leo, Johanna und Sophia der Freiburger Initiative ‚Zusammen essen, denken, leben‘ im Sedan Café getroffen und ihnen ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt, das in diesem Herbst gegründet wurde.

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1. Ihr habt vor kurzem die Initiative ‚Zusammen essen, denken, leben – eine Plattform zum Kennenlernen für Geflüchtete und Stadtgesellschaft‘ ins Leben gerufen. Könnt ihr mir vielleicht kurz erzählen, was eure Initiative anbietet?

Johanna: Also uns geht es darum ein niedrigschwelliges Angebot, eine niedrigschwellige Struktur zu schaffen, dass sich Freiburger mit neu hier angekommenen Geflüchteten treffen. Eine Basis zu schaffen, mit ihnen in Kontakt zu treten. Unsere Zielgruppe sind die Freiburger, die vielleicht nicht die Zeit haben pro Woche drei Stunden Sprachkurs zu geben, die sich aber trotzdem mit diesen Menschen treffen wollen, sie kennenlernen wollen und dafür haben wir die Plattform ‚Zusammen essen, denken, leben‘ ins Leben gerufen. Dort können Freiburger verschiedene Einladungen posten – und zwar genau in dem Format, in dem sie das wollen. Ob das ein morgendlicher Brunch für zwei Personen ist, eine abendliche Party für zehn Leute, ein kleiner Spaziergang in der Stadt, oder mit einer Familie mit Kindern ein Spielplatzbesuch. Es ist sozusagen die Möglichkeit das anzubieten, was man im Alltag eh macht und es zu öffnen für die Leute, die neu hier angekommen sind.

2. Dieses Jahr haben wir einen der größten Flüchtlingsströme in Europa – seit den Balkankriegen in den 90er Jahren. Entstand auch im Zuge dessen eure Idee, oder habt ihr euch schon länger mit dem Gedanken getragen eine solche Initiative zu gründen?

Sophia: Ich glaube da kommen wir alle aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die das ganz unterschiedlich wahrgenommen haben. Aber dass wir jetzt zu dem Zeitpunkt gerade zusammengefunden haben, ist auf jeden Fall ein Resultat des erneuten, ganz offensichtlichen Zustroms. Dazu kommt, dass jeder von uns seit einer gewissen Zeit damit Erfahrungen gemacht hat und Leute kennt und begleitet hat, die versuchen sich auf den Weg zu machen oder auch schon hier angekommen sind. Aber dass es jetzt gerade passiert und dieser Verein gegründet worden ist, und dass wir uns jetzt so krass engagieren, ist natürlich, weil es jetzt so ein Thema ist. Die Leute sind ja nicht mehr zu übersehen, sie sind ja nicht mehr wegzudenken. Auch das Thema ist aus den gesellschaftlichen Gesprächen nicht mehr wegzudenken – und schreit ja nach Lösungen.

Johanna: Ich glaube dieses Schlagwort ‚Sichtbarkeit‘ ist ein total zentraler Moment – auch in der Freiburger Flüchtlingshilfe. Dass es einfach ein großes Bedürfniss gibt sich anzudocken, sich zu engagieren, zu helfen und wir uns einfach als Strukturgeber verstehen. Dass wir einfach so eine Funktion als Vermittler einnehmen wollen. Dadurch, dass die Geflüchteten nun langsam in Freiburg ankommen und Raum einnehmen war für uns der springende Punkt, hier was zu machen.

3. Du hattest es gerade schon angesprochen in deiner Antwort, Sophia, dass ihr alle irgendwie mit diesem Thema zu tun hattet – auf die ein oder andere Art. Daran schließt auch meine nächste Frage an: Die Frage nach euch, den Menschen hinter diesem Projekt. Welche Hintergründe habt ihr jeweils? Gab es da bereits ehrenamtliches Engagement oder auch eine bestimmte berufliche Tätigkeit mit sehr viel Kontakt zu Geflüchteten?

Leo: Wir sind ungefähr 16 Leute und alle haben verschiedene Hintergründe. Ich bin Umweltingenieurin, Johanna beschäftigt sich mit Theater, Sophia mit Arabisch, Jan ist Musiker. Wir haben auch Übersetzer, Krankenpfleger, eine zukünftige Lehrerin und Studenten in unserem Team. Es ist wirklich eine große Mischung von Menschen. Ein paar von uns kannten sich schon und dann haben wir zusammen über die Situation diskutiert und darüber, etwas konkret in Freiburg zu machen. Wir haben als sehr kleine Gruppe angefangen. Ich hatte in diesem Sommer schon etwas Erfahrung gesammelt, als ich in Dresden in einem Haus zusammen mit Flüchtlingen gewohnt habe. Und ich habe auch am Willkommensfest in Dresden teilgenommen.

Sophia: Ich bin Islamwissenschaftlerin und ich habe im Zuge meines Studiums auch eine Weile in Damaskus und Syrien gelebt und deswegen war es für mich eigentlich schon seit Jahren Thema. Seit die Demonstrationen in Syrien so gewaltsam niedergeschossen worden sind und sich daraus dieser Bürgerkrieg entwickelt hat, waren natürlich Freunde von mir unmittelbar betroffen. Wir haben eigentlich schon seit Jahren versucht, einen legalen Weg nach Deutschland zu finden. Wir haben wirklich alles Mögliche versucht. Dann kam irgendwann die Nachricht, dass einer meiner Freunde sich schon auf der Flucht befindet. Er war zu diesem Zeitpunkt schon in Griechenland. Ich bin also schon etwas länger und auch immer sehr persönlich involviert gewesen.

4. Zum Projekt selber: Du hattest darüber ja schon bei der ersten Frage gesprochen, Johanna. Wie sind denn bis jetzt die Reaktionen? Es ist ja schließlich ganz neu: Ihr seid seit ca. 3-4 Wochen mit eurer Homepage online. Man kann sich seitdem mit einem kleinen Profil und einem Angebot eintragen und Gäste finden. Wie ist bis jetzt der Rücklauf, wie wird das Angebot angenommen?

Leo: Ich würde sagen sehr positiv. Wir haben uns die erste Woche auf Gastgeber fokussiert und waren sehr beschäftigt mit der Website. Und nun sind wir in einer zweiten Phase, in der wir zu verschiedenen Sprachschulen und Heimen gehen, um Gäste zu finden. Das ist sehr interessant und macht viel Spaß. Es ist auch eine Challenge – es gibt Leute, die wenig Deutsch können.

5. Zum Abschluss die Frage: Was wünscht ihr euch für das Jahr 2016 für euer Projekt?

Johanna: Ich glaube eine Konsolidierung, erst mal. Unsere Idee dahinter war, dass es diese Vermittlerfunktion dahinter langfristig nicht mehr braucht. Das war total klar. Es braucht extrem viel Aktivierungsenergie am Anfang beide Zielgruppen darauf aufmerksam zu machen und eine Routine reinzubringen, dass sie dem Label vertrauen und es genutzt wird. Ich wünsche mir für 2016, dass wir uns immer mehr zurückziehen können, weil beide Zielgruppen darüber Bescheid wissen, gute Formate und Einladungen finden, wo beide Seiten glücklich sind und sich daraus irgendetwas entwickelt.

Sophia: Momentan haben wir ja noch ganz klar ein Gastgeber- und Gästeprofil, aber wenn sich dann die ersten Leute, die jetzt kommen niederlassen können und wissen, dass sie länger da sind, hätten wir gerne, dass es eine ebenbürtigere Geschichte wird, als jetzt aus der Not oder Notwendigkeit heraus – wo man wirklich nur alteingesessene Freiburger ansprechen kann. Sondern dann auch Neugekommene Gastgeber-Angebote einstellen können.

Leo: Ich würde mir für 2016 wünschen, dass wir das auf die Region ausweiten können.

Johanna: Oder in andere deutsche Städte. Wenn es Menschen gibt, die von dieser Website hören: Jeder ist eingeladen, das in einer anderen Stadt auch zu machen. Man braucht am Anfang einfach viel Aktivierungsenergie, es braucht ein kleines Team von Leuten, das sich darum kümmert, dass diese beiden Zielgruppen darüber Bescheid wissen.

Vielen lieben Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt!

Hinweis: Wenn Du möchtest, kannst Du selber Gastgeber*in werden und ein Profil sowie ein Angebot auf der Seite einstellen. Sehr gefragt sind übrigens auch immer Menschen, die gerne Brettspiele wie Backgammon oder Schach spielen.

Nach einem Besuch in Pakistan: Caren Lay im Interview (Bundestagsabgeordnete)

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Caren Lay mit Aslam Walfa, dem Generalssekretär einer pakistanischen Gewerkschaft

1. Wie war Ihr erster Eindruck von den Textilfabriken, die Sie in Pakistan besucht haben? Wie war Ihr Gesamteindruck?

Wir haben insgesamt zwei Fabriken besucht. Davon eine in der nun auch KIK produziert. Die Firma also, die zuvor in de Fabrik Ali Enterprise produzieren ließ, in der bei einem Brand 260 Menschen starben. Angeblich waren Türen und Fenster verschlossen, aus Angst die Beschäftigten könnten eine Jeanshose stehlen. So waren die Fluchtwege verschlossen. Wenn das stimmt, wäre es fatal.

Die beiden besuchten Firmen waren registrierte Firmen aus dem formellen Sektor, also eher die Ausnahmen. Nur Schätzungsweise 10% der pakistanischen Firmen sind registriert. Der Großteil der Produktionen in Pakistan findet bei Subunternehmen oder im informellen Sektor, sprich in Heimarbeit, statt.

Bei den beiden besuchten Firmen gab es aus unsere Sicht nichts zu beanstanden, aber sie sind, wie gesagt, nicht repräsentativ. Vertreter von KiK sind extra aus Deutschland angereist.

Mir war klar, dass wir auf dieser Reise keine der zahlreichen unregistrierten Firmen, in denen Subunternehmer produzieren lassen, zu Gesicht bekommen. Und natürlich erst recht keine Heimarbeit sehen werden, in der v.a. Frauen, angeblich auch Kinder, arbeiten. Wir haben einen Musterbetrieb besucht, der nicht repräsentativ sein muss. Trotzdem ist es wichtig, dass Abgeordnetendelegationen sich Produktionsstätten ansehen, damit die deutschen Firmen aber auch die Fabrikbesitzer vor Ort lernen, dass es nicht egal ist, unter welchen Bedingungen sie produzieren lassen. Damit zeigen wir: Wir schauen hin, es ist uns nicht egal, unter welchen Bedingungen produziert wird. Das hat für alle Beteiligten eine „pädagogische“ Wirkung.

2. Gibt es in der besichtigten Produktionsstätte bereits Maßnahmen für eine verantwortungsvolle Produktion nach bestimmten Standards? Werden diese Standards kontrolliert?

Es gab überall Tafeln mit Brandschutzanweisungen, Notausgängen und Informationen zum Arbeitnehmerschutz und Arbeitnehmerrechte. Die Angestellten trugen alle Gehör- und Mundschutz. Trotzdem wurde ich die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass hier etwas einstudiert wurde. Kontrolliert werden die Produktionsstätten durch private Zertifizierer, die häufig nicht glaubwürdig sind. Es gibt keine oder nur unzureichende öffentliche Aufsicht. Die Ali Enterprise-Fabrik war auch zertifiziert – von einer Firma, die für ihre Gefälligkeitsgutachten bekannt ist! Die schrecklichen Folgen kennen wir.

Die Kontrolle ist das entscheidende Problem. Welche Produktionsstätten werden überhaupt kontrolliert? Werden Mindestlöhne ausgezahlt et.pp. Es gibt so gut wie keine offiziellen Kontrollen. Da können auf Druck der EU die Arbeitsgesetze verbessert werden wie sie wollen, solange es den informellen Sektor und keine öffentliche Kontrolle gibt, nutzt das garnichts…

3. Übernehmen die Hersteller dort Mitverantwortung für die Produktion? Sind Verantwortliche dauerhaft vor Ort?

KIK streitet die Mitverantwortung für das Geschehen ab. Bis heute warten die Angehörigen der Opfer auf eine angemessene Entschädigung. Soweit ich weiß haben deutsche oder auch andere westliche Firmen keine dauerhafte eigene Präsenz.

4. Was ist Ihre persönliche Ansicht im Hinblick auf die Siegel in der Textilindustrie? Was spricht Ihrer Meinung nach gegen die Weiterentwicklung eines bereits bestehenden und verbreiteten Siegels (wie zum Beispiel GOTS)?

Siegel wie das GOTS-Siegel bieten unter den gegenwärtigen Verhältnissen bewussten Verbraucherinnen und Verbrauchern einen Wegweiser, insbesondere im Bereich Umweltstandards. Der Königsweg ist dies aber nicht, denn letztendlich heißt das ja im Umkehrschluss (insbesondere für die Sozialstandards), dass Produkte die unterhalb das Standards produziert werden, und die Mehrheit sind, trotzdem gehandelt und importiert werden dürfen. Da muss man eigentlich ansetzen. Hohe Standards für alle und nicht nur in einem spezifischen Segment muss der Ansatz sein.

5. Wie bewerten Sie die Debatte über die Initiative „Siegelklarheit“ der Bundesregierung? Die nachhaltige Textilbranche übt zum Teil heftige Kritik an der Bewertung einiger dort für gut empfundener Siegel. Herrscht innerhalb der Bundesregierung denn die nötige „Siegelklarheit“?

Die Kritik kann ich nachvollziehen. Anstatt konkrete Verbesserungen, zum Beispiel durch Gesetze, zu erwirken, soll ein Internetportal aufgebaut werden, auf dem sich Verbraucherinnen und Verbraucher informieren sollen. Das kennen wir aus anderen Bereichen von der Bundesregierung: Da wird das Schlagwort „Transparenz“ und „Eigenverantwortung“ oder „Selbstverpflichtung“ in den Raum gestellt und die Verantwortung auf die Kundinnen und Kunden abgewälzt, anstatt das Problem anzugehen.

Insgesamt ist das von Gerd Müller vorgestellte Paket zur Sicherung der Umwelt- und Sozialstandards in der Warenproduktion eine PR-Show. Wenn er wirklich etwas für die TextilarbeiterInnen im globalen Süden tun will, dann sollte er ich für ein Unternehmensstrafrecht einsetzen, das unmissverständlich klarstellt: Deutsche Firmen, die im Ausland produzieren lassen, sind für die Produktionsbedingungen vor Ort mitverantwortlich. Aber darum drückt sich die Bundesregierung.

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Caren Lay und pakistanische Frauen, die bei einem Brand in einer Textilfabrik Angehörige verloren haben und für eine Entschädigung kämpfen

 

5 Fragen an Mareike Ulman von format…

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1. Spielte der Begriff „fair fashion“ bereits bei der Gründung von format im Jahr 2008 eine Rolle?

Absolut. Nachdem ich im Studium zur Modedesignerin erstmals mit konventioneller Massen-Modeproduktion konfrontiert wurde und dabei erschrocken war, wie die meisten Bekleidungsstücke hergestellt werden, wollte ich als Produktentwicklerin meiner Verantwortung gerecht werden und dabei einen anderen Weg gehen.

 

2. Wie wird der fair & organic Anspruch bei format aktuell umgesetzt?

Wir kaufen unsere Stoffe von Firmen, die GOTS-zertifiziert sind und lassen in kleinen Werkstätten in Berlin und Polen, die wir ganz genau kennen und nach deren Mitarbeiterstrukturen (Verträge, Urlaub, Entscheidungsfreiheit) befragen, nähen.

3. Erschwert oder erleichtert der „Ökostempel“ das Heranwachsen eines kleinen Modelabels? Macht es heutzutage überhaupt noch einen großen Unterschied?

Ich habe von Anfang an versucht, Stempeln jeder Art aus dem Weg zu gehen, so öko & fair wie möglich ist bei uns ein wichtiges Prinzip durch alle Arbeitsgänge, aber ich freue mich gerade, die Klischee-Erwartungen nicht erfüllen zu müssen.

Mittlerweile ist öko auch „in“, anders als 2008, also kann man sich damit natürlich auch irgendwie in den Mittelgrund rücken, wenn man möchte.

4. Dein Design ist von Minimalismus geprägt – was reizt dich daran?

Ich finde generell Produkte in allen Lebenslagen am spannendsten, wenn sie mit dem kleinsten Aufwand den bestmöglichen Nutzen und die anziehendste Gestalt bekommen. Ausserdem gilt für Kleidung meiner Meinung nach, dass die Teile minimal gestaltet am langlebigsten sind, d.h. auch dabei kommt dann ein + für die Nachhaltigkeit zustande.

5. Passt Berlin zu eurem Stil oder passt euer Stil zu Berlin? Steht das eine mit anderen im Zusammenhang?

Ich glaube schon. Alle bei format leben hier in Berlin schon eine Weile und mögen die Stadt sehr gerne. Ich habe zu wenig Vergleiche, wie wir anders wären, wenn wir woanders wären.

 

Hier findet ihr Produkte von format in unserem Shop….

5 Fragen an…

…Tony Tonnaer, CEO und Gründer von K.O.I. – Kings Of Indigo. Bevor der Niederländer, der schon lange im Denim-Bereich arbeitet, K.O.I. gründete, war er Chef bei Kuychi. Wir haben 5 Fragen an ihn:

Tony, please let us know: Why is denim your favorite material?

TT: I have been working 17 years with denim and indigo, and I love how you can get so much out of this fabric. A pair of jeans seems so simple, but so many aspects are needed to make the perfect pair. A good pattern, proper constructions, quality trims and lots of variety in indigo colours in fabric and washes. The possibilities just never end. That gives a lot of inspiration, motivation and innovation.
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You’ve been CEO of Kuyichi and are the founder of K.O.I., so you have been or are working with two of the biggest European Ethical Fashion Brands. What do you think, from your experience, is most important to make Ethical Fashion successful?

TT: The most important is to make a quality product while taking care of the environment in a smart way. The jeans have to feel great, fit well and look amazing, just like conventional jeans. The key to success is to keep improving on product, communication and service. Create from the heart, while looking at the consumer and retailer, then bring these 2 together.

There’s a long history of activism for better working conditions in the textile industry in the Netherlands. The Clean Clothes Campaign has been founded there, as a reaction to protests against C&A, and Organisations like FairWearFoundation or MadeBy are based there as well. Do you think that the Dutch Public is very aware of these issues? Are the Netherlands a particularly good country for selling Organic and Fair Fashion?

TT: The Dutch always have been traders and looking for how to cater the right product in denim and fashion to the market, conventional and sustainable. As the Dutch travel a lot they also like to create a proper life for the partners who make the product these days, other than 3 centuries ago, when we exploited the third world countries by getting their workforce and resources. To be honest, I think the German consumer is more open to ethical fashion and to buying a honest and quality product than the Dutch. But the demand for these kind of ethical and cool products it is slowly getting stronger. There is no way back.
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In terms of making Ethical Fashion more mainstream, what do you think is the way to go: to convince the big brands and retailers to be more sustainable, or try and make existing Ethical Fashion Brands bigger to compete with the mainstream brands?

TT: I think most big brands are already working on making production more sustainable, so I think the whole industry will have to change. This will happen, but it takes time as the big companies need more time to change. For smaller brands like us it’s a bit easier, although being small brings other challenges. For example it is hard to produce small quantities sustainable and affordable, due to minimums in buying organic and recycled fabrics and in production lines.

Concerning the Ethical Fashion movement, a lot has happened in the past 10 years. How do you think will the market for Ethical Fashion look like 10 years from now?
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TT: 10 years ago when I started at Kuyichi, there were not many consumers, retailers and factories interested. Now most stakeholders are aware, but the change is unavoidable. In 10 years I hope there will be a good manmade fibre alternative to cotton with very similar aesthetics and comfort. That will help to clean up the pollution in cotton growing. I think the manufacturing will come closer and closer to the countries where the product is being sold, so more European brands will ore denim to Turkey, Tunisia, Marocco, Italy, Portugal and Eastern Europe. Easier to control and to manage, close to the markets. In washing there is already a big development in laser-ozone washes with hardly any chemicals, water and less energy, in 10 years most washes will be done with that technique or another innovative technique. Consumers will be even more aware what they buy and from whom.

Hier findet ihr alle K.O.I.-Produkte, die wir im Shop haben.

 

5 Fragen an…

…Bernd Hausmann, Inhaber des Nürnberger Ecofashion Stores glore.

Bernd, erstmal die Standard-Händler-Frage: wie läuft denn der Laden so?

gloreshop4Wir sind mit der Entwicklung von glore in den jeweiligen Städten zufrieden und fühlen uns wohl wo wir sind. Vor Weihnachten wollen wir den Re-Launch unserer Webseite endlich am Start haben und freuen uns auf den neuen Shop.

Und was ist denn dein aktuelles Lieblingsteil aus deinem Laden?

Die Jeans Tube Tom von Nudie! Ich trage sie fast täglich.

 Wie bist du eigentlich darauf gekommen, einen Ecofashion-Laden zu eröffnen? Hast du vorher schon in der Modebranche gearbeitet?

Nein habe ich nicht. Vorher war ich 7 Jahre lang Sozialarbeiter und musste mich erst einarbeiten. Die Idee zu glore kam mir als ich selbst auf der Suche nach fairer und ökologischer Kleidung war. Nachdem ich mich intensiver mit der Textilindustrie beschäfftigt hatte und gesehen habe wie oft in der Branche Menschenrechte verletzt und die Natur zerstört wird, wollte ich dieses System nicht mehr unterstützen. Leider gab es zum damaligen Zeitpunkt kaum Alternativen. Als ich nach langer Suche endlich coole Labels gefunden habe, konnte ich die nicht in Deutschland kaufen. Da kam ich auf die Idee einen Green Concept Store zu eröffnen. Damals gab es in Deutschland noch keine grüne Modeläden, wo jüngere Labels verkauft wurden.

Du hast ja jetzt schon seit vielen Jahren einen Laden in Innenstadtlage. Dadurch ist die Kundschaft wahrscheinlich recht bunt gemischt. Kannst du das so einschätzen: wie groß ist der Anteil an „Überzeugungstätern“ unter deinen KundInnen , also Menschen, die gezielt nach ökofairen Klamotten suchen? Und wie groß der an Laufkundschaft, die vielleicht aus Neugier mal reinschaut und sich vom Angebot überzeugen lässt, ohne großen Wert auf den Hintergrund zu legen? Und hat sich da das Verhältnis im Laufe der Zeit vielleicht verschoben?

gloreshop3Ich finde die Frage sehr schwer zu beantworten. Da ich nicht jeden Kunden danach frage, ob er aus Überzeugung bei uns kauft kann ich keine genauen Zahlen nennen. Natürlich erkenne ich manche Überzeugungstäter auf den ersten Blick, aber da ich mich schon so oft getäuscht habe, halte ich mich mit Schätzungen zurück.

Außer der konsequenten Auswahl der Produkte nach ökologischen, sozialen und Stil-Kriterien: gibt es etwas, das deiner Meinung nach einen Ecofashion-Laden auszeichnen sollte?

Natürlich sollten sie Ökostrom verwenden und ihr Geld auf ethische Banken tragen, aber das ist unter den meisten Händlern üblich. Bei „korrekte Klamotten“ habe ich mit einigen Händler (Euch zum Beispiel) einen Kodex erarbeitet, den ich sehr gut finde.

Was mich stört in der Branche sind Menschen, die in der grünen Mode einen neuen Markt sehen und aus reinen Renditeinteresse mitmachen wollen. Leider spült es da immer mehr in das Segment. Für mich ist die grüne Mode ein kleiner Teil einer ökologischeren und menschenfreundlicheren Welt. Mit nachhaltigen Konsum lässt sich das nicht erreichen, aber wer nicht versucht sein Konsumverhalten zu ändern, der widerspricht sich selbst.

5 Fragen an…

…Jeanette Bruneau Rossow von treches.

In loser Folge möchten wir hier Menschen aus der Ecofashion-Szene zu Wort kommen lassen. Den Anfang macht Jeanette, Gründerin des Berliner Labels treches. Das Interview:

Mal so ganz allgemein: was findest du eigentlich spannend an Mode und Design?TrechesPostcardsPreview

Ich finde Selbstdarstellung sehr spannend, wie wir unser Inneres durch Kleidung, Haarschnitt usw. zeigen und auch die Zugehörigkeit zu Gruppen o.ä. nach außen tragen. Es fasziniert mich sehr wie Symbole und Details in der Kleidung gewisse Haltungen kommunizieren wie z.b Schultermanschetten versus Borten und Schleifen, und ich nehme gerne solche typischen Symbole auf und spiele mit ihrer Bedeutung.

Als Modelabel/kleine Firma hat man wohl begrenzten Einfluss aber wir sind gerne ein gutes Beispiel dafür wie Firmen solidarischer auftreten können und tragen gerne dazu bei, dass es trendig wird, sich zu kümmern. Treches und alle anderen grünen Modelabel (und andere ethische start-ups) haben gemeinsam eine Chance eine neue Mentalität zu verbreiten, wo es cool ist auf seine Umwelt und Mitmenschen achtzugeben.

Du bist von Oslo nach Berlin gezogen und hast dort dann dein Label gegründet. Hat die Stadt großen Einfluß auf den Style von treches? Oder, andersherum, würdest du sagen der treches-Style ist irgendwie „typisch“ für Berlin?

Ich glaube Treches‘ Stil ist eine Konsequenz davon, dass ich in Berlin lebe, weil ich von Leuten um mich herum inspiriert werde. Ausserdem fühle ich mich sehr angezogen von simplen geometrischen Formen, schlaue Lösungen in Schnitten (um z.B Verschnitt zu verhindern oder Formen zu erschaffen) und vor allem suche ich nach einer ästhetischen Balance zwischen den Farben und Formen. Es scheint, als ob es typisch für Berliner Designer ist, dass man seine eigenen Einflüsse mit einer gewissen Berliner Lässigkeit kombiniert. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Treches-Style ist sicher auch der Einfluss den die DIY Szene auf mich hat.

Würdest du treches als feministisches Label bezeichnen? Inwieweit lassen sich feministische Haltungen überhaupt über Mode transportieren?

261-peakMeine 2 Mitarbeiterinnen und ich nennen uns Feministinnen, und wir sind gegen jede Art von Unterdrückung und Diskriminierung. Bei meinen Designs versuche ich die Geschlechterrollen zu vervielfältigen und will Menschen inspirieren, sich zu trauen mit femininen/maskulinen Symbolen und Attributen zu spielen. Sehr gerne würde ich alle unsere Kleidungstücke „Unisex“ nennen, aber wegen unterschiedlicher Körperaufmachung teilen wir die Kollektionen nach normativen Männer- oder Frauen- Körpern ein. Wir haben aber viele androgyne Teile die jedem Geschlecht stehen könnten.

Du hast treches von Beginn an als ethisches Labels gestartet, das mit ökologischen und Fairtrade-Materialien arbeitet. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Bevor ich Treches‘ im Jahr 2008 gestartet habe, nähte ich Kleidung in Kleinstserien um sie auf Wochenendemärkten zu verkaufen. Ethisches miteinander war mir immer wichtig und als die Menge an Stoffen die ich benötigte wuchs, ist mir aufgefallen wie auch ich dazu auch beitrage umweltschädliche Stoffe und unethische Arbeitsverhältnisse durch meine Produktion zu unterstützen. Dabei wollte ich nicht mitmachen und so habe ich meine ersten ökologischen, fairen Stoffrollen bestellt. Ich habe mich aus Überzeugung entschieden in Deutschland zu produzieren, da ich mir wünsche, daß in dem Land, in dem die Kleidung produziert wird, die Menschen, welche dort leben sich auch die Sachen leisten können. Für mich ist Fairtrade ein wichtiges Mittel um Ungerechtigkeit in der Welt zu bekämpfen aber noch lange nicht die endgültige Lösung. Ich denke, wenn alle Firmen etwas dazu beisteuern die Situation in den Produktionsländern zu verbessern, würden wir einen großen Schritt vorankommen. Mit Treches wollte ich beweisen, dass einheimische Produktion möglich ist. Jetzt arbeiten 2 Schneiderinnen und ich, plus die kleine Produktionsstelle Wergo in Berlin in der Treches Produktion.

Würdest du sagen, daß die Entscheidung, konsequent mit ökologischen Materialien zu arbeiten, die Umsetzung deiner Ideen und Designs erschwert? Haben konventionelle Labels es deiner Meinung nach leichter?

Ich bin oft neidisch auf konventionelle Designer, aber ich weiß daß der Treches-typische Stil sich so entwickelt hat gerade wegen des kleinen Angebots an Stoffen und Zutaten. Mit hochwertigen aber langweiligen Baumwoll-Stoffen ist die Herausforderung für den Designer grösser und ich habe die durch z.B. Patchwork-Technik, der Arbeit mit geometrischen Formen und Kontrasten sowie Dekonstruktion der Schnitte gelöst.

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Hier findet ihr unsere Auswahl von treches-Produkten in unserem Shop.