ZDF-Reportage zu (un-)fairer Kleidung

Nach den letzten Unglücken in Bangladesch wurde das Thema Kleidungsproduktion ja bereits in den meisten Medien aufgegfriffen, vorgestern hat auch das ZDF eine kurze Reportage im Frühstücksfernsehen, inklusive eines Interviews mit Christiane Schnura von der Kampagne für Saubere Kleidung, gesendet.


Wer sich schon ein wenig mehr mit diesem Thema beschäftigt hat, wird nicht viel neue Infos bekommen: die Arbeitsbedingungen in Bangladesch sind katastrophal, die VerkäuferInnen der großen Einzelhandelsketten können keine Auskunft über Produktionsbedingungen geben oder beschwichtigen die KundInnen. Und außerdem drückt sich die Reportage vor den wirklich wichtigen Zusammenhängen:  dass nämlich die Nachfrage (und das Ankurbeln dieser) nach immer billigeren und immer trendigeren Klamotten die globale Abwärts-Preisspirale erst in Gang gesetzt hat und immer weiter antreibt. Dass es fast billiger geworden ist, sich eine neue Jeans zu kaufen als die alte zu reparieren. Oder dass sich die großen Markenunternehmen und Einzelhandelsketten mit dem Verweis auf ihre Lieferanten aus der Verantwortung ziehen, und es endlich politische Rahmenbedingungen geben müsste, die die Einhaltung von Arbeitsstandards auch im Ausland einfordert und kontrolliert.

Auf der positiven Seite wäre zu verbuchen: das Thema wird überhaupt mal in den Medien aufgegriffen, und Frau Schnura von der CCC liefert einen kurzen Überblick über wichtige Labels und Ökostandards. Hoffen wir mal dass das reicht um den einen oder anderen zum Umdenken zu bewegen.

Spannendes Experiment zum Thema „bewusst“ einkaufen


Da das Ganze schon ein paar Monate alt ist, haben bestimmt schon einige davon gehört:

Im Rahmen der Kampagne „Öko & Fair – ernährt mehr“ von Naturland und dem Weltladen Dachverband fand vor einigen Monaten eine Guerilla-Aktion auf einem deutschen Wochenmarkt statt, aus der ein Film entstand, der den ein oder anderen sicher ein bisschen sprachlos macht.

Zwei sympathische Jungs, ein paar Klauseln wie „kontrollierter Anbau“ oder „Faire Preise“ und viele Kunden sind von der angeblichen Wahrheit (Kinderarbeit, Ausbeutung, Massentierhaltung etc.) der angebotenen extrem billigen Produkte sichtlich unbeeindruckt. Der Film wirft dabei  die Frage auf, ob ein günstiger Preis wirklich so sehr ins Gewicht fällt, dass alles andere egal scheint? Würde sich das Kaufverhalten womöglich gar nicht so sehr ändern, auch wenn volle Transparenz für Billigprodukte vorhanden wäre?

Zum anderen stellt er an jeden Einzelnen die Frage: Wie sehr wird man beeinflusst von ein paar Worten und Bildern, oder einer bestimmten Aufmachung, die eigentlich nichts zu bedeuten hat, obwohl man eigentlich „bewusst“ einkauft?