Nachhaltig schenken

Es weihnachtet – und los geht die Geschenkekauferei.

weihnachtsshopping

Was eigentlich ein schöner Gedanke ist – sich beschenken – artet manchmal in 5 vor 12 Notkäufe aus, die womöglich bald schon wieder im Müll landen.

Doch was tun, wenn Weihnachten in zwei Wochen dann so plötzlich da ist, dass man nur noch in das ortsansässige Riesenkaufhaus gehen kann, weil es für einen Onlineversand oder die Fahrt zu verschiedenen lokalen Läden nicht mehr reicht?

Wenn man dann noch ökologisch und nachhaltig einkaufen will, wird’s schwierig. Und dann bleibt manchmal nichts anderes übrig, als alle Prinzipien von wegen fair und bio über Bord zu werfen und wild darauf los zu konsumieren – egal was und wo. Zumindest ich muss das aus eigener Erfahrung zugeben.

Dabei ist es doch gerade die Weihnachtszeit, in der Menschen eigentlich den Anderen etwas Gutes tun wollen, jemanden glücklich machen wollen und deshalb auch oft für wohltätige Zwecke spenden. Ziemlich paradox, panisch Dinge zu kaufen, die mitverantwortlich sind für Schicksale in anderen Teilen der Welt, wohin man eventuell zur gleichen Zeit spendet. Ein bisschen erinnert mich das, wenn man weiter darüber nachdenkt, an die CO2 Ausgleichsmaßnahmen, für die man im Flugzeug spenden kann. Allerdings gibt es bei Weihnachtsgeschenken wirklich genug Möglichkeiten so zu handeln, dass die Geschenke an sich schon nachhaltig sind ohne weitere Ausgleichsmaßnahmen. Und spenden kann man dann natürlich immer noch, denn nachhaltige Geschenke sind meist auch noch die günstigere Variante!

Meine persönlichen Top 3 in Sachen nachhaltige Geschenkideen:

  1. recyceln, basteln, backen→ aus alten Büchern, Platten, Glühbirnen, Bildern, Klamotten lassen sich auch in kurzer Zeit tolle Sachen machen, Inspiration gibt’s genug im Netz
  2. Abo, Gutscheine oder Patenschaften → Zeitschrift-Abo (Greenpeace, enorm, Kochen ohne Knochen etc.), Gutscheine von öko & fairen Läden, sowie Patenschaften bei sozialen Projekten oder zum Beispiel der Arche Warder
  3. Zeit → damit kann man in allen Varianten und Formen vielen eine Freude machen und tut garantiert keinem weh!

 

Macht Werbung „faul“?

In den Medien der letzten Monate ging es oft um faire Kleidung und immer hieß es: „Wie kann der Verbraucher/ die Verbraucherin wissen, was fair ist? Und wo findet man faire Kleidung?“.

Dies ist eine durchaus berechtigte Frage. Denn wenn man in großen Kaufhäusern danach sucht, kann das sicherlich sehr kompliziert werden.

Allerdings frage ich mich, ob all die Talkshow-Kandidaten und Moderatoren sich überhaupt ein mal die Mühe gemacht haben, vor einer solchen Diskussion ein bisschen zu recherchieren. Schließlich sollte man doch meinen, dass jeder immer und überall alles nachgucken kann, warum also nicht mal faire Kleidung „googeln“?

Denn wer sucht, der wird auch fündig. Um auf das GOTS-Siegel zu stoßen oder verschiedenste Online-Shops / Marken / Läden mit einem dementsprechenden Angebot bedarf es keinen besonderen Fähigkeiten außer ein bisschen Neugierde beim Suchen.

Und trotzdem schien genau das laut vielen Diskussionen das Problem zu sein: Es gäbe keine Siegel und die VerbraucherInnen wüssten nicht, wo man faire Kleidung findet.

Natürlich ist es ein bisschen kompliziert, denn man muss sich aktiv darum bemühen, aktiv suchen, sich selbst eine Meinung über eine Marke oder einen Shop bilden, um abzuwägen, wem man sein Vertrauen schenkt und wem nicht. Niemand sagt mir in der Werbepause: „Kaufen Sie jetzt fair & bio bei xy-Shop, denn uns kann man vertrauen!“. (Außer vielleicht bald H&M mit einer neuen PR-Kampagne).

werbung

Nach den Ereignissen in Bangladesch hören die KonsumentInnen, dass sie vieles nicht mehr kaufen sollen, was sie kennen und in der Werbung sehen, aber bekommen keine Alternative vor die Nase gesetzt. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach einfach: Das Werbebudget in der fair&bio – Branche ist nach wie vor sehr gering, schließlich zahlt man ja sowieso schon mehr für ein T-Shirt, wer will da noch Geld für Werbung draufzahlen?

Schade nur, dass wir anscheinend verlernt haben, uns selbst zu überlegen, was wir haben möchten und warum, weil Werbung das schon für uns bestimmt. Und wenn uns keiner via Werbung über das Nonplusultra aufklärt, sind wir überfordert und wissen nicht was tun.

Bleibt die Frage: Raubt Werbung uns die Neugierde und macht uns schlicht und einfach ein bisschen faul?

 

Anstoß zu einer kleinen Revolution in der IT-Branche?

 

Seit dieser Woche steht es fest: Das Fairphone geht in Produktion.

Zugegebenermaßen war ich anfangs ziemlich skeptisch: Wie ist es möglich, dass plötzlich ein Smartphone „fair“ sein soll, wo sich die faire IT-Branche bis jetzt meines Wissens auf eine simple Maus beschränkte – und selbst diese ist „nur“ zu zwei Dritteln fair. Und tatsächlich ist ein komplettes Smartphone nach Fair Trade – Standards zum jetztigen Zeitpunkt alles Andere als realistisch, aber dies behauptet das „Fairphone“ auch nicht (auch wenn der Name dies vielleicht meinen sollte). Es geht viel mehr um Ziele und den Versuch ein Umdenken zu starten und zu zeigen, dass es selbst in der IT-Branche eine Möglichkeit geben kann „bewusst“ zu handeln.

Denn ist es nicht so, dass wir schon lange fair gehandelten Kaffee kaufen, seit einiger Zeit faire Shirts und sogar Hosen kaufen können (und dies vielleicht auch tun), und uns bei Laptops und Handys noch immer hauptsächlich für das Preis-Leistungs-Verhältnis im Bezug auf Hardware etc. interessieren? Und warum kommt man nicht so einfach auf die Idee, sich auch in dieser Branche die gleichen Gedanken zu machen?

Vielleicht ist der Grund genau der, warum es eben zuerst Kaffee gab, dass es dabei um das direkte Endprodukt geht, das man ganz einfach mit einem Kleinbauer verbinden kann. Bei der Textilindustrie reicht die Lieferkette einen Schritt weiter und der Gedanke vom T-Shirt über das Nähen bis hin zur Baumwollernte macht das Ganze etwas komplizierter und vor allem abstrakt. Ist es eventuell der nächste Schritt, dass die Produktionsbedinungen von IT-Produkten ins Bewusstsein rücken, obwohl ihre Lieferkette über unvorstellbare Ausmaße läuft und ein Minenarbeiter im Kongo so unglaublich weit weg zu sein scheint von dem kleinen Smartphone in meiner Hosentasche?

Ist dieses kleine Smartphone vielleicht ein Anstoß zum Umdenken auf einer weiteren Ebene und macht eine neue Dimension vom fairen Handel möglich?

Hört sich unrealistisch an (und vielleicht ein bisschen theatralisch dazu).

Ist es das?

 

 

ZDF-Reportage zu (un-)fairer Kleidung

Nach den letzten Unglücken in Bangladesch wurde das Thema Kleidungsproduktion ja bereits in den meisten Medien aufgegfriffen, vorgestern hat auch das ZDF eine kurze Reportage im Frühstücksfernsehen, inklusive eines Interviews mit Christiane Schnura von der Kampagne für Saubere Kleidung, gesendet.


Wer sich schon ein wenig mehr mit diesem Thema beschäftigt hat, wird nicht viel neue Infos bekommen: die Arbeitsbedingungen in Bangladesch sind katastrophal, die VerkäuferInnen der großen Einzelhandelsketten können keine Auskunft über Produktionsbedingungen geben oder beschwichtigen die KundInnen. Und außerdem drückt sich die Reportage vor den wirklich wichtigen Zusammenhängen:  dass nämlich die Nachfrage (und das Ankurbeln dieser) nach immer billigeren und immer trendigeren Klamotten die globale Abwärts-Preisspirale erst in Gang gesetzt hat und immer weiter antreibt. Dass es fast billiger geworden ist, sich eine neue Jeans zu kaufen als die alte zu reparieren. Oder dass sich die großen Markenunternehmen und Einzelhandelsketten mit dem Verweis auf ihre Lieferanten aus der Verantwortung ziehen, und es endlich politische Rahmenbedingungen geben müsste, die die Einhaltung von Arbeitsstandards auch im Ausland einfordert und kontrolliert.

Auf der positiven Seite wäre zu verbuchen: das Thema wird überhaupt mal in den Medien aufgegriffen, und Frau Schnura von der CCC liefert einen kurzen Überblick über wichtige Labels und Ökostandards. Hoffen wir mal dass das reicht um den einen oder anderen zum Umdenken zu bewegen.

Spannendes Experiment zum Thema „bewusst“ einkaufen


Da das Ganze schon ein paar Monate alt ist, haben bestimmt schon einige davon gehört:

Im Rahmen der Kampagne „Öko & Fair – ernährt mehr“ von Naturland und dem Weltladen Dachverband fand vor einigen Monaten eine Guerilla-Aktion auf einem deutschen Wochenmarkt statt, aus der ein Film entstand, der den ein oder anderen sicher ein bisschen sprachlos macht.

Zwei sympathische Jungs, ein paar Klauseln wie „kontrollierter Anbau“ oder „Faire Preise“ und viele Kunden sind von der angeblichen Wahrheit (Kinderarbeit, Ausbeutung, Massentierhaltung etc.) der angebotenen extrem billigen Produkte sichtlich unbeeindruckt. Der Film wirft dabei  die Frage auf, ob ein günstiger Preis wirklich so sehr ins Gewicht fällt, dass alles andere egal scheint? Würde sich das Kaufverhalten womöglich gar nicht so sehr ändern, auch wenn volle Transparenz für Billigprodukte vorhanden wäre?

Zum anderen stellt er an jeden Einzelnen die Frage: Wie sehr wird man beeinflusst von ein paar Worten und Bildern, oder einer bestimmten Aufmachung, die eigentlich nichts zu bedeuten hat, obwohl man eigentlich „bewusst“ einkauft?