5 Fragen an Mareike Ulman von format…

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1. Spielte der Begriff „fair fashion“ bereits bei der Gründung von format im Jahr 2008 eine Rolle?

Absolut. Nachdem ich im Studium zur Modedesignerin erstmals mit konventioneller Massen-Modeproduktion konfrontiert wurde und dabei erschrocken war, wie die meisten Bekleidungsstücke hergestellt werden, wollte ich als Produktentwicklerin meiner Verantwortung gerecht werden und dabei einen anderen Weg gehen.

 

2. Wie wird der fair & organic Anspruch bei format aktuell umgesetzt?

Wir kaufen unsere Stoffe von Firmen, die GOTS-zertifiziert sind und lassen in kleinen Werkstätten in Berlin und Polen, die wir ganz genau kennen und nach deren Mitarbeiterstrukturen (Verträge, Urlaub, Entscheidungsfreiheit) befragen, nähen.

3. Erschwert oder erleichtert der „Ökostempel“ das Heranwachsen eines kleinen Modelabels? Macht es heutzutage überhaupt noch einen großen Unterschied?

Ich habe von Anfang an versucht, Stempeln jeder Art aus dem Weg zu gehen, so öko & fair wie möglich ist bei uns ein wichtiges Prinzip durch alle Arbeitsgänge, aber ich freue mich gerade, die Klischee-Erwartungen nicht erfüllen zu müssen.

Mittlerweile ist öko auch „in“, anders als 2008, also kann man sich damit natürlich auch irgendwie in den Mittelgrund rücken, wenn man möchte.

4. Dein Design ist von Minimalismus geprägt – was reizt dich daran?

Ich finde generell Produkte in allen Lebenslagen am spannendsten, wenn sie mit dem kleinsten Aufwand den bestmöglichen Nutzen und die anziehendste Gestalt bekommen. Ausserdem gilt für Kleidung meiner Meinung nach, dass die Teile minimal gestaltet am langlebigsten sind, d.h. auch dabei kommt dann ein + für die Nachhaltigkeit zustande.

5. Passt Berlin zu eurem Stil oder passt euer Stil zu Berlin? Steht das eine mit anderen im Zusammenhang?

Ich glaube schon. Alle bei format leben hier in Berlin schon eine Weile und mögen die Stadt sehr gerne. Ich habe zu wenig Vergleiche, wie wir anders wären, wenn wir woanders wären.

 

Hier findet ihr Produkte von format in unserem Shop….

fair ok. warum war bio noch mal wichtig?

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Wir verkaufen Produkte mit zwei Grundeigenschaften: bio & fair.

Aus welchem Grund man Kleidung aus fairer Produktion kaufen sollten, weiß heutzutage eigentlich fast jeder. Dass alle Sachen bei uns auch aus ökologischen Materialien, bzw. das meiste aus Biobaumwolle besteht, spielt für viele eher eine nebensächliche Rolle. Schließlich geht es bei einer fairen Produktion um Menschen und nicht nur um weniger Pestizide. Dieser Gedanke ist zwar nicht verwerflich, er ist aber faktisch nicht korrekt. Beim Anbau von Biobaumwolle geht es um viel mehr als nur um ein paar Pestizidrückstände auf unserer Kleidung. Ungefähr 25% aller weltweit genutzten Insektizide und 10% aller Pestizide werden im Baumwollanbau verbraucht und nicht etwa, wie man annehmen könnte, für unsere Ernährung (die wir ja schon viel und gerne ‚bio‘ kaufen). Diese Chemikalien schaden nicht nur unserer Umwelt, sondern in erster Linie den Bauern und Produzenten, die täglich damit in Berührung kommen. Und wenn am Ende Tiere wie die Biene die Pestizidflut nicht überleben werden,betrifft es uns alle.

Außerdem sind Baumwollpflanzen sehr durstig. Die jährlich gebrauchte Wassermenge für Baumwolle würde reichen, um die ganze Menschheit ein Jahr lang täglich mit 120l Frischwasser zu versorgen (Quelle: Virtuelles Wasser). Ein berühmtes und schreckliches Beispiel für den katastrophalen Überverbrauch von Wasser im Bezug auf den Baumwollanbau ist der Rückgang des Aralsees. Die Menschen haben dort mittlerweile nicht nur mit Nahrungs- und Wasserknappheit zu kämpfen, sondern zusätzlich mit giftigen Sandstürmen, da der ausgetrocknete Boden von Pestiziden des Baumwollanbaus verseucht wurde.

Hinzukommt die Verbreitung von genmanipulierten Baumwollsorten, die widerstandsfähiger gegen Schädlinge und ertragreicher sein sollen. Viele Bauern werden allerdings finanziell von Großkonzernen abhängig gemacht, die das überteuerte Gen – Saatgut verkaufen. Die Folgen kosten viele ihre Existenz, da die Resistenzen gegen Schädlinge oft nicht nachhaltig wirken, und nicht vorhersehbare natürliche Reaktionen anderer Schädlinge folgen können. In der Regel sind auch niemals nur die Schädlinge von den Auswirkungen betroffen, sondern zwangsläufig auch andere Tiere und Pflanzen, die mit ihnen durch ihre Nahrungskette im Zusammenhang stehen. Das Ökosystem gerät aus der Balance. Außerdem werden durch Genmanipulation natürliche Arten verdrängt, die langfristig die einzige Zukunftssicherheit für gesunde und überlebensfähige Pflanzen darstellen.

Viele Gründe also, warum ein bewussterer Umgang mit Baumwolle und biologischer Kleidung ein sehr wichtiges Thema ist!

5 Fragen an das neue & vegane Schuhlabel „FreiVon.“

Wenn alles klappt, kommen in ein paar Monaten neue vegane Schuhe auf den Markt. Das junge Label FreiVon. setzt auf das Zukunftspotenzial eines veganen Lebensstils und möchte bereits in der kommenden Saison an den Start gehen.

Ein veganer Lebensstil in Verbindung mit einer erfolglosen Schuhsuche und dem Wille, etwas Sinnvolles zu tun, waren Motivation genug für die schnelle Unternehmensgründung.

Mit einem ständigen Interesse an veganen Schuhe, haben wir mal näher nachgefragt, was hinter dem frischen Startup-Unternehmen steckt:

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Spielt ein veganer Lebensstil auch in eurem persönlichen Leben eine große Rolle?

Wir leben beide so gut es geht vegan. Manchmal ist es leider noch schwierig. Wenn wir essen gehen und auf dem vermeintlich veganen Rote-Beete-Cappacio ist doch ein Klecks Joghurt, essen wir es. Es nutzt keinem, es wegzuwerfen. Aber abgesehen von solchen Zwischenfällen, leben wir vegan.

FreiVon. = FreiVon tierischen Bestandteilen?

Ja, FreiVon. kommt unter Anderem von frei von tierischen Bestandteilen. Aber ebenso von frei von Schadstoffen und frei von Kinderarbeit. Wir verfolgen ein ganzheitliches Konzept. Unsere Schuhe sind vegan, aber sie sind auch nachhaltig und in Deutschland produziert. Alle drei Punkte sind uns wichtig. Ein veganer Schuh, der in einem chinesischen Sweatshop gefertigt wird, ist zwar tierfreundlich, aber die Menschen und die Umwelt leidet. Das kann nicht das Ziel sein.

Glaubt ihr, dass es möglich ist, die Schuhe mit den richtigen Materialien und in den richtigen Produktionsstätten herstellen zu lassen und dabei einen „vertretbaren Preis“ verlangen zu können? In welchem Spektrum wird sich dieser Preis bewegen?

Ja, das glauben wir. Und um das zu erreichen, geben wir alles. Wir haben uns beispielsweise entschieden nicht über den Handel zu gehen, weil ein erheblicher Preiszuschlag die Folge wäre. Unser erster Schuh wird ca. 150 Euro kosten.gonzo

Hattet ihr im Voraus eine ungefähre Vorstellung, wie euer Schuh aussehen würde und in welche Stilrichtung die „FreiVon“- Schuhe gehen werden? 

Wir wollten einen modisch- klassischen Schuh. Uns ist es wichtig, dass der Schuh nicht ‚öko‘ aussieht, sondern mit jedem gut aussehenden Lederschuh mithalten kann. Auch was den Tragekomfort angeht. Mit klassisch meinen wir aber auch, dass wir nicht mit jedem Trend mitgehen. Wir wollen, dass man unseren Schuh mehrere Saisons tragen kann. Es wird also kein ‚trendy‘ Schuh, der nächste Saison ‚out‘ ist. Wir denken, slow-fashion ist ein guter Ansatz, um bewussten Konsum zu fördern und dem Kaufwahn etwas entgegen zu stellen.

An welchem Punkt steht ihr im Moment? Wann werden wir wohl das erste Paar käuflich erwerben können? 

Im Moment sind wir dabei den finalen Prototyp fertigen zu lassen. Am 15. November geht dann unsere Crowdfunding-Kampagne bei Startnext los. Dort bieten wir unterschiedliche ‚Dankeschöns‘ an. Unter Anderem natürlich auch den Schuh. Bei erfolgreicher Kampagne können unsere Schuhe dann voraussichtlich im Frühjahr 2015 in unserem online Shop regulär gekauft werden.

 

Fairtrade Kleidung?

Letzte Woche war ich auf der Podiumsdiskussion ‚Wir kaufen fair. Aber handeln wir auch fair?‘. Außer mir auf der Bühne: Das Eine Welt Forum Freiburg, zwei Weltläden und Banafair. Aufhänger war die Fernsehdokumentation „Der faire Handel auf dem Prüfstand” von Donatien Lemaître. In etwa 80 Minuten zeigt der Autor das Ergebnis seiner Recherechen zur Glaubwürdigkeit des ‚fairtrade-Siegels‘. Ich selbst fand die Doku an manchen Stellen ein wenig zu selektiv und skandalisierend. Besonders, da am Ende nahe gelegt wird, dass die ‚Rainforest Alliance‘ etwas ähnliches sei wie ‚Transfair‘. Und obwohl das System von Transfair durchaus seine Fehler und Lücken hat, kommt die Organisation am Ende viel zu schlecht weg.

Film hin, Film her. Was ich viel spannender finde ist die grundsätzliche Frage nach dem fairen Handel – vor allem im Bezug auf Kleidung. Schließlich werden wir selbst oft gefragt, ob die Kleidung fair gehandelt sei. Ich antworte dann immer mit einem Jein: Sie ist ökologisch (also z.B. aus Biobaumwolle) und fair produziert. Besonders in Deutschland werden der ‚Faire Handel‘ und die ‚Faire Produktion‘ jedoch oft eins zu eins gleich gesetzt. Und irgendwie behagt mir das nicht:
Der klassische Faire Handel unterstützt vor allem Kleinbäuer*innen, welche nur schwer einen Zugang zum Weltmarkt bekommen bzw. dort im globalen Preiskampf nicht bestehen können, Unterstützen soll. Dazu gibt es verschiedene Mechanismen, die man besser auf Wikipedia nachlesen kann. Dementsprechend sind dann auch die ‚Produzentengeschichten‘ z.B. auf der Seite von Fairtrade Deutschland. Zwar gibt auch Bananen mit fairtrade-Siegel, die auf Plantagen angebaut werden, das Image ist jedoch im Allgemeinen ein anderes.

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Kleidung wird aber nie ausschließlich in so kleinen Strukturen, sondern vor allem in Fabriken hergestellt. Selbst wenn fairtrade-Baumwolle verwendet wird, sagt das noch nicht besonders viel über die Weiterverarbeitung aus. Schließlich fehlen dann noch Arbeitsschritte wie spinnen und weben, färben und nähen. Die Produktionskette ist also durchaus komplex und in einigen Teilen sehr technisiert. Im Englischen spricht man daher von ‚fair labour‘ oder ’sweatshop free‘ – also von fairer Lohnarbeit. Faire Kleidung, die auch zu annehmbaren Preisen zur Verfügung stehen soll, lässt sich gar nicht wirklich anders produzieren.
Natürlich ist das was wir machen ebenfalls ‚Handel‘ und auch ebenfalls ‚fair‘. Die Verallgemeinerung vom fairen Handel erzeugt meines Erachtens aber ein falsches Bild. Vor allem, wenn überhaupt kein Teil der Produktionskette den oben genannten Kriterien des traditionellen fairen Handels entspricht und ein Großteil der Produktion in Europa statt findet. Vielmehr muss es darum gehen, auch komplexe Produktionsketten transparent zu gestalten und von Anfang bis Ende zu prüfen. Schön wäre auch, wenn es ein oder zwei allgemein bekannte und einheitliche Siegel gäbe, die ‚Ethical Fashion‘ als das kenneichnen was sie ist: Unter hohen ökologischen und sozialen Standards produzierte Mode. GOTS ist da bereits ein guter Anfang. Und auch Transfair entwickelt seinen Standard zunehmend weiter. Besonders im Hinblick auf die Anwendbarkeit der eigenen Regeln auf Plantagen und Fabriken.

Zumindest konnte ich eins von der Diskussion mitnehmen. Die Auswahl der Produkte findet bei uns nach sehr ähnlichen Kriterien statt wie im Weltladen. Die allermeisten Ansichten zu den notwendigen Veränderungen im Welthandel waren zwischen allen Diskutanten ähnlich. Und auch über die Schwachstellen des fairen Handels waren wir uns einig. Vielleicht sind wir ja doch ein ‚fair trade‘ Laden im weiteren Sinn. Zumindest sind wir Teil der selben Bewegung.

„Goldeimer“ Kompostklos: Die Rettung für alle Festivalliebhaber!

Wohin mit dem ganzen Scheiß?

Wer schon einmal auf einem Festival war, wird diese Aussage vor allem in ihrem wörtlichen Sinne nur zu gut nachfühlen können. Lange Schlangen vor verdreckten und ekelhaften Dixiklos, die mit Hilfe von reiner Chemie versuchen, unsere natürlichen Ausscheidungen zu vertuschen – sie fragen nur zu offensichtlich nach ihrer Sinnhaftigkeit. Dann doch lieber zu den installierten sanitären Anlagen und ein bisschen was dafür bezahlen, denkt sich der ein oder andere. Da hat man die – ähm – Sache wenigstens nicht direkt vor bzw. in der Nase. Weggespült mit Trinkwasser. Aber macht das mehr Sinn? Ganz abgesehen von vielen wasserarmen Regionen weltweit, können wir uns doch selbst auf einem Festival in Deutschland fragen, ob das Wasser nicht besser zum Trinken benutzt werden sollte.

Gibt es eine Möglichkeit den ganzen Dreck und Gestank möglichst sinnvoll zu entsorgen?

Die Antwort kenne ich seit letzter Woche, als ich im Grünhof bei der Unternehmenslust-Veranstaltung das Projekt „Goldeimer“ kennen gelernt habe.

Mobile Kompostklos, die von Festival zu Festival touren und dabei astreinen Humus produzieren, und kein Wasser verschwenden. Auch wenn man es nicht glauben mag, stecken in den menschlichen Fäkalien jede Menge Nährstoffe, die unserem Boden an jeder Ecke fehlen. Richtige Ökoklos also und dazu noch mit viel Liebe gemacht. Natürlich auch hygienisch und geruchstechnisch einwandfrei!

Chemieklos waren gestern!

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Back to the roots mit unserer Scheiße!

made in … Afrika??

In Kambodscha gibt es Proteste, Bangladesh ist seit fast einem Jahr der Inbegriff miserabler Bedingungen – muss die ganze Textilindustrie daraus Schlüsse ziehen und sich ändern?

Das sollte sie auf jeden Fall; die Geschichte lehrt uns aber etwas anderes.

In China beispielsweise hat sich der Mindestlohn in den letzten Jahren verdoppelt, doch anstatt mehr zu bezahlen, wandern viele Großkonzerne in andere Länder ab, um dort günstiger zu produzieren. Auch in Kambodscha und Bangladesh gerät die Regierung langsam unter Druck, den Textilarbeitern einen höheren Lohn zuzugestehen. Das müsste eigentlich ja auch im Interesse von H&M und Co sein, schließlich behaupten sie, für die Löhne im Land sei das Land selbst zuständig, sie hätten aber natürlich gerne, dass die Löhne der ArbeiterInnen angemessen seien.

Komisch nur, dass dann, wenn tatsächlich höhere Löhne gezahlt werden sollen, das ein oder andere Unternehmen einfach in das nächste Land abwandert, wo noch keiner protestiert.

Der H&M Chef hat Anfang des Jahres angedeutet, einen Blick auf Afrika geworfen zu haben. Auch Primark ist schon in Äthiopien vertreten. Denn nicht nur die Transportwege sind kürzer; die Lohnkosten liegen mittlerweile deutlich unter denen von China.

Es bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen dabei einen wichtigen Unterschied begreifen: Und zwar Afrika als Wirtschaftsstandort ernst zu nehmen, anstatt ihn auszunehmen. Die Menschenrechtslage in Äthiopien gibt leider keine all zu rosigen Aussichten auf angemessene Sozialstandards und macht auch wenig Hoffnung auf einen womöglichen Sinneswandel in Sachen faire Kleidung und H&M.

Eine kritische Beobachtung ist deshalb in jedem Fall nötig, denn wenn es um Bangladesh mal ruhig wird, heißt das noch lange nicht, dass alles gut ist.

(Quelle: Basler Zeitung: Afrika, das neue Nähzimmer der Welt)

Made in Bangladesh – fair and organic?

Unser neues Label „Stanley and Stella“ lässt in Bangladesh produzieren und verkauft T-Shirts für einen Preis von 12€. Wie passt das in unser Konzept, und wodurch unterscheiden sich die Shirts trotzdem von herkömmlichen C&A Produkten?

Bei einem genauerem Blick ist auf dem Waschetikett im Inneren des Shirts unter den Worten „made in Bangladesh“ ein erster Unterschied zu erkennen: „100% organic cotton“. Damit sind allerdings weder irgendwelche Arbeitsstandards gesichert, noch wird garantiert, dass die Baumwolle nicht trotzdem durch das Färben oder Ähnliches mit Schadstoffen behandelt wurde. Erst auf dem zweiten Zettel machen die beiden Siegel „GOTS – organic“ und „Fairwear Foundation“ deutlich, worin der wirkliche Unterschied besteht. Diese stehen für strenge unabhängige Kontrollen, was zum einen ökologische Kriterien und gleichzeitig soziale Kriterien angeht. Und auch wenn im Hinblick auf die Mitgliedschaft in der Fairwear Foundation nicht immer gleich alle Kriterien von Anfang an eingehalten werden müssen, wird der Weg dorthin kritisch beobachtet und der stetige Fortschritt in die richtige Richtung vorausgesetzt.

Für eine nachhaltige Produktion wird so manchen den Preis verwundern. Dieser kommt wohl zum einen durch eine Produktion von großen Mengen zu Stande. Und natürlich macht es einen Unterschied, ob in Europa unter fairen Bedingungen gearbeitet wird, oder in Südostasien. Hier stellt sich die Frage, in welche Richtung sich „fairer Handel“ grundsätzlich bewegen soll. Wollen wir gegen die Globalisierung ankämpfen und nur noch Produkte kaufen und verkaufen, die innerhalb Europas, wenn nicht sogar in Deutschland selbst produziert wurden? Oder wollen wir auch versuchen, mitzuhelfen, dass in Ländern wie Bangladesh die Bedingungen in der Textilindustrie umgekrempelt werden, ohne dass Bangladesh als Wirtschaftsstandort einfach nur vermieden wird, weil die Leute das Land nur mit den schrecklichen Bildern des vergangenen Jahres verbinden?
Denn was wäre, wenn die Proteste dort womöglich Gehör finden würden, und die großen Konzerne dann – anstatt höhere Löhne zu zahlen – einfach in das nächste Land ziehen und das gleiche geht beispielsweise in Myanmar von vorne los?

Naturkosmetik – und warum es dabei nicht nur um die eigene Haut geht

Wenn wir Naturkosmetik kaufen, tun wir das in den meisten Fällen, um unserem eigenen Körper Gutes zu tun. Es geht dabei vor allem um vermeidbare chemische Inhaltsstoffe. Übertriebene Werbung und kurzzeitige Ergebnisse trügen im Hinblick auf den wahren Wert und Nutzen von vielen konventionellen Kosmetikprodukten, die manchmal ungewollte Langzeit- oder Nebenwirkungen hervorrufen können.

Leider herrscht in vielen Köpfen noch der Gedanke vor, dass es bei Naturkosmetik „nur“ darum geht, die eigene Haut zu schützen. Das ethisches Handeln und nachhatliges Wirtschaften untrennbar damit verknüpft sind, bleibt oft im Dunkeln. Dabei kann in einer einzigen Duschgelflasche schon eine Menge anderes Unheil haften, bevor sie überhaupt mit unserem Körper in Berührung kommt. Vor allem Tiere haben unter all den Schönheitsprodukten zu leiden – denn an ihnen werden sie solange getestet, bis keine Hautirritationen mehr entstehen, sondern alles nur noch glänzt. Bis eben auf das Tier selbst. Und wie so oft bleibt auch die Umwelt nicht verschont: Kunststoffe verstecken sich dabei nicht „nur“ in der Plastikverpackung, sondern manchmal sogar im Produkt selbst (zum Beispiel als „Polyethylene“ in Zahnpasta oder Peelingduschgels) und schaffen der Umwelt und uns selbst erhebliche Entsorgungsprobleme, wenn sie erst einmal ins Abwasser gelangen. Und auch wenn es sich um „natürliche“ Rohstoffe handelt, wie zum Beispiel Palmöl, kann dies mit dem dramatischen Orang Utan – Problem in Borneo zusammenhängen oder mit verarmten Kleinbauern am anderen Ende der Welt.

Genug Gründe, warum man auch bei Kosmetika auf biologische und nachhaltige Produkte achten sollte. Und zwar nicht nur, um die eigene Haut zu schützen, sondern auch die von anderen und unsere Umwelt. Zum Glück gibt es von verschiedensten Marken schon ein relativ breites Angebot, die ein nachhaltiges Einkaufen im Bezug auf viele Aspekte möglich machen. Mit Hilfe des BDIH und Natrue Siegels wird das den VerbraucherInnen erleichtert.

Unser persönlicher Favorit, der bis jetzt in wenigen Läden in Deutschland vertreten ist, ist Dr. Bronners. Sie haben für ihre Produkte, die vollständig biologisch abbaubar sind, nicht nur eine eigene Fair Trade und Bio Palmölproduktion gestartet, sondern selbst die Verpackungen sind zu 100% aus recycelten Materialien. Dazu kommt eine praktische Allzweckverwendung (vom Haare waschen bis zum Geschirr spülen) und tolle Düfte wie Pfefferminz, Teebaum oder Rose. Grund genug für uns, sie voller Stolz in unserem Shop anzubieten.

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Mehr über ungewollte Inhaltsstoffe in konventioneller Kosmetik findet ihr zum Beipsiel bei Utopia.

Nachhaltig schenken

Es weihnachtet – und los geht die Geschenkekauferei.

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Was eigentlich ein schöner Gedanke ist – sich beschenken – artet manchmal in 5 vor 12 Notkäufe aus, die womöglich bald schon wieder im Müll landen.

Doch was tun, wenn Weihnachten in zwei Wochen dann so plötzlich da ist, dass man nur noch in das ortsansässige Riesenkaufhaus gehen kann, weil es für einen Onlineversand oder die Fahrt zu verschiedenen lokalen Läden nicht mehr reicht?

Wenn man dann noch ökologisch und nachhaltig einkaufen will, wird’s schwierig. Und dann bleibt manchmal nichts anderes übrig, als alle Prinzipien von wegen fair und bio über Bord zu werfen und wild darauf los zu konsumieren – egal was und wo. Zumindest ich muss das aus eigener Erfahrung zugeben.

Dabei ist es doch gerade die Weihnachtszeit, in der Menschen eigentlich den Anderen etwas Gutes tun wollen, jemanden glücklich machen wollen und deshalb auch oft für wohltätige Zwecke spenden. Ziemlich paradox, panisch Dinge zu kaufen, die mitverantwortlich sind für Schicksale in anderen Teilen der Welt, wohin man eventuell zur gleichen Zeit spendet. Ein bisschen erinnert mich das, wenn man weiter darüber nachdenkt, an die CO2 Ausgleichsmaßnahmen, für die man im Flugzeug spenden kann. Allerdings gibt es bei Weihnachtsgeschenken wirklich genug Möglichkeiten so zu handeln, dass die Geschenke an sich schon nachhaltig sind ohne weitere Ausgleichsmaßnahmen. Und spenden kann man dann natürlich immer noch, denn nachhaltige Geschenke sind meist auch noch die günstigere Variante!

Meine persönlichen Top 3 in Sachen nachhaltige Geschenkideen:

  1. recyceln, basteln, backen→ aus alten Büchern, Platten, Glühbirnen, Bildern, Klamotten lassen sich auch in kurzer Zeit tolle Sachen machen, Inspiration gibt’s genug im Netz
  2. Abo, Gutscheine oder Patenschaften → Zeitschrift-Abo (Greenpeace, enorm, Kochen ohne Knochen etc.), Gutscheine von öko & fairen Läden, sowie Patenschaften bei sozialen Projekten oder zum Beispiel der Arche Warder
  3. Zeit → damit kann man in allen Varianten und Formen vielen eine Freude machen und tut garantiert keinem weh!

 

Macht Werbung „faul“?

In den Medien der letzten Monate ging es oft um faire Kleidung und immer hieß es: „Wie kann der Verbraucher/ die Verbraucherin wissen, was fair ist? Und wo findet man faire Kleidung?“.

Dies ist eine durchaus berechtigte Frage. Denn wenn man in großen Kaufhäusern danach sucht, kann das sicherlich sehr kompliziert werden.

Allerdings frage ich mich, ob all die Talkshow-Kandidaten und Moderatoren sich überhaupt ein mal die Mühe gemacht haben, vor einer solchen Diskussion ein bisschen zu recherchieren. Schließlich sollte man doch meinen, dass jeder immer und überall alles nachgucken kann, warum also nicht mal faire Kleidung „googeln“?

Denn wer sucht, der wird auch fündig. Um auf das GOTS-Siegel zu stoßen oder verschiedenste Online-Shops / Marken / Läden mit einem dementsprechenden Angebot bedarf es keinen besonderen Fähigkeiten außer ein bisschen Neugierde beim Suchen.

Und trotzdem schien genau das laut vielen Diskussionen das Problem zu sein: Es gäbe keine Siegel und die VerbraucherInnen wüssten nicht, wo man faire Kleidung findet.

Natürlich ist es ein bisschen kompliziert, denn man muss sich aktiv darum bemühen, aktiv suchen, sich selbst eine Meinung über eine Marke oder einen Shop bilden, um abzuwägen, wem man sein Vertrauen schenkt und wem nicht. Niemand sagt mir in der Werbepause: „Kaufen Sie jetzt fair & bio bei xy-Shop, denn uns kann man vertrauen!“. (Außer vielleicht bald H&M mit einer neuen PR-Kampagne).

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Nach den Ereignissen in Bangladesch hören die KonsumentInnen, dass sie vieles nicht mehr kaufen sollen, was sie kennen und in der Werbung sehen, aber bekommen keine Alternative vor die Nase gesetzt. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach einfach: Das Werbebudget in der fair&bio – Branche ist nach wie vor sehr gering, schließlich zahlt man ja sowieso schon mehr für ein T-Shirt, wer will da noch Geld für Werbung draufzahlen?

Schade nur, dass wir anscheinend verlernt haben, uns selbst zu überlegen, was wir haben möchten und warum, weil Werbung das schon für uns bestimmt. Und wenn uns keiner via Werbung über das Nonplusultra aufklärt, sind wir überfordert und wissen nicht was tun.

Bleibt die Frage: Raubt Werbung uns die Neugierde und macht uns schlicht und einfach ein bisschen faul?