Anstoß zu einer kleinen Revolution in der IT-Branche?

 

Seit dieser Woche steht es fest: Das Fairphone geht in Produktion.

Zugegebenermaßen war ich anfangs ziemlich skeptisch: Wie ist es möglich, dass plötzlich ein Smartphone „fair“ sein soll, wo sich die faire IT-Branche bis jetzt meines Wissens auf eine simple Maus beschränkte – und selbst diese ist „nur“ zu zwei Dritteln fair. Und tatsächlich ist ein komplettes Smartphone nach Fair Trade – Standards zum jetztigen Zeitpunkt alles Andere als realistisch, aber dies behauptet das „Fairphone“ auch nicht (auch wenn der Name dies vielleicht meinen sollte). Es geht viel mehr um Ziele und den Versuch ein Umdenken zu starten und zu zeigen, dass es selbst in der IT-Branche eine Möglichkeit geben kann „bewusst“ zu handeln.

Denn ist es nicht so, dass wir schon lange fair gehandelten Kaffee kaufen, seit einiger Zeit faire Shirts und sogar Hosen kaufen können (und dies vielleicht auch tun), und uns bei Laptops und Handys noch immer hauptsächlich für das Preis-Leistungs-Verhältnis im Bezug auf Hardware etc. interessieren? Und warum kommt man nicht so einfach auf die Idee, sich auch in dieser Branche die gleichen Gedanken zu machen?

Vielleicht ist der Grund genau der, warum es eben zuerst Kaffee gab, dass es dabei um das direkte Endprodukt geht, das man ganz einfach mit einem Kleinbauer verbinden kann. Bei der Textilindustrie reicht die Lieferkette einen Schritt weiter und der Gedanke vom T-Shirt über das Nähen bis hin zur Baumwollernte macht das Ganze etwas komplizierter und vor allem abstrakt. Ist es eventuell der nächste Schritt, dass die Produktionsbedinungen von IT-Produkten ins Bewusstsein rücken, obwohl ihre Lieferkette über unvorstellbare Ausmaße läuft und ein Minenarbeiter im Kongo so unglaublich weit weg zu sein scheint von dem kleinen Smartphone in meiner Hosentasche?

Ist dieses kleine Smartphone vielleicht ein Anstoß zum Umdenken auf einer weiteren Ebene und macht eine neue Dimension vom fairen Handel möglich?

Hört sich unrealistisch an (und vielleicht ein bisschen theatralisch dazu).

Ist es das?

 

 

ZDF-Reportage zu (un-)fairer Kleidung

Nach den letzten Unglücken in Bangladesch wurde das Thema Kleidungsproduktion ja bereits in den meisten Medien aufgegfriffen, vorgestern hat auch das ZDF eine kurze Reportage im Frühstücksfernsehen, inklusive eines Interviews mit Christiane Schnura von der Kampagne für Saubere Kleidung, gesendet.


Wer sich schon ein wenig mehr mit diesem Thema beschäftigt hat, wird nicht viel neue Infos bekommen: die Arbeitsbedingungen in Bangladesch sind katastrophal, die VerkäuferInnen der großen Einzelhandelsketten können keine Auskunft über Produktionsbedingungen geben oder beschwichtigen die KundInnen. Und außerdem drückt sich die Reportage vor den wirklich wichtigen Zusammenhängen:  dass nämlich die Nachfrage (und das Ankurbeln dieser) nach immer billigeren und immer trendigeren Klamotten die globale Abwärts-Preisspirale erst in Gang gesetzt hat und immer weiter antreibt. Dass es fast billiger geworden ist, sich eine neue Jeans zu kaufen als die alte zu reparieren. Oder dass sich die großen Markenunternehmen und Einzelhandelsketten mit dem Verweis auf ihre Lieferanten aus der Verantwortung ziehen, und es endlich politische Rahmenbedingungen geben müsste, die die Einhaltung von Arbeitsstandards auch im Ausland einfordert und kontrolliert.

Auf der positiven Seite wäre zu verbuchen: das Thema wird überhaupt mal in den Medien aufgegriffen, und Frau Schnura von der CCC liefert einen kurzen Überblick über wichtige Labels und Ökostandards. Hoffen wir mal dass das reicht um den einen oder anderen zum Umdenken zu bewegen.

Spannendes Experiment zum Thema „bewusst“ einkaufen


Da das Ganze schon ein paar Monate alt ist, haben bestimmt schon einige davon gehört:

Im Rahmen der Kampagne „Öko & Fair – ernährt mehr“ von Naturland und dem Weltladen Dachverband fand vor einigen Monaten eine Guerilla-Aktion auf einem deutschen Wochenmarkt statt, aus der ein Film entstand, der den ein oder anderen sicher ein bisschen sprachlos macht.

Zwei sympathische Jungs, ein paar Klauseln wie „kontrollierter Anbau“ oder „Faire Preise“ und viele Kunden sind von der angeblichen Wahrheit (Kinderarbeit, Ausbeutung, Massentierhaltung etc.) der angebotenen extrem billigen Produkte sichtlich unbeeindruckt. Der Film wirft dabei  die Frage auf, ob ein günstiger Preis wirklich so sehr ins Gewicht fällt, dass alles andere egal scheint? Würde sich das Kaufverhalten womöglich gar nicht so sehr ändern, auch wenn volle Transparenz für Billigprodukte vorhanden wäre?

Zum anderen stellt er an jeden Einzelnen die Frage: Wie sehr wird man beeinflusst von ein paar Worten und Bildern, oder einer bestimmten Aufmachung, die eigentlich nichts zu bedeuten hat, obwohl man eigentlich „bewusst“ einkauft?