Macht Werbung „faul“?

In den Medien der letzten Monate ging es oft um faire Kleidung und immer hieß es: „Wie kann der Verbraucher/ die Verbraucherin wissen, was fair ist? Und wo findet man faire Kleidung?“.

Dies ist eine durchaus berechtigte Frage. Denn wenn man in großen Kaufhäusern danach sucht, kann das sicherlich sehr kompliziert werden.

Allerdings frage ich mich, ob all die Talkshow-Kandidaten und Moderatoren sich überhaupt ein mal die Mühe gemacht haben, vor einer solchen Diskussion ein bisschen zu recherchieren. Schließlich sollte man doch meinen, dass jeder immer und überall alles nachgucken kann, warum also nicht mal faire Kleidung „googeln“?

Denn wer sucht, der wird auch fündig. Um auf das GOTS-Siegel zu stoßen oder verschiedenste Online-Shops / Marken / Läden mit einem dementsprechenden Angebot bedarf es keinen besonderen Fähigkeiten außer ein bisschen Neugierde beim Suchen.

Und trotzdem schien genau das laut vielen Diskussionen das Problem zu sein: Es gäbe keine Siegel und die VerbraucherInnen wüssten nicht, wo man faire Kleidung findet.

Natürlich ist es ein bisschen kompliziert, denn man muss sich aktiv darum bemühen, aktiv suchen, sich selbst eine Meinung über eine Marke oder einen Shop bilden, um abzuwägen, wem man sein Vertrauen schenkt und wem nicht. Niemand sagt mir in der Werbepause: „Kaufen Sie jetzt fair & bio bei xy-Shop, denn uns kann man vertrauen!“. (Außer vielleicht bald H&M mit einer neuen PR-Kampagne).

werbung

Nach den Ereignissen in Bangladesch hören die KonsumentInnen, dass sie vieles nicht mehr kaufen sollen, was sie kennen und in der Werbung sehen, aber bekommen keine Alternative vor die Nase gesetzt. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach einfach: Das Werbebudget in der fair&bio – Branche ist nach wie vor sehr gering, schließlich zahlt man ja sowieso schon mehr für ein T-Shirt, wer will da noch Geld für Werbung draufzahlen?

Schade nur, dass wir anscheinend verlernt haben, uns selbst zu überlegen, was wir haben möchten und warum, weil Werbung das schon für uns bestimmt. Und wenn uns keiner via Werbung über das Nonplusultra aufklärt, sind wir überfordert und wissen nicht was tun.

Bleibt die Frage: Raubt Werbung uns die Neugierde und macht uns schlicht und einfach ein bisschen faul?

 

Ein Gedanke zu „Macht Werbung „faul“?“

  1. Wer sich wirklich dafür interessiert faire Mode zu beziehen, der schaut gezielt nach dem oft zitierten Fair Wer und/oder GOTS-Zertifikat, wird schnell fündig und kauft.

    Wer allerdings nur darauf wartet, gesagt zu bekommen dass es eh nicht möglich ist den Dschungel an seriösen Siegeln zu durchschauen und dass es keine Alternativen gibt, der saugt diese Argumente bei der erstbesten Talkrunde für sich auf, hat sein Gewissen beruhigt und mach weiter wie bisher.

    Für mich ist die ganze Dikussion ohnehin ein Witz, das Problem sind nicht die zu hohen Kosten etc von fair produzierter Ware und die generelle Machbarkeit (die ist bewiesen!). Es geht darum, dass der Wille da ist, dann könnten es gerade die großen der Branche realisieren einen Bruchteil ihrer riesigen Gewinnspannne in faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen zu inverstieren. Es bliebe für alle Beteiligten genug Luft zu exisiteren. Wem allerdings wichtig ist dass man anstelle von 3,8 Milliarden Gewinn im nächsten Jahr 3,9 oder 4,2 Milliarden macht, dem sind Menschen egal, hier ist der alleinige Antrieb Geld und noch mehr Geld…ist auch eine Haltung, dazu sollte mann dann aber auch stehen, ganz ohne Ausreden.

Kommentare sind geschlossen.