made in … Afrika??

In Kambodscha gibt es Proteste, Bangladesh ist seit fast einem Jahr der Inbegriff miserabler Bedingungen – muss die ganze Textilindustrie daraus Schlüsse ziehen und sich ändern?

Das sollte sie auf jeden Fall; die Geschichte lehrt uns aber etwas anderes.

In China beispielsweise hat sich der Mindestlohn in den letzten Jahren verdoppelt, doch anstatt mehr zu bezahlen, wandern viele Großkonzerne in andere Länder ab, um dort günstiger zu produzieren. Auch in Kambodscha und Bangladesh gerät die Regierung langsam unter Druck, den Textilarbeitern einen höheren Lohn zuzugestehen. Das müsste eigentlich ja auch im Interesse von H&M und Co sein, schließlich behaupten sie, für die Löhne im Land sei das Land selbst zuständig, sie hätten aber natürlich gerne, dass die Löhne der ArbeiterInnen angemessen seien.

Komisch nur, dass dann, wenn tatsächlich höhere Löhne gezahlt werden sollen, das ein oder andere Unternehmen einfach in das nächste Land abwandert, wo noch keiner protestiert.

Der H&M Chef hat Anfang des Jahres angedeutet, einen Blick auf Afrika geworfen zu haben. Auch Primark ist schon in Äthiopien vertreten. Denn nicht nur die Transportwege sind kürzer; die Lohnkosten liegen mittlerweile deutlich unter denen von China.

Es bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen dabei einen wichtigen Unterschied begreifen: Und zwar Afrika als Wirtschaftsstandort ernst zu nehmen, anstatt ihn auszunehmen. Die Menschenrechtslage in Äthiopien gibt leider keine all zu rosigen Aussichten auf angemessene Sozialstandards und macht auch wenig Hoffnung auf einen womöglichen Sinneswandel in Sachen faire Kleidung und H&M.

Eine kritische Beobachtung ist deshalb in jedem Fall nötig, denn wenn es um Bangladesh mal ruhig wird, heißt das noch lange nicht, dass alles gut ist.

(Quelle: Basler Zeitung: Afrika, das neue Nähzimmer der Welt)

Made in Bangladesh – fair and organic?

Unser neues Label „Stanley and Stella“ lässt in Bangladesh produzieren und verkauft T-Shirts für einen Preis von 12€. Wie passt das in unser Konzept, und wodurch unterscheiden sich die Shirts trotzdem von herkömmlichen C&A Produkten?

Bei einem genauerem Blick ist auf dem Waschetikett im Inneren des Shirts unter den Worten „made in Bangladesh“ ein erster Unterschied zu erkennen: „100% organic cotton“. Damit sind allerdings weder irgendwelche Arbeitsstandards gesichert, noch wird garantiert, dass die Baumwolle nicht trotzdem durch das Färben oder Ähnliches mit Schadstoffen behandelt wurde. Erst auf dem zweiten Zettel machen die beiden Siegel „GOTS – organic“ und „Fairwear Foundation“ deutlich, worin der wirkliche Unterschied besteht. Diese stehen für strenge unabhängige Kontrollen, was zum einen ökologische Kriterien und gleichzeitig soziale Kriterien angeht. Und auch wenn im Hinblick auf die Mitgliedschaft in der Fairwear Foundation nicht immer gleich alle Kriterien von Anfang an eingehalten werden müssen, wird der Weg dorthin kritisch beobachtet und der stetige Fortschritt in die richtige Richtung vorausgesetzt.

Für eine nachhaltige Produktion wird so manchen den Preis verwundern. Dieser kommt wohl zum einen durch eine Produktion von großen Mengen zu Stande. Und natürlich macht es einen Unterschied, ob in Europa unter fairen Bedingungen gearbeitet wird, oder in Südostasien. Hier stellt sich die Frage, in welche Richtung sich „fairer Handel“ grundsätzlich bewegen soll. Wollen wir gegen die Globalisierung ankämpfen und nur noch Produkte kaufen und verkaufen, die innerhalb Europas, wenn nicht sogar in Deutschland selbst produziert wurden? Oder wollen wir auch versuchen, mitzuhelfen, dass in Ländern wie Bangladesh die Bedingungen in der Textilindustrie umgekrempelt werden, ohne dass Bangladesh als Wirtschaftsstandort einfach nur vermieden wird, weil die Leute das Land nur mit den schrecklichen Bildern des vergangenen Jahres verbinden?
Denn was wäre, wenn die Proteste dort womöglich Gehör finden würden, und die großen Konzerne dann – anstatt höhere Löhne zu zahlen – einfach in das nächste Land ziehen und das gleiche geht beispielsweise in Myanmar von vorne los?

Naturkosmetik – und warum es dabei nicht nur um die eigene Haut geht

Wenn wir Naturkosmetik kaufen, tun wir das in den meisten Fällen, um unserem eigenen Körper Gutes zu tun. Es geht dabei vor allem um vermeidbare chemische Inhaltsstoffe. Übertriebene Werbung und kurzzeitige Ergebnisse trügen im Hinblick auf den wahren Wert und Nutzen von vielen konventionellen Kosmetikprodukten, die manchmal ungewollte Langzeit- oder Nebenwirkungen hervorrufen können.

Leider herrscht in vielen Köpfen noch der Gedanke vor, dass es bei Naturkosmetik „nur“ darum geht, die eigene Haut zu schützen. Das ethisches Handeln und nachhatliges Wirtschaften untrennbar damit verknüpft sind, bleibt oft im Dunkeln. Dabei kann in einer einzigen Duschgelflasche schon eine Menge anderes Unheil haften, bevor sie überhaupt mit unserem Körper in Berührung kommt. Vor allem Tiere haben unter all den Schönheitsprodukten zu leiden – denn an ihnen werden sie solange getestet, bis keine Hautirritationen mehr entstehen, sondern alles nur noch glänzt. Bis eben auf das Tier selbst. Und wie so oft bleibt auch die Umwelt nicht verschont: Kunststoffe verstecken sich dabei nicht „nur“ in der Plastikverpackung, sondern manchmal sogar im Produkt selbst (zum Beispiel als „Polyethylene“ in Zahnpasta oder Peelingduschgels) und schaffen der Umwelt und uns selbst erhebliche Entsorgungsprobleme, wenn sie erst einmal ins Abwasser gelangen. Und auch wenn es sich um „natürliche“ Rohstoffe handelt, wie zum Beispiel Palmöl, kann dies mit dem dramatischen Orang Utan – Problem in Borneo zusammenhängen oder mit verarmten Kleinbauern am anderen Ende der Welt.

Genug Gründe, warum man auch bei Kosmetika auf biologische und nachhaltige Produkte achten sollte. Und zwar nicht nur, um die eigene Haut zu schützen, sondern auch die von anderen und unsere Umwelt. Zum Glück gibt es von verschiedensten Marken schon ein relativ breites Angebot, die ein nachhaltiges Einkaufen im Bezug auf viele Aspekte möglich machen. Mit Hilfe des BDIH und Natrue Siegels wird das den VerbraucherInnen erleichtert.

Unser persönlicher Favorit, der bis jetzt in wenigen Läden in Deutschland vertreten ist, ist Dr. Bronners. Sie haben für ihre Produkte, die vollständig biologisch abbaubar sind, nicht nur eine eigene Fair Trade und Bio Palmölproduktion gestartet, sondern selbst die Verpackungen sind zu 100% aus recycelten Materialien. Dazu kommt eine praktische Allzweckverwendung (vom Haare waschen bis zum Geschirr spülen) und tolle Düfte wie Pfefferminz, Teebaum oder Rose. Grund genug für uns, sie voller Stolz in unserem Shop anzubieten.

dr. bronners

Mehr über ungewollte Inhaltsstoffe in konventioneller Kosmetik findet ihr zum Beipsiel bei Utopia.

Das sollende Wollen

Wie oft haben wir schon resigniert. Weil wir zu klein sind, Großes zu ändern. Und weil wir so selten sehen, dass sich die kleinen Dinge tatsächlich irgendwann auf die Großen auswirken könnten. Allerdings glaube ich trotzdem, dass wir das Risiko eingehen sollten, uns viel mehr zu trauen; dass wir viel mehr provozieren könnten und demonstrieren müssten.

Doch mit mir lebt eine Generation junger Menschen, die nicht wissen was sie wollen, weil es in dieser Welt zu viel gibt, was sie wollen sollten. Es gibt zu viel, was wir machen könnten, so dass wir nicht wissen, was wir machen möchten und lieber gar nichts tun. Bevor wir überhaupt jemand sind, wollen wir uns dann schon selber finden und erschrecken, wenn wir gar niemand finden, nur viel sollendes Wollen und darin verzweifeln. Wir sollten uns empören wollen, demonstrieren wollen und provozieren wollen, nebenbei sollten wir arbeiten wollen, studieren wollen und Familie wollen.

Doch bevor wir uns entscheiden können, warum wir das eine womöglich wollen und das andere nicht, wollen wir uns doch lieber nicht entscheiden, denn dann wüssten wir ja, dass wir etwas wollen, dabei können wir das nicht wissen, weil das andere richtiger oder wichtiger hätte sein können und alles auf einmal können wir nicht machen. Also sollten wir es lieber lassen.

Denn das mit dem Provozieren macht nur Probleme...
Das mit dem Provozieren macht ja auch nur Probleme…

 

 

Nachhaltig schenken

Es weihnachtet – und los geht die Geschenkekauferei.

weihnachtsshopping

Was eigentlich ein schöner Gedanke ist – sich beschenken – artet manchmal in 5 vor 12 Notkäufe aus, die womöglich bald schon wieder im Müll landen.

Doch was tun, wenn Weihnachten in zwei Wochen dann so plötzlich da ist, dass man nur noch in das ortsansässige Riesenkaufhaus gehen kann, weil es für einen Onlineversand oder die Fahrt zu verschiedenen lokalen Läden nicht mehr reicht?

Wenn man dann noch ökologisch und nachhaltig einkaufen will, wird’s schwierig. Und dann bleibt manchmal nichts anderes übrig, als alle Prinzipien von wegen fair und bio über Bord zu werfen und wild darauf los zu konsumieren – egal was und wo. Zumindest ich muss das aus eigener Erfahrung zugeben.

Dabei ist es doch gerade die Weihnachtszeit, in der Menschen eigentlich den Anderen etwas Gutes tun wollen, jemanden glücklich machen wollen und deshalb auch oft für wohltätige Zwecke spenden. Ziemlich paradox, panisch Dinge zu kaufen, die mitverantwortlich sind für Schicksale in anderen Teilen der Welt, wohin man eventuell zur gleichen Zeit spendet. Ein bisschen erinnert mich das, wenn man weiter darüber nachdenkt, an die CO2 Ausgleichsmaßnahmen, für die man im Flugzeug spenden kann. Allerdings gibt es bei Weihnachtsgeschenken wirklich genug Möglichkeiten so zu handeln, dass die Geschenke an sich schon nachhaltig sind ohne weitere Ausgleichsmaßnahmen. Und spenden kann man dann natürlich immer noch, denn nachhaltige Geschenke sind meist auch noch die günstigere Variante!

Meine persönlichen Top 3 in Sachen nachhaltige Geschenkideen:

  1. recyceln, basteln, backen→ aus alten Büchern, Platten, Glühbirnen, Bildern, Klamotten lassen sich auch in kurzer Zeit tolle Sachen machen, Inspiration gibt’s genug im Netz
  2. Abo, Gutscheine oder Patenschaften → Zeitschrift-Abo (Greenpeace, enorm, Kochen ohne Knochen etc.), Gutscheine von öko & fairen Läden, sowie Patenschaften bei sozialen Projekten oder zum Beispiel der Arche Warder
  3. Zeit → damit kann man in allen Varianten und Formen vielen eine Freude machen und tut garantiert keinem weh!

 

Vegan Guerilla

Veganer sind die besseren Menschen – zumindest theoretisch. Ein Geheimnis ist das eigentlich nicht mehr, denn dass Eier und Milch in direktem Zusammenhang mit Massentierhaltung und Ausbeutung stehen (zumindest wenn man nicht zum Biobauern von nebenan geht), ist kaum zu leugnen. Überzeugungsvegetarier stehen vor einem Problem, wenn man die logische Konsequenz daraus zieht. Und so schwierig kann es ja eigentlich auch nicht sein – dass Menschen auch ohne Milchprodukte leben und auch lecker kochen können, machen uns schließlich schon lange die Menschen in der asiatischen Welt vor. Außerdem gibt es jede Menge Soja- und andere Getreideprodukte, die beinahe alles ersetzen, wenn es nötig ist. Schade eigentlich, dass es manchmal gar nicht die Sache an sich ist, die einen abschreckt, sondern eher dessen Prediger. Trotz meiner Überzeugung würde ich vor manchen von denen am liebsten ein ganzes Schnitzel verdrücken (aus purem Trotz).

Der Name eines Kochbuchs, das gestern bei uns eingetrudelt ist, hat mich auf eine Lösung des Problems gebracht: „Vegan Guerilla – die Revolution beginnt in der Küche“ von Sarah Kaufmann.

Muss ja keiner wissen, ob etwas vegan ist oder nicht – zumindest nicht vor dem Essen. Danach kann man ja immer noch nebenbei anmerken, dass das Rezept ohne Ei war, und trotzdem super funktioniert hat. Mit dieser Methode kommt vielleicht auch der ein oder andere „Antiveganer“ in den Genuss veganer Ernährung, ohne großes Tratra und Missionierungsgespräche. Aufklärung durch Taten statt durch Worte nenne ich das jetzt mal. Hört sich einfach an und ist es auch: Man nehme ein veganes Rezept und koche es, teile es mit Freunden und lasse es sich schmecken. Fertig.

5 Fragen an…

…Tony Tonnaer, CEO und Gründer von K.O.I. – Kings Of Indigo. Bevor der Niederländer, der schon lange im Denim-Bereich arbeitet, K.O.I. gründete, war er Chef bei Kuychi. Wir haben 5 Fragen an ihn:

Tony, please let us know: Why is denim your favorite material?

TT: I have been working 17 years with denim and indigo, and I love how you can get so much out of this fabric. A pair of jeans seems so simple, but so many aspects are needed to make the perfect pair. A good pattern, proper constructions, quality trims and lots of variety in indigo colours in fabric and washes. The possibilities just never end. That gives a lot of inspiration, motivation and innovation.
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You’ve been CEO of Kuyichi and are the founder of K.O.I., so you have been or are working with two of the biggest European Ethical Fashion Brands. What do you think, from your experience, is most important to make Ethical Fashion successful?

TT: The most important is to make a quality product while taking care of the environment in a smart way. The jeans have to feel great, fit well and look amazing, just like conventional jeans. The key to success is to keep improving on product, communication and service. Create from the heart, while looking at the consumer and retailer, then bring these 2 together.

There’s a long history of activism for better working conditions in the textile industry in the Netherlands. The Clean Clothes Campaign has been founded there, as a reaction to protests against C&A, and Organisations like FairWearFoundation or MadeBy are based there as well. Do you think that the Dutch Public is very aware of these issues? Are the Netherlands a particularly good country for selling Organic and Fair Fashion?

TT: The Dutch always have been traders and looking for how to cater the right product in denim and fashion to the market, conventional and sustainable. As the Dutch travel a lot they also like to create a proper life for the partners who make the product these days, other than 3 centuries ago, when we exploited the third world countries by getting their workforce and resources. To be honest, I think the German consumer is more open to ethical fashion and to buying a honest and quality product than the Dutch. But the demand for these kind of ethical and cool products it is slowly getting stronger. There is no way back.
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In terms of making Ethical Fashion more mainstream, what do you think is the way to go: to convince the big brands and retailers to be more sustainable, or try and make existing Ethical Fashion Brands bigger to compete with the mainstream brands?

TT: I think most big brands are already working on making production more sustainable, so I think the whole industry will have to change. This will happen, but it takes time as the big companies need more time to change. For smaller brands like us it’s a bit easier, although being small brings other challenges. For example it is hard to produce small quantities sustainable and affordable, due to minimums in buying organic and recycled fabrics and in production lines.

Concerning the Ethical Fashion movement, a lot has happened in the past 10 years. How do you think will the market for Ethical Fashion look like 10 years from now?
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TT: 10 years ago when I started at Kuyichi, there were not many consumers, retailers and factories interested. Now most stakeholders are aware, but the change is unavoidable. In 10 years I hope there will be a good manmade fibre alternative to cotton with very similar aesthetics and comfort. That will help to clean up the pollution in cotton growing. I think the manufacturing will come closer and closer to the countries where the product is being sold, so more European brands will ore denim to Turkey, Tunisia, Marocco, Italy, Portugal and Eastern Europe. Easier to control and to manage, close to the markets. In washing there is already a big development in laser-ozone washes with hardly any chemicals, water and less energy, in 10 years most washes will be done with that technique or another innovative technique. Consumers will be even more aware what they buy and from whom.

Hier findet ihr alle K.O.I.-Produkte, die wir im Shop haben.

 

Hello again Batik!

Zu Grundschulzeiten – das war bei mir mitten in den 90ern – haben wir auf Kindergeburtstagen manchmal selber Batikshirts gemacht. Und mal abgesehen davon, dass ich damals sehr enttäuscht war, wenn mein Shirt mit einer wunderschönen roten Farbe lediglich Schweinchenrosa wurde, war das eigentlich ziemlich cool. Ein paar Jahre später hab ich alle Batiksachen fast schon angewidert aus meinem Kleiderschrank verbannt. Ganz schön peinlich!

Und jetzt – wieder ein paar Jahre später – erwische ich mich beim Pakete auspacken dabei, wie ich eine grüne Batikjeans von Wunderwerk bewundere, als wäre es wahrhaftig ein richtiges Wunderwerk und mich glatt darin verliebe. Und siehe da, nicht nur mir geht es so, anscheinend liegt Batik wieder im Trend. Zumindest behaupten das während meiner Internetrecherche so einige.

In Freiburg hat sich das anscheinend noch nicht durchgesetzt – schade eigentlich. So angenehm ich es auch finde, dass hier jeder in Trekkingschuhen und Outdoorjacken rumlaufen kann ohne schief angeguckt zu werden, ein bisschen mehr „Fashion“  würde das Stadtbild doch noch vertragen. Ob Hipster oder Hippiemode ist mir dabei ganz egal – hauptsache ein bisschen abgefahren und ohne Gore-Tex.

Ich würde mich auf jeden Fall über einen Batikrestart freuen – nur ob ich ihn selber wage weiß ich noch nich so genau…

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Mode als „Momentgenussmittel“ zum Wegwerfen?

www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2005816/ZDFzoom-Mode-zum-Wegwerfen?setTime=291#/beitrag/video/2005816/ZDFzoom-Mode-zum-Wegwerfen

Lieber eine große Tasse Kaffee oder ein neues T-Shirt? Betrachtet man den Kostenfaktor, gibt es da in bestimmten Läden tatsächlich keinen großen Unterschied. Dabei dürfte ja den meisten klar sein, dass sich die Herstellungskosten doch etwas unterscheiden (sollten).

Auch bei der Verwendung könnte man meinen, die beiden Produkte würden ein bisschen voneinander abweichen. Eine Tasse Kaffee weckt als wohlschmeckendes Genussmittel die Geister für ein paar Stündchen. Ein T-Shirt dagegen könnte man sogar mehrere Jahre nutzen. Aber da viele anscheinend im gleichen Tempo die Freude an ihren „alten“ Sachen verlieren, wie eine Kaffeetasse geleert wird, entwickelt sich Mode zunehmend zu einem Momentgenussmittel und muss so schnell wie möglich gewechselt und erneuert werden. Primark & Co machen dies möglich, denn ein neues T-Shirt statt dem morgendlichen Kaffee scheint ja ein gutes Angebot zu sein.

Wer den Preis dafür in Wirklichkeit zahlt, wird in unserer westlichen Welt leider immer noch oft vergessen.

Siegelwirrwarr überall – hat der Konsument da noch Chancen durchzublicken?

Alles und jeder wird heute gesiegelt, doch was aus politischen Gründen begann, ist heute in vielen Fällen zu einer Marketingstrategie geworden.

Aus diesem Grund kann man als Normalverbraucher kaum ohne ein gewisses Maß an Vorwissen „richtig“ einkaufen. Bei Lebensmitteln geht die Liste über verschiedene Bio-Siegel zu Naturland, Bioland und Transfair bis zu der Rainforest Alliance und anderen fraglichen Aufklebern. Um sich in diesem Wirrwarr zurecht zu finden, wenn man nicht nur sein Gewissen reinwaschen will, sondern sich wirklich dafür interessiert, benötigt es doch einiges an Eigenengagement. Mit ein bisschen Recherche hat man aber die Möglichkeit, sich ein vertrauensvolles Siegel für Milchprodukte oder Obst etc. herauszusuchen und nach diesem einzukaufen.

Bei Textilien sei das alles ja viel komplizierter und undurchschaubarer heißt es.

Tatsächlich ist die Produktionskette bei Kleidungsstücken teilweise komplizierter als bei Lebensmitteln wie Kaffee. Es geht nicht nur um einen Rohstoff, sondern vor allem auch um dessen Weiterverarbeitung. Allerdings gibt es in der Textilbranche sogar Siegel, die über die gesamte Produktionskette reichen können, und biologische Faktoren genauso beachten wie die Sozialverträglichkeit. Das bekannteste Siegel ist der Global Organic Textil Standard (GOTS – organic), auf dessen Mindestgrundlage wir viele Produkte auswählen und in unser Sortiment aufnehmen.

„Bei H&M gibt’s jetzt auch Bio-Unterhosen“

Problematisch wird die ganze Siegelgeschichte jedoch oftmals dadurch, dass viele große Konzerne einzelne zertifizierte Produkte anbieten, meist für Marketingkampagnen. Wenn in großen Supermärkten Fairtrade gesiegelte Schokolade verkauft wird, oder in großen Textilkaufhäusern T-Shirts GOTS zertifiziert sind, heißt das jedoch nicht gleich, dass diese Siegel dort nichts bedeuten. Fraglich ist eher, welcher Sinn und Zweck dahinter steht. Vergleichbar ist dieses Phänomen mit großen Stromkonzernen, die gerne ihren Ökostromanteil (den sie meist sowieso haben) zu teuren Preisen an eine bestimmte Zielgruppe verkaufen, daneben aber jede Menge nicht-Ökostrom vertreiben. Wenn im H&M also Bio-Unterhosen liegen, können diese durchaus bio sein. Diese zu kaufen ändert allerdings vorerst nichts daran, dass daneben noch 100 andere Unterhosen liegen, die unter schlechtesten Bedingungen gefertigt wurden, und die mit dem Kauf einer Unterhose aus der „Bio und Fair Marketingkampagne“ mitfinanziert werden. Auch die Unternehmensstrukturen solcher Großkonzerne ändern sich dadurch leider (noch?) nicht. Wer also nicht nur sich selbst wegen fair & bio kaufen möchte, sollte sich doch genau überlegen, wo er welche Siegel kaufen möchte.

Hier geht’s zu einer Liste wichtiger Siegel in der Textilbranche