Naturkosmetik – und warum es dabei nicht nur um die eigene Haut geht

Wenn wir Naturkosmetik kaufen, tun wir das in den meisten Fällen, um unserem eigenen Körper Gutes zu tun. Es geht dabei vor allem um vermeidbare chemische Inhaltsstoffe. Übertriebene Werbung und kurzzeitige Ergebnisse trügen im Hinblick auf den wahren Wert und Nutzen von vielen konventionellen Kosmetikprodukten, die manchmal ungewollte Langzeit- oder Nebenwirkungen hervorrufen können.

Leider herrscht in vielen Köpfen noch der Gedanke vor, dass es bei Naturkosmetik „nur“ darum geht, die eigene Haut zu schützen. Das ethisches Handeln und nachhatliges Wirtschaften untrennbar damit verknüpft sind, bleibt oft im Dunkeln. Dabei kann in einer einzigen Duschgelflasche schon eine Menge anderes Unheil haften, bevor sie überhaupt mit unserem Körper in Berührung kommt. Vor allem Tiere haben unter all den Schönheitsprodukten zu leiden – denn an ihnen werden sie solange getestet, bis keine Hautirritationen mehr entstehen, sondern alles nur noch glänzt. Bis eben auf das Tier selbst. Und wie so oft bleibt auch die Umwelt nicht verschont: Kunststoffe verstecken sich dabei nicht „nur“ in der Plastikverpackung, sondern manchmal sogar im Produkt selbst (zum Beispiel als „Polyethylene“ in Zahnpasta oder Peelingduschgels) und schaffen der Umwelt und uns selbst erhebliche Entsorgungsprobleme, wenn sie erst einmal ins Abwasser gelangen. Und auch wenn es sich um „natürliche“ Rohstoffe handelt, wie zum Beispiel Palmöl, kann dies mit dem dramatischen Orang Utan – Problem in Borneo zusammenhängen oder mit verarmten Kleinbauern am anderen Ende der Welt.

Genug Gründe, warum man auch bei Kosmetika auf biologische und nachhaltige Produkte achten sollte. Und zwar nicht nur, um die eigene Haut zu schützen, sondern auch die von anderen und unsere Umwelt. Zum Glück gibt es von verschiedensten Marken schon ein relativ breites Angebot, die ein nachhaltiges Einkaufen im Bezug auf viele Aspekte möglich machen. Mit Hilfe des BDIH und Natrue Siegels wird das den VerbraucherInnen erleichtert.

Unser persönlicher Favorit, der bis jetzt in wenigen Läden in Deutschland vertreten ist, ist Dr. Bronners. Sie haben für ihre Produkte, die vollständig biologisch abbaubar sind, nicht nur eine eigene Fair Trade und Bio Palmölproduktion gestartet, sondern selbst die Verpackungen sind zu 100% aus recycelten Materialien. Dazu kommt eine praktische Allzweckverwendung (vom Haare waschen bis zum Geschirr spülen) und tolle Düfte wie Pfefferminz, Teebaum oder Rose. Grund genug für uns, sie voller Stolz in unserem Shop anzubieten.

dr. bronners

Mehr über ungewollte Inhaltsstoffe in konventioneller Kosmetik findet ihr zum Beipsiel bei Utopia.

Das sollende Wollen

Wie oft haben wir schon resigniert. Weil wir zu klein sind, Großes zu ändern. Und weil wir so selten sehen, dass sich die kleinen Dinge tatsächlich irgendwann auf die Großen auswirken könnten. Allerdings glaube ich trotzdem, dass wir das Risiko eingehen sollten, uns viel mehr zu trauen; dass wir viel mehr provozieren könnten und demonstrieren müssten.

Doch mit mir lebt eine Generation junger Menschen, die nicht wissen was sie wollen, weil es in dieser Welt zu viel gibt, was sie wollen sollten. Es gibt zu viel, was wir machen könnten, so dass wir nicht wissen, was wir machen möchten und lieber gar nichts tun. Bevor wir überhaupt jemand sind, wollen wir uns dann schon selber finden und erschrecken, wenn wir gar niemand finden, nur viel sollendes Wollen und darin verzweifeln. Wir sollten uns empören wollen, demonstrieren wollen und provozieren wollen, nebenbei sollten wir arbeiten wollen, studieren wollen und Familie wollen.

Doch bevor wir uns entscheiden können, warum wir das eine womöglich wollen und das andere nicht, wollen wir uns doch lieber nicht entscheiden, denn dann wüssten wir ja, dass wir etwas wollen, dabei können wir das nicht wissen, weil das andere richtiger oder wichtiger hätte sein können und alles auf einmal können wir nicht machen. Also sollten wir es lieber lassen.

Denn das mit dem Provozieren macht nur Probleme...
Das mit dem Provozieren macht ja auch nur Probleme…

 

 

Nachhaltig schenken

Es weihnachtet – und los geht die Geschenkekauferei.

weihnachtsshopping

Was eigentlich ein schöner Gedanke ist – sich beschenken – artet manchmal in 5 vor 12 Notkäufe aus, die womöglich bald schon wieder im Müll landen.

Doch was tun, wenn Weihnachten in zwei Wochen dann so plötzlich da ist, dass man nur noch in das ortsansässige Riesenkaufhaus gehen kann, weil es für einen Onlineversand oder die Fahrt zu verschiedenen lokalen Läden nicht mehr reicht?

Wenn man dann noch ökologisch und nachhaltig einkaufen will, wird’s schwierig. Und dann bleibt manchmal nichts anderes übrig, als alle Prinzipien von wegen fair und bio über Bord zu werfen und wild darauf los zu konsumieren – egal was und wo. Zumindest ich muss das aus eigener Erfahrung zugeben.

Dabei ist es doch gerade die Weihnachtszeit, in der Menschen eigentlich den Anderen etwas Gutes tun wollen, jemanden glücklich machen wollen und deshalb auch oft für wohltätige Zwecke spenden. Ziemlich paradox, panisch Dinge zu kaufen, die mitverantwortlich sind für Schicksale in anderen Teilen der Welt, wohin man eventuell zur gleichen Zeit spendet. Ein bisschen erinnert mich das, wenn man weiter darüber nachdenkt, an die CO2 Ausgleichsmaßnahmen, für die man im Flugzeug spenden kann. Allerdings gibt es bei Weihnachtsgeschenken wirklich genug Möglichkeiten so zu handeln, dass die Geschenke an sich schon nachhaltig sind ohne weitere Ausgleichsmaßnahmen. Und spenden kann man dann natürlich immer noch, denn nachhaltige Geschenke sind meist auch noch die günstigere Variante!

Meine persönlichen Top 3 in Sachen nachhaltige Geschenkideen:

  1. recyceln, basteln, backen→ aus alten Büchern, Platten, Glühbirnen, Bildern, Klamotten lassen sich auch in kurzer Zeit tolle Sachen machen, Inspiration gibt’s genug im Netz
  2. Abo, Gutscheine oder Patenschaften → Zeitschrift-Abo (Greenpeace, enorm, Kochen ohne Knochen etc.), Gutscheine von öko & fairen Läden, sowie Patenschaften bei sozialen Projekten oder zum Beispiel der Arche Warder
  3. Zeit → damit kann man in allen Varianten und Formen vielen eine Freude machen und tut garantiert keinem weh!

 

Vegan Guerilla

Veganer sind die besseren Menschen – zumindest theoretisch. Ein Geheimnis ist das eigentlich nicht mehr, denn dass Eier und Milch in direktem Zusammenhang mit Massentierhaltung und Ausbeutung stehen (zumindest wenn man nicht zum Biobauern von nebenan geht), ist kaum zu leugnen. Überzeugungsvegetarier stehen vor einem Problem, wenn man die logische Konsequenz daraus zieht. Und so schwierig kann es ja eigentlich auch nicht sein – dass Menschen auch ohne Milchprodukte leben und auch lecker kochen können, machen uns schließlich schon lange die Menschen in der asiatischen Welt vor. Außerdem gibt es jede Menge Soja- und andere Getreideprodukte, die beinahe alles ersetzen, wenn es nötig ist. Schade eigentlich, dass es manchmal gar nicht die Sache an sich ist, die einen abschreckt, sondern eher dessen Prediger. Trotz meiner Überzeugung würde ich vor manchen von denen am liebsten ein ganzes Schnitzel verdrücken (aus purem Trotz).

Der Name eines Kochbuchs, das gestern bei uns eingetrudelt ist, hat mich auf eine Lösung des Problems gebracht: „Vegan Guerilla – die Revolution beginnt in der Küche“ von Sarah Kaufmann.

Muss ja keiner wissen, ob etwas vegan ist oder nicht – zumindest nicht vor dem Essen. Danach kann man ja immer noch nebenbei anmerken, dass das Rezept ohne Ei war, und trotzdem super funktioniert hat. Mit dieser Methode kommt vielleicht auch der ein oder andere „Antiveganer“ in den Genuss veganer Ernährung, ohne großes Tratra und Missionierungsgespräche. Aufklärung durch Taten statt durch Worte nenne ich das jetzt mal. Hört sich einfach an und ist es auch: Man nehme ein veganes Rezept und koche es, teile es mit Freunden und lasse es sich schmecken. Fertig.

5 Fragen an…

…Tony Tonnaer, CEO und Gründer von K.O.I. – Kings Of Indigo. Bevor der Niederländer, der schon lange im Denim-Bereich arbeitet, K.O.I. gründete, war er Chef bei Kuychi. Wir haben 5 Fragen an ihn:

Tony, please let us know: Why is denim your favorite material?

TT: I have been working 17 years with denim and indigo, and I love how you can get so much out of this fabric. A pair of jeans seems so simple, but so many aspects are needed to make the perfect pair. A good pattern, proper constructions, quality trims and lots of variety in indigo colours in fabric and washes. The possibilities just never end. That gives a lot of inspiration, motivation and innovation.
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You’ve been CEO of Kuyichi and are the founder of K.O.I., so you have been or are working with two of the biggest European Ethical Fashion Brands. What do you think, from your experience, is most important to make Ethical Fashion successful?

TT: The most important is to make a quality product while taking care of the environment in a smart way. The jeans have to feel great, fit well and look amazing, just like conventional jeans. The key to success is to keep improving on product, communication and service. Create from the heart, while looking at the consumer and retailer, then bring these 2 together.

There’s a long history of activism for better working conditions in the textile industry in the Netherlands. The Clean Clothes Campaign has been founded there, as a reaction to protests against C&A, and Organisations like FairWearFoundation or MadeBy are based there as well. Do you think that the Dutch Public is very aware of these issues? Are the Netherlands a particularly good country for selling Organic and Fair Fashion?

TT: The Dutch always have been traders and looking for how to cater the right product in denim and fashion to the market, conventional and sustainable. As the Dutch travel a lot they also like to create a proper life for the partners who make the product these days, other than 3 centuries ago, when we exploited the third world countries by getting their workforce and resources. To be honest, I think the German consumer is more open to ethical fashion and to buying a honest and quality product than the Dutch. But the demand for these kind of ethical and cool products it is slowly getting stronger. There is no way back.
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In terms of making Ethical Fashion more mainstream, what do you think is the way to go: to convince the big brands and retailers to be more sustainable, or try and make existing Ethical Fashion Brands bigger to compete with the mainstream brands?

TT: I think most big brands are already working on making production more sustainable, so I think the whole industry will have to change. This will happen, but it takes time as the big companies need more time to change. For smaller brands like us it’s a bit easier, although being small brings other challenges. For example it is hard to produce small quantities sustainable and affordable, due to minimums in buying organic and recycled fabrics and in production lines.

Concerning the Ethical Fashion movement, a lot has happened in the past 10 years. How do you think will the market for Ethical Fashion look like 10 years from now?
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TT: 10 years ago when I started at Kuyichi, there were not many consumers, retailers and factories interested. Now most stakeholders are aware, but the change is unavoidable. In 10 years I hope there will be a good manmade fibre alternative to cotton with very similar aesthetics and comfort. That will help to clean up the pollution in cotton growing. I think the manufacturing will come closer and closer to the countries where the product is being sold, so more European brands will ore denim to Turkey, Tunisia, Marocco, Italy, Portugal and Eastern Europe. Easier to control and to manage, close to the markets. In washing there is already a big development in laser-ozone washes with hardly any chemicals, water and less energy, in 10 years most washes will be done with that technique or another innovative technique. Consumers will be even more aware what they buy and from whom.

Hier findet ihr alle K.O.I.-Produkte, die wir im Shop haben.

 

Hello again Batik!

Zu Grundschulzeiten – das war bei mir mitten in den 90ern – haben wir auf Kindergeburtstagen manchmal selber Batikshirts gemacht. Und mal abgesehen davon, dass ich damals sehr enttäuscht war, wenn mein Shirt mit einer wunderschönen roten Farbe lediglich Schweinchenrosa wurde, war das eigentlich ziemlich cool. Ein paar Jahre später hab ich alle Batiksachen fast schon angewidert aus meinem Kleiderschrank verbannt. Ganz schön peinlich!

Und jetzt – wieder ein paar Jahre später – erwische ich mich beim Pakete auspacken dabei, wie ich eine grüne Batikjeans von Wunderwerk bewundere, als wäre es wahrhaftig ein richtiges Wunderwerk und mich glatt darin verliebe. Und siehe da, nicht nur mir geht es so, anscheinend liegt Batik wieder im Trend. Zumindest behaupten das während meiner Internetrecherche so einige.

In Freiburg hat sich das anscheinend noch nicht durchgesetzt – schade eigentlich. So angenehm ich es auch finde, dass hier jeder in Trekkingschuhen und Outdoorjacken rumlaufen kann ohne schief angeguckt zu werden, ein bisschen mehr „Fashion“  würde das Stadtbild doch noch vertragen. Ob Hipster oder Hippiemode ist mir dabei ganz egal – hauptsache ein bisschen abgefahren und ohne Gore-Tex.

Ich würde mich auf jeden Fall über einen Batikrestart freuen – nur ob ich ihn selber wage weiß ich noch nich so genau…

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Mode als „Momentgenussmittel“ zum Wegwerfen?

www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2005816/ZDFzoom-Mode-zum-Wegwerfen?setTime=291#/beitrag/video/2005816/ZDFzoom-Mode-zum-Wegwerfen

Lieber eine große Tasse Kaffee oder ein neues T-Shirt? Betrachtet man den Kostenfaktor, gibt es da in bestimmten Läden tatsächlich keinen großen Unterschied. Dabei dürfte ja den meisten klar sein, dass sich die Herstellungskosten doch etwas unterscheiden (sollten).

Auch bei der Verwendung könnte man meinen, die beiden Produkte würden ein bisschen voneinander abweichen. Eine Tasse Kaffee weckt als wohlschmeckendes Genussmittel die Geister für ein paar Stündchen. Ein T-Shirt dagegen könnte man sogar mehrere Jahre nutzen. Aber da viele anscheinend im gleichen Tempo die Freude an ihren „alten“ Sachen verlieren, wie eine Kaffeetasse geleert wird, entwickelt sich Mode zunehmend zu einem Momentgenussmittel und muss so schnell wie möglich gewechselt und erneuert werden. Primark & Co machen dies möglich, denn ein neues T-Shirt statt dem morgendlichen Kaffee scheint ja ein gutes Angebot zu sein.

Wer den Preis dafür in Wirklichkeit zahlt, wird in unserer westlichen Welt leider immer noch oft vergessen.

Siegelwirrwarr überall – hat der Konsument da noch Chancen durchzublicken?

Alles und jeder wird heute gesiegelt, doch was aus politischen Gründen begann, ist heute in vielen Fällen zu einer Marketingstrategie geworden.

Aus diesem Grund kann man als Normalverbraucher kaum ohne ein gewisses Maß an Vorwissen „richtig“ einkaufen. Bei Lebensmitteln geht die Liste über verschiedene Bio-Siegel zu Naturland, Bioland und Transfair bis zu der Rainforest Alliance und anderen fraglichen Aufklebern. Um sich in diesem Wirrwarr zurecht zu finden, wenn man nicht nur sein Gewissen reinwaschen will, sondern sich wirklich dafür interessiert, benötigt es doch einiges an Eigenengagement. Mit ein bisschen Recherche hat man aber die Möglichkeit, sich ein vertrauensvolles Siegel für Milchprodukte oder Obst etc. herauszusuchen und nach diesem einzukaufen.

Bei Textilien sei das alles ja viel komplizierter und undurchschaubarer heißt es.

Tatsächlich ist die Produktionskette bei Kleidungsstücken teilweise komplizierter als bei Lebensmitteln wie Kaffee. Es geht nicht nur um einen Rohstoff, sondern vor allem auch um dessen Weiterverarbeitung. Allerdings gibt es in der Textilbranche sogar Siegel, die über die gesamte Produktionskette reichen können, und biologische Faktoren genauso beachten wie die Sozialverträglichkeit. Das bekannteste Siegel ist der Global Organic Textil Standard (GOTS – organic), auf dessen Mindestgrundlage wir viele Produkte auswählen und in unser Sortiment aufnehmen.

„Bei H&M gibt’s jetzt auch Bio-Unterhosen“

Problematisch wird die ganze Siegelgeschichte jedoch oftmals dadurch, dass viele große Konzerne einzelne zertifizierte Produkte anbieten, meist für Marketingkampagnen. Wenn in großen Supermärkten Fairtrade gesiegelte Schokolade verkauft wird, oder in großen Textilkaufhäusern T-Shirts GOTS zertifiziert sind, heißt das jedoch nicht gleich, dass diese Siegel dort nichts bedeuten. Fraglich ist eher, welcher Sinn und Zweck dahinter steht. Vergleichbar ist dieses Phänomen mit großen Stromkonzernen, die gerne ihren Ökostromanteil (den sie meist sowieso haben) zu teuren Preisen an eine bestimmte Zielgruppe verkaufen, daneben aber jede Menge nicht-Ökostrom vertreiben. Wenn im H&M also Bio-Unterhosen liegen, können diese durchaus bio sein. Diese zu kaufen ändert allerdings vorerst nichts daran, dass daneben noch 100 andere Unterhosen liegen, die unter schlechtesten Bedingungen gefertigt wurden, und die mit dem Kauf einer Unterhose aus der „Bio und Fair Marketingkampagne“ mitfinanziert werden. Auch die Unternehmensstrukturen solcher Großkonzerne ändern sich dadurch leider (noch?) nicht. Wer also nicht nur sich selbst wegen fair & bio kaufen möchte, sollte sich doch genau überlegen, wo er welche Siegel kaufen möchte.

Hier geht’s zu einer Liste wichtiger Siegel in der Textilbranche

DZ von Selim Özdogan

Durch Boris von der blackmilk minus box sind wir mit dem Autor Selim Özdogan in Kontakt gekommen.
Schnell ergab sich die Idee, eine von Boris entwickelte, im Roman auftauchende Schriftart auch auf faire T-Shirts zu bringen. Im Rahmen einer Lesung bei uns am 28.09. wird Selim daher nicht nur seinen neuen Roman der Öffentlichkeit vorstellen, sondern auch die Shirts das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Um zu sehen mit was für einem Stoff wir es zu tun bekommen würden, wollte ich natürlich unbedingt vorher das Buch lesen. Auch wenn der Klappentext mich zunächst nicht sehr ansprach, merkte ich schnell, dass mir der Inhalt dafür umso besser gefiel.

Die Geschichte zweier Brüder, von denen sich der eine auf die Suche nach dem anderen macht, ist nur vordergründig eine Familiengeschichte. Viel mehr handelt der Roman von Fiktion und Realität, von Drogengebrauch und dessen Folgen. Es geht um die Legalität von Drogen und deren Verbot.
Schnell entspannt sich eine packende Story, die in zwei unterschiedlichen Welten spielt: Einer stark überwachten ‚Festung Europa‘, in der die meisten Drogen verboten sind und deren Gebrauch hart bestraft wird; und in der fiktiven südostasiatischen ‚DZ‘, wo Drogen überall und immer legal zur Verfügung stehen.
Auf Wunsch der im sterben liegenden Mutter macht sich Wissenschaftler Ziggy auf die Suche nach seinem Bruder Damian. Dieser ist bereits vor Jahren in die ‚DZ‘ ausgewandert, von wo er mit Hilfe des Internets Drogen nach Europa verkauft. Durch Zufall gelangt er als Erster an die bisher unbekannte Droge ‚WMK‘. Bei einem Selbstversuch stellt Damian fest, dass diese dem User – zumindest für kurze Zeit – bisher ungeahnte Einsichten und eine nie dagewesene Möglichkeit eröffnet. Gleichzeitig versucht Ziggy in virtuellen Drogen-Communities eine Spur von Damian zu finden und stößt dabei ebenfalls auf die neuartige  Substanz…

In seinem Roman beschreibt Selim Özdogan nicht nur sehr bildhaft, wie zahlreiche reale und fiktive Drogen wirken, sondern vor allem, warum und wie die Menschen sie zu sich nehmen. Die Drogen und zugehörigen Trips, die er beschreibt, sind dabei anschaulich und durchaus ambivalent beschrieben. Je nachdem wer, wann und wo was in welcher Menge nimmt, ist der Einfluss der Drogen auf das Leben der Protagonist_innen völlig unterschiedlich. Die Drogen werden immer in den Kontext  zu den jeweiligen Konsument_innen gesetzt.
‚DZ‘ ist ein spannender Roman, der ganz undogmatisch Stellung bezieht.  Ein wenig Science-Fiction und ein wenig Gesellschaftskritik mischen sich mit dem Apell Drogen als das zu sehen was sie sind: Weder Teufelswerk noch Heilsbringer – sondern ein ganz normaler Teil der menschlichen Kultur.

Empörung? Hallo?

Neulich hab ich mir mal vorgenommen meine Zeitung richtig zu lesen, damit sich mein Wochenendabo auch lohnt. Ich wollte also nicht nur die Überschriften überfliegen, die Bildunterschriften lesen und noch das beiliegende Magazin durchblättern, sondern mal so richtig lesen. Seite für Seite, Artikel für Artikel. Sollte ja eigentlich nicht so schwer sein.

Als ich Stunden später damit fertig war,war ich schrecklich deprimiert.

Angefangen hat es mit dem Thema Syrien. Also mit Krieg, den wir von hier aus wohl beobachten, aber sicherlich nicht realisieren möchten. Weiter ging es dann mit der NSA. Die Tatsachen sind schlimm genug, schlimmer jedoch, dass es scheinbar kaum jemanden stört. Weiter in der Zeitung ging es dann irgendwann um den Regenwald in Ecuador, wo eines der artenreichsten Gebiete des Amazonasgebiets mit samt seiner UreinwohnerInnen verschwinden wird – auf Grund von Erdölförderung. Schlimme Sache, dachte ich mir, und blätterte schnell auf die nächste Seite. Und da ging das Thema dann über ein kleines Erdbeben weiter zur anstehenden Wahl. Abgesehen davon, dass man eigentlich mit fast jeder Partei eher Mitleid haben muss, weil überall die Umfragewerte sinken, ist doch die eigentliche Dramatik, dass sich auch dafür in Deutschland zur Zeit kaum jemand zu interessieren scheint.

Und nach den Todesanzeigen, den viel zu teuren Immobilienangeboten und zu wenig Jobangeboten, hab ich meine Zeitung dann zu gemacht, saß noch einen Moment ganz still da in einem kurzen Zwiespalt zwischen Empörung und Deprimiertheit. Nachdem ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich die Regenwaldsache oder die Überwachungsgeschichte schlimmer fand, stand ich auf, und hab mir Nudeln gekocht mit Biotomaten aus der Gemüsekiste, hab mir überlegt, wen ich wählen werde, und fand mich irgendwie lächerlich.

Aber vielleicht würde ich ja am nächsten Wochenende was in der Zeitung finden, was noch schlimmer ist, dann könnte ich mir das mit der Empörung ja bis dahin aufsparen. Vielleicht sollte sich, was die Empörung angeht, auch jeder auf eine Sache spezialisieren, und über die Textilbranche stand schließlich nichts in der Zeitung, also darf ich in Ruhe Nudeln kochen bis zum nächsten Bericht darüber. Oder?

PS: Schon auf das Datum geachtet?