Zündstoff auf der Fashion Week in Berlin

Detox Denim Kampagne von Armedangels auf den Straßen von Berlin

Bahnhof Zoo Berlin, 08:00 Uhr morgens.
Leichter Regen und Wind und die Frisur sitzt noch nicht so wirklich dank der Schlafwagenfahrt ab Freiburg.
Ein kurzer Aus- und Umstieg am Wittenbergplatz, um das Erwachen der Stadt zu beobachten und einen tiefen Zug Berliner Luft einzuatmen:

Berlin Wittenbergplatz am Morgen

3 Tage Fashion Week in Deutschlands pulsierender Metropole stehen Matze und mir bevor, bei der wir die öko-faire Seite der Modebranche unter die Lupe nehmen, bestehende Händler auf den Messen besuchen und die neuesten Herbst/Winter-Trends für 2019/20 aufspüren wollen.

Tag 1 – Panorama Messe /Xoom
Station Nummer 1 unserer 3-tägigen Fair-Fashion Week-Reise ist die Panorama Messe in Berlins Westen. Sie stellt die größte Modemesse der Stadt dar, auf der die INNATEX mit der grünen Fläche Xoom Facheinkäufern die Gelegenheit bietet, ein selektiertes Portfolio an Ethical Fashion Brands für sich zu entdecken.

Eingangsbereich der Panorama Messe ExpoCenter City Berlin

Auf der Xoom angekommen, erwarten uns spannende Neuigkeiten: Verena Paul-Benz, Chefin des jungen innovativen Labels Lovjoi, das auf der Schwäbischen Alb beheimatet ist und welches wir seit einigen Saisons anbieten, wurde neben ihrer Tätigkeit bei Lovjoi auch als Geschäftsführerin der Marke Thokk Thokk ernannt.
Somit sind 2 coole Marken unseres Sortiments zukünftig quasi unter einem Dach untergebracht. Mit ihrem Motto: ‚Ist halt bio, ging leider nicht anders…‘ sorgen Thook Thook schon seit 2008 vom Münchener Firmensitz für frischen Wind in der Fair-Fashion-Szene.

Auch für den kommenden Winter stehen die veganen und recycelten Kapok Jacken im Vordergrund der Kollektion von Thokk Thokk. Diese konnten wir bereits vergangene Saison testen und sind überzeugte Fans der warmen, biologisch abbaubaren ‚Naturdaune‘ geworden.

Wir stehen auf Kapok!

Bei Lovjoi gibt es weitere Neuigkeiten: das Label geht mit einer brandneuen Unterwäschekollektion an den Start.
Lovjoi Intimates erregt Aufstehen durch die Verwendung des Cradle-to-Cradle-zertifizierten, nachhaltigen Roica Spandex statt Elasthan und recyceltem Polyester in den Cups der BHs statt des konventionellen Polyurethans. Gefertigt werden die Dessous in Portugal und sehen einmalig schön und verführerisch aus.

Stop the Tox in your Bra – Lovjoi Intimates

Für den nächsten Besuch haben wir es nicht weit: am Stand gegenüber empfangen uns Jan und Robert von Recolution. Die Hamburger Jungs führen uns durch ihre Kollektion welche uns noch größer, vielfältiger und farbenfroher erscheint.
Strickteile mit Zopfmuster, Colour Blocking, Waffeloptiken, Hosen und Hemden aus Tencel in den Farben Beere, Wollweiß, Grau, Oliv und auch ein neckisches Himmelblau strahlt uns vom soliden Basic-Programm entgegen. Der gesamte Stand wirkt wie von den Hamburgern gewohnt: jung und sportlich frisch.

The Green Revolution: Recolution

Wir sagen kurz „Hallo“ bei Knowledge Cotton Apparel.
Obwohl wir bereits einen separaten Ordertermin im Münchener Shworoom haben, lassen wir es uns nicht nehmen, schon mal in die neue Kollektion zu spicken. Diese verspricht ein wahres Wunderfarbenwerk: die Herren der Schöpfung dürfen sich im nächsten Winter in sattes Pink, Violett und Orange hüllen.
Und weil die Crew von KCA so cool und nett ist, verbringen wir den Abend kurzerhand mit einem gemeinsamen Dinner.

Mutige Farben bei KCA

Tag 2 – Neonyt:
Zur Ethical-Fashion Messe Neonyt können wir von unserem Apartment aus laufen. Ein Frühstücks-Stop bei unserem Lieblingsitaliener Lamuri auf der Köpenicker Str. muss unterwegs aber unbedingt sein!

Auf der Neonyt angekommen begeben wir uns als erstes zu unserem Ordertermin bei Les Racines du Ciel. Und sind wieder einmal begeistert von den eleganten Strickkreationen. Nathalie und Christian von LRDC scheinen sich von Saison zu Saison an Ideen und Geschmack zu übertreffen. Und weil wir so angetan sind, wird kurzerhand das Budget erhöht, um unseren Kund*innen eine breite Vielfalt der Cardigans und Pullover aus feinster Alpaka Wolle und Kashmir im nächsten Herbst/Winter anbieten zu können.
Das Farbspektrum ist in schönen erdigen Tönen gehalten, beinhaltet aber auch satte Blautöne und ein schönes Rostrot. Wollweiss, Schwarz und Braun sind die natürlichen, ungefärbten Farben des Alpaka-Haares und sehen besonders edel aus.

Edle Strickware von LRDC

Ein paar Schritte weiter gelangen wir auch schon zu Jan’n June, dem jungen Hamburger Eco-Trendlabel, das in der vergangenen Saison bei der Zündstoff-Kundschaft super angekommen ist. Da ich selbst ein großer Fan des Stils der beiden Hamburgerinnen Anna und Jula bin, freue ich mich wie ein Kind zu sehen, was sie sich für den nächsten Herbst/Winter ausgedacht haben. Ich werde auch nicht enttäuscht: Bestseller wie das fantastische O-Shape-Kleid Momo sind wieder dabei aber auch neue Interpretationen auf gänzlich neuen Stoffen. Auch hier wieder ein farbenfrohe Auswahl, welche dem trüben Grau des Winters Konkurrenz machen wird. Leuchtendes Zitronengelb und erstmals ein warmes Schokoladenbraun wurden in die Kollektion integriert. Cordstoffe, Fleece und recyceltes Polyester bleiben der Marke treu. Es kommt kein Zweifel auf, dass wir auch hier wieder ein schönes Sortiment für unsere Kund*innen zusammen stellen können.

Jung, frisch, hamburgerisch: Jan’n June

Wir schlendern weiter über die Neonyt und lassen uns treiben. Schauen hier und dort bei bestehenden Händlern wie Frieda Sand, Mela Wear und Kiks vorbei.

Geschäftiges Treiben auf der Neonyt Messe

Meine Lieblingsentdeckung auf der Neonyt sind Mahla Clothing aus Dänemark. Das Label um die junge Designerin Tutty Sofia Hongisto treibt es besonders bunt und schrill. Einzigartige Stücke, die allesamt aus recycelten und nachhaltigen (Bio-)Materialien bestehen, werden in der „Pussy Power“-Kollektion gekonnt in Szene gesetzt. Wir sehen liebevoll bestickten Brokat, Satin-Bomberjacken, Kleidungsstücke aus alten Theatervorhängen und Armee-Stoffen und knallig-bunten Plüsch. Produktionsüberschüsse aus Stofffabriken aber auch Upcycling bereits getragener oder benutzter Textilien, die sonst keine Verwendung mehr finden.

Tutty von Mahla Clothing präsentiert ihre Pussy Power Kollektion

Relaxter urbaner Street-Style nach dem Slow-Fashion Prinzip: hochwertige Materialien, umweltfreundlich, fair.

Zu guter Letzt landen wir am Stand von bleed, um durch die Kollektion zu schauen, diverse Stücke anzuprobieren und uns unsere Lieblingsteile vorzumerken. Die 100% klimakompensierte Strickware finden wir besonders spannend. Und es scheint sich eine neue Trendfarbe herauszukristallisieren: Salbei!

Nach getaner Arbeit, werden wir von den oberfränkischen Jungs und Mädels mit feinstem Rotwein belohnt, klönen und tauschen uns noch ein wenig mit anderen Eco-Fashion-Store-Betreibern aus.

Just fucking good Wine and Vibes bei Bleed

Am Abend gibt es noch, zusammen mit dem Team von Glore und Grüne Wiese, feinstes vietnamesiches Essen bei Kanto in der Hasenheide, wo ich mich müde aber glücklich über meine gigantischen veganen Summer Rolls hermache. Ein schöner und herzlicher Ausklang eines erfolgreichen und spannenden Messetages.

Summer Rolls bei Kanto

Tag 3 – Seek:
Am dritten und letzten Tag besuchen wir die Seek, zu der wir ebenfalls hinlaufen können und die wohl die innovativste der Modemessen Berlins darstellt.

Container der One Warm Winter Obdachloseninitiative vor der Seek Messe

Es warten Besuche bei Pinqponq, Klitmöller, Dedicted, Kuyichi, Thinking Mu und Veja auf uns. Aber auch für uns noch unbekannte Labels wollen entdeckt werden.

Wie zum Besipiel CUS aus Barcelona, deren moderne, feminine Kollektion mir sofort ins Auge springt. Auch die Herrenmodelle überzeugen im angesagten Worker-Stil.
Bei Dedicated gefällt mir besonders gut die Feminism-Kollektion, Matze hat sich das Rocky Balboa Thema ausgesucht.

Dedicated for Feminism

Für Klitmøller Collective und Thinking MU machen wir separate Termine im Sindelfinger und Münchener Showroom aus, um dort in Ruhe die gesamte Kollektion noch einmal zu sichten und die Orders zu platzieren. Klitmøllers Kollektion wird nach wie vor inspiriert durch das Meer und die raue nordische Natur und kommt natürlich schön und gemütlich daher. Auch neue Farben wie rostrot und tannengrün sind auf der feinen Strickware zu sehen.

Veja präsentieren ein neues Material für ihre Sneaker:
Corn Waste Coat, Reste geernteter Maispflanzen, die in Italien angebaut werden und als Obermaterial Einsatz finden.

Sneaker Paradies bei Veja

3 Tage voller Mode, Messen und Nachhaltigkeit liegen hinter uns.
Wieder einmal war es eine lohnenswerte Reise in die Metropole voller Inspirationen und spannenden Entdeckungen.

Nächtens unter der Oberbaumbrücke in Berlin

Bilder und Text: Sévérine Kpoti